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Fußball-WM 2018

Der Fußball-Weltstar und die Schwulenmörder

Ägyptens Fußball-Star Mohamed Salah sorgt mit einem gemeinsamen Auftritt mit Tschetscheniens Präsidenten Ramsan Kadyrow für Wirbel.


Ramsan Kadyrow, Mohamed Salah und, offenbar mit offizieller FIFA-Akkreditierung, Magomed Daudow; dem tschetschenischen Parlamentsvorsitzenden wird vorgeworfen, persönlich bei der Folter schwuler Männer anwesend gewesen zu sein

Die Fußball-WM in Russland sorgt bereits Tage vor Beginn für den ersten Eklat: Der ägyptische Nationalspieler und Superstar von Jürgen Klopps Liverpool, Mo Salah, zeigte sich am Sonntag gemeinsam mit dem tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow im Stadion von Grosny.

In der halbautonomen russischen Republik finden keine Spiele statt, allerdings hat die ägyptische Nationalmannschaft hier ihr Quartier aufgeschlagen und trainiert seit Sonntag in dem Stadion. Der seit dem Champions-League-Finale verletzte Salah nahm nicht am Training teil, sondern schritt mit Kadyrow das Stadion ab. Wie andere Spieler schüttelte er dem Präsidenten strahlend die Hand.


Kadyrow schlachtet das Treffen mit der ägyptischen Nationalmannschaft in allen seinen Kanälen aus, hier im russischen sozialen Netzwerk vk: "In Grosny herrscht bereits der Geist der WM"

Der 41-jährige Politiker, der wegen Sanktionslisten u.a. nicht in die USA und die EU einreisen darf, nutzte den Auftritt vor der Welt-Presse, um sich gemeinsam mit Salah von einheimischen Fans feiern zu lassen. "Mohamed Salah hat sich für die warme Begrüßung dankbar gezeigt", schrieb Kadyrow auf einer Regierungs-Webseite.

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Kadyrow-Regime verschleppte Schwule, Putin-Regime die Aufklärung

Kadyrow und seinem Regime werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, bei denen der Kreml wegschaut. So kam es im Frühjahr 2017 zu einer Welle von Verschleppungen von über 100 schwulen Männern, die in außergesetzlichen Gefängnissen festgehalten und, an der Seite von angeblichen Drogensüchtigen und anderen Gefangenen, gefoltert wurden. Mehrere Menschen wurden dabei getötet. Kadyrow hatte die Taten (und die Existenz Homosexueller in der Region) immer wieder abgestritten und zugleich betont, dass man das tschetschenische Blut von Schwulen reinigen müsse (queer.de berichtete).

Erst in der letzten Woche hatte der Gleichstellungsausschuss des Europarats einen ausführlichen Bericht zur Verfolgung vorgelegt (queer.de-Bericht mit einer näheren Zusammenfassung der Geschehnisse). Der Bericht des belgischen Politikers Piet De Bruyn hält auch "schockiert" fest, dass laut mehreren Aussagen von Opfern der tschetschenische Parlamentsvorsitzende Magomed Daudow eine "Schlüsselrolle" bei der Verfolgung spielte und selbst "beobachtete, wie einige der Opfer gefoltert wurden". Der 38-Jährige schritt am Sonntag das Stadion an der Seite von Kadyrow und Salah ab und legte dem Fußballer zwischenzeitlich den Arm über den Rücken.


Der Bericht enthält eine Resolution, die die Parlamentarische Versammlung des Europarats Ende Juni berät. In ihr wird die Untätigkeit der zuständigen russischen Strafverfolgungsbehörden beklagt und gefordert, die Verantwortlichen zu ermitteln und zu bestrafen. Auch müsse Russland Gesetze gegen "Homo-Propaganda" aufheben, die der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bereits als Verstoß gegen die Menschenrechte eingestuft hatte.

WM zwischen Stadion, Polizei und "Diversity House"

Die Kadyrow-PR-Session in Grosny dürfte kurz vor Beginn der Spiele wieder Kritik an der Vergabe der Fußball-WM nach Russland laut werden lassen; nur wenige Tage, bevor der Verband am Mittwoch entscheidet, ob er – nach Katar 2022(!) – die WM 2026 an eine Dreierbewerbung aus Kanada, den USA und Mexiko vergibt oder an Marokko, wo es immer wieder zu Festnahmen und Verurteilungen Homosexueller kommt. Der DFB hat sich bemerkenswerterweise noch nicht festgelegt, welche Bewerbung er unterstützt.

Einen Tag nach der FIFA-Abstimmung startet die WM in Russland (wo, wie auch im homofeindlichen Aserbaidschan, zudem mehrere Spiele der EM 2020 stattfinden). Mehrere Verbände und Botschaften haben queeren Fußballfans geraten, sich in der Öffentlichkeit vorsichtig zu zeigen und auf das Schwenken von Regenbogenfahnen zu verzichten (das Netzwerk Fare hat einen ausführlichen Fan-Guide veröffentlicht und eine Notfall-Whatsapp-Hotline eingerichtet und will ein "Diversity House" in Moskau und St. Petersburg eröffnen).


Noch immer werden in Russland LGBTI-Proteste unterdrückt und aufgelöst, hier etwa im Mai 2017 in St. Petersburg eine Kundgebung (mit Kunstblut) zur Schwulenverfolgung in Tschetschenien im Rahmen der allgemeinen 1.-Mai-Demo (queer.de berichtete)

Die WM-Organisatoren hatten angekündigt, dass queere Fans mit Regenbogenflaggen trotz des "Propaganda"-Gesetzes keine Probleme erwarte. Allerdings gab es ähnliche Zusicherungen schon zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi, wo eine italienische LGBTI-Aktivisten in Regenbogenkleidung zwei Mal vor dem Stadion festgenommen wurde.

Wie das queer.de-Sotschi-Liveblog von damals festhielt, wurden an anderen Stellen des Landes zudem Proteste von einheimischen LGBTI-Aktivisten durch Festnahmen unterdrückt. In diesem Jahr wollen sich die Verbände mit speziellen Protesten zurückhalten: zum einem ist man der Auffassung, dass diese während der Spiele wenig Aufmerksamkeit und keine Änderungen brachten, zum anderen wurde das Demonstrationsrecht für die folgenden WM-Wochen verschärft: Kundgebungen von Einzelpersonen brauchen nun eine Erlaubnis.

Möglicherweise sind es so die internationalen Fans, die ein Zeichen setzen könnten. Doch selbst alltägliche Handlungen schwuler Paare könnte Probleme bringen: In Rostow am Don, wo mehrere Spiele stattfinden, hat zum einen ein Biobäcker auf Englisch ein Schild angebracht, dass "Schwuchteln" der Eintritt verwehrt sei. Zum anderen haben in der Stadt Kosaken, die zur Sicherheit der Fans eingesetzt werden, angekündigt, gleichgeschlechtliche Küsse der Polizei zu melden (queer.de berichtete).


Schwule nicht willkommen: Warnung an "Sodomiten" und "Schwuchteln" auf Russisch und Englisch bei einem Biobäcker in Rostow am Don, rund fünf Gehminuten von der neu eröffneten "Rostow Arena" entfernt

Die WM wird am Donnerstag mit dem Spiel Russland gegen Saudi-Arabien im Moskauer Olympiastadion eröffnet. Die FIFA gab am Montag bekannt, dass bei der Eröffnungsshow unter anderem Robbie Williams auftreten wird. "Ich freue mich sehr, für einen so einzigartigen Auftritt nach Russland zurückkehren zu können", so der britische Popstar. "Ich habe in meiner Karriere schon vieles gemacht, und die Eröffnung der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft vor 80.000 Fans im Stadion und vielen Millionen Zuschauern auf der ganzen Welt ist ein Kindheitstraum."

Facebook / rbb24 | Bericht des rbb über einen Protest vor der russischen Botschaft in Berlin. Für Sonntag hatten queere Fußballclubs zu Kundgebungen vor diplomatischen Vertretungen in fünf Städten eingelasen

Wöchentliche Umfrage

» Wie hälst du es mit der Putin-WM?
    Ergebnis der Umfrage vom 11.06.2018 bis 18.06.2018


#1 JamboAnonym
  • 11.06.2018, 17:04h
  • Die FIFA genauso wie das IOC macht für den meistbietenden die Beine breit. Und für Geld wird jede aber wirklich jede Moral über Bord geworfen.
    Und dann wir noch auch hier von vielen auch hier noch so was ähnliches wie die "deutsch-sowjetische" Freundschaft diesbezüglich geredet.
    BULLSHIT
    Hier wird das Grundrecht vom Menschen verletzt und gemacht wie wenn nix wäre.
    Und die WM in dem arabischen Land ist dann Progrom Nr 2.
    Ich kann nur empfehlen, jedes Medium zu meiden mit WM Informationen
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#2 HeteroAnonym
  • 11.06.2018, 17:39h
  • Salah scheint sich mit Kadyrow sehr gut zu verstehen!

    Ist das ein Hinweis darauf?
    Ist er möglicherweise sehr einverstanden mit Kadyrows Umgang mit Schwulen, mit deren Folterung und Ermordung?

    Und wenn nicht:
    Warum trifft er sich dann mit diesem mörderischen Diktator, strahlt und hält ihm die Hand?

    Ekelhaftes Verhalten von Salah!
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#3 PierreAnonym
  • 11.06.2018, 18:26h
  • War doch klar, dass die Fußball-WM nur noch eine Propaganda-Veranstaltung ist, die von Despoten missbraucht wird.

    Und die Fußballer lassen sich auch noch bereitwillig dafür einspannen....
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#4 YannickAnonym
  • 11.06.2018, 19:06h
  • Also ich boykottiere nicht nur die WM, sondern auch alle Sponsoren und Werbepartner.

    Wer an sowas teilnimmt, darf mich nicht mehr zu seinen Kunden zählen. Punkt.

    Wenn das genug Leute machen würde, würde diese WM ein wirtschaftliches Desaster und die würden sich in Zukunft zweimal überlegen, wo sie sowas veranstalten.
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#5 von_hinten_genommenAnonym
  • 11.06.2018, 19:25h
  • Eines Tages wird ihm das Lachen vergehen. Denn eines ist sicher: wer zuletzt lacht, lacht am besten. Und das sind immer die Guten, die Unschuldigen mit reinem Gewissen.
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#6 Aber bis dahinAnonym
#7 von_hinten_genommenAnonym
#8 Gerlinde24Profil
  • 12.06.2018, 06:12hBerlin
  • Religiöse Menschen, oder Menschen, die Religion missbrauchen, verstehen einander.
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#9 Gerlinde24Profil
  • 12.06.2018, 06:14hBerlin
  • Antwort auf #3 von Pierre
  • Man kauft die WM, um für das eigene Land, also auch für sich, Werbung zu machen. Bei der FIFA gibt es schon lange keine freie Wahl mehr! Es zählt, wie viele Stimmen man mit wie viel Geld gekauft hat!
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#10 Gerlinde24Profil