Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?31239

Heimkino-Tipp

Auf Grindr quer durch Frankreich

Jetzt auf DVD: Im Film "Vier Tage in Frankreich" verlässt Pierre seinen Partner und reist ziellos durchs Land. Sein treuester Begleiter ist die Dating-App Grindr, durch die er die sonderbarsten Begegnungen hat.


Der Schwule Pierre vögelt sich ziellos durch Frankreich (Bild: Edition Salzgeber)

Ein letzter Blick auf seinen schlafenden Partner, dann geht Pierre (Pascal Cervo). Ein Ziel hat er nicht, aber er hat ein Auto. Sein weißer Alfa Romeo bringt ihn von Paris aus einmal quer durch Frankreich, durch Kleinstädte, Gebirgszüge, Wälder. Er ist alleine, und doch ist er es nicht: Die Dating-App Grindr verbindet ihn mit der schwulen Welt.

So wird der für die App typische Nachrichtenton, das Plopp, sein ständiger Begleiter. Er nimmt eine Anhalterin mit, der er erklärt, weshalb dieses Plopp häufiger wird, je näher sie sich der Stadt nähern: Da leben einfach mehr Menschen. Das Geräusch, das eine Nachricht ankündigt, wird zum Takt und Antrieb seiner Reise. Die Zufallsbegegnungen, die Grindr ihm verschafft, bringen ihm das Land und die Leute näher, im Guten wie im Schlechten.


Das Grindr-Plopp als ständiger Begleiter (Bild: Edition Salzgeber)

So trifft er einen 20-Jährigen, der unbedingt raus aus der Provinz möchte. Pierre erkennt sich in ihm wieder. "Die Schönheit gestaltet alles", sagt er und prophezeit ihm eine rosige Zukunft. Natürlich, in einer App, die maßgeblich auf Bilder und Selbstinszenierung setzt, stehen dem schlanken jungen Mann alle Türen offen. Doch er wird auch von einer älteren Frau beschimpft, die in der Nähe einer Cruising-Area lebt und die Verschmutzung, die quietschenden Reifen, das wilde Treiben nicht mehr erträgt. All ihr Frust prasselt ein auf ihn in einem unerträglichen Hassmonolog.

- w - Video (51s) - Feiere Pride mit Levi's®

Grindr: Hilfe zur Suche, aber auch Mahnung


Die Edition Salzgeber hat "Vier Tage in Frankreich" mit deutschen Untertiteln auf DVD veröffentlicht

Gleichzeitig macht sich sein Partner Paul (Arthur Igual) auf den Weg, Pierre zu suchen. So wie Pierre Grindr zur Ablenkung und Zerstreuung nutzt, versucht Paul, ihn über die App zu finden. Er fährt in die Mitte Frankreichs, findet seinen Partner, kommt ihm näher, verliert ihn wieder, holt sich Hilfe von Männern, die mit ihm geschrieben haben.

Detektivisch arbeitet Paul mit Zirkel und Landkarte, um die Entfernungen einzutragen. So entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, irgendwie romantisch, aber doch mahnend: Die Nutzer geben sensible Daten von sich preis. In anderen Ländern, etwa Ägypten, wird Grindr von Fakes und Polizisten genutzt, um schwule Männer zu erpressen. Erst kürzlich war Grindr heftiger Kritik ausgesetzt, da die App HIV-Daten seiner Nutzer weitergab.

Die Nebenfiguren machen den Film besonders stark

Das Road-Movie zeigt in großartigen Landschaftsaufnahmen die Schönheit Zentralfrankreichs. Immer in den Panoramen: Pierres leuchtend-weißes Auto, ein kleiner Fleck nur, der seine Einsamkeit verdeutlicht. Er ist alleine, auf der Suche nach Freiheit. Er, der im Wagen klassische Musik hört und Rimbaud aus dem Kopf zitieren kann, ist Grindr-süchtig. Was er sucht, weiß er womöglich selbst nicht.


Pierre ist Grindr-süchtig (Bild: Edition Salzgeber)

Das ist eine Stärke von "Vier Tage in Frankreich", dem ersten Spielfilms von Regisseur Jérôme Reybaud: Wir erfahren mehr über die vielen teils kuriosen, teils bemitleidenswerten Begegnungen von Pierre als über Pierre selbst. So wie die Menschen ihn kennenlernen, tun wir es auch: Sie geben viel von sich preis, während Pierre schweigt. So stellt auch ein Wirt fest: Sie haben jetzt schon zu viele Wörter gewechselt, um noch Sex zu haben. Er braucht Distanz, Anonymität, keine emotionale Verbindung. Wie er da steht in seinem Dorf-Wirtshaus, diese Sätze sagt, so überzeugend und von sich selbst überzeugt – das sind Nebenfiguren, die ein Film braucht.

Am Ende findet Pierre sich nicht selbst. Er muss gefunden werden, doch das geschieht so leise und zart, wie der gesamte Film erzählt.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Filmi

Vier Tage in Frankreich. Drama. Frankreich 2016. Regie: Jérôme Reybaud. Darsteller: Pascal Cervo, Arthur Igual, Fabienne Babe. Laufzeit: 141 Minuten. Sprache: französische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 12. Edition Salzgeber