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Moskau

WM: Erster LGBTI-Aktivist festgenommen

Der britische Menschenrechtler Peter Tatchell wurde nach einem Protest auf dem Roten Platz zu einer Polizeiwache gebracht.


Tatchell kurz bevor er zu einer Wache gebracht wurde

Wenige Stunden vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft ist der britische LGBTI-Aktivist Peter Tatchell am Donnerstag in Moskau bei einem Protest festgenommen worden.

Der ursprünglich aus Australien stammende 66-Jährige, der schon in der Vergangenheit mehrfach beim Moskauer CSD von Polizisten festgenommen und teilweise von Gegendemonstranten verprügelt wurde, hatte als einzelner Demonstrant ein Schild hochgehalten, mit dem er auf die Schwulenverfolgung in Tschetschenien und die mangelnde Aufklärung durch russische Strafverfolgungsbehörden aufmerksam machen wollte: "Putin unternimmt nichts gegen die Folter von homosexuellen Menschen in Tschetschenien", heißt es auf dem Schild.

Tatchell, der in einem Gastbeitrag für den "Guardian" seine Beweggründe für seine Proteste in Russland während der WM ausführlich schilderte, wurde zu einer Polizeiwache in der Nähe gebracht. In der Regel werden nach solchen Festnahmen Personen nach wenigen Stunden auf der Wache und der Feststellung der Personalien wieder freigelassen. Update: Rund eine Stunde nach seiner Festnahme ist Tatchell nach Angaben seines Sprechers wieder auf freiem Fuß.

Facebook / DW | Der Protest von Tatchell, ins Russische übersetzt von der Deutschen Welle

Demonstrationen von Einzelpersonen bedürfen in Russland in der Regel keiner Genehmigung, solange ein gewisser Abstand zu ggf. weiteren demonstrierenden Personen besteht. Rund um die WM wurde dieses Recht allerdings eingeschränkt, auch sind in den nächsten Wochen Proteste in Kreml-Nähe untersagt.

- w - Video (51s) - Feiere Pride mit Levi's®

Hotlines und Zentren für WM-Besucher

Russische LGBTI-Verbände hatten in diesem Jahr angekündigt, sich mit Protesten zurückzuhalten – anders als zu den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi, als es – kurz nach Verabschiedung des Gesetzes gegen Homo-"Propaganda" – bei mehreren Protesten immer wieder zu Festnahmen gekommen war (queer.de berichtete). Allerdings wollen die Gruppen mehrere Veranstaltungen zum Thema Sport abhalten und dafür teilweise das vom Netzwerk FARE eingerichtete "Diversity House" in Moskau und St. Petersburg nutzen.


Der von Tatchell kritisierte russische Präsident Wladimir Putin am späteren Nachmittag bei der Eröffnung der WM im Moskauer Luzhniki-Stadium. Bei der Feier war u.a. der britische Popstar Robbie Williams aufgetreten, ohne ein Zeichen zu setzen. Auf der Ehrentribüne saß u.a. der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

Das Fan-Netzwerk hat zudem einen WM-Guide, der sich auch an queere Fans richtet, und eine Überfall-Hotline für WM-Besucher eingerichtet. Auch die St. Petersburger Organisation "Coming out" hat eine internationale Hotline eingerichtet. Mehrere Verbände und Botschaften hatten queeren Fußballfans geraten, sich in der Öffentlichkeit vorsichtig zu zeigen und auf das Schwenken von Regenbogenfahnen zu verzichten, auch wenn WM-Organisatoren zugesichert haben, dass diese geduldet werden würden.

Twitter / farenet | Am späteren Nachmittag zeigten Fans während des Eröffnungsspiels mind. eine Regenbogenflagge im Stadion

Kiss-In am Sonntag vor russischer Botschaft in Berlin

Auch in Deutschland setzen sich die Proteste gegen die Homophobie in Russland anlässlich der WM fort. Nach den Protesten vor mehreren russischen Vertretungen durch queere Fußballfans am letzten Wochenende hat für Sonntag die Grüne Jugend zur Teilnahme an einem Kiss-In und einer Regenbogenaktion vor der Russischen Botschaft in Berlin (Unter den Linden 63-65) aufgerufen. Die Aktion findet um 12 Uhr statt – fünf Stunden, bevor die deutsche Nationalmannschaft ihr erstes WM-Spiel in Russland bestreitet. (nb)



#1 monchichiAnonym
  • 14.06.2018, 16:37h
  • Also der hat eier..paar tausend von denen und die welt säh ganz anders aus!!
    Aber es ist ja leichter kommentare zu schreiben :))
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#2 A true heroAnonym
#3 MatsAnonym
  • 14.06.2018, 20:17h
  • Die WM-Organisatoren haben sicherzustellen, dass dort auch LGBTI-Teilnehmer, -Funktionäre, -Journalisten und -Besucher sicher sind und sich auch, wenn sie sich als LGBTI zu erkennen geben oder frei sprechen, keine Angst vor Gewalt oder staatlicher Repression haben müssen.

    Wenn die Organisatoren das nicht können oder wollen, sollte das boykottiert werden.
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#4 Peter GoldrohrAnonym
  • 14.06.2018, 21:04h
  • #2 Peter Tatchell, you're our hero !!
    1973 in Ostberlin auf der Abschluss-Demo der 10. Weltfestspiele der Jugend und Studenten trug Peter Tatchell ein Transparent vorn mit dem Text drauf Homosexuelle Befreiung Revolutionäre Homosexuelle unterstützen SOZIALISMUS und auf der Rückseite gay liberation front london bürgerrechte für homosexuelle.

    Teilnehmer der britischen Delegation, alles Delegierte aus fortschrittlichen Jugendorganisationen, verprügelten dafür Peter Tatchell und zerrissen sein Plakat. Peter war damals ein 2ljähriger Student am West London College of Further Education. Er hatte wohl Hoffnung auf den Ostblock, der ja von sich behauptete menschenwürdiger, gerechter und friedliebender als alle Gesellschaften zuvor zu sein.

    Nun, fünfzig Jahre später, demonstriert Peter Tatchell für Leib und Leben Homosexueller auf dem Territorium des ehemaligen Ostblock, Sieht so aus, als wären die Lebewesen dieser Landstriche noch homophober, intoleranter, ungebildeter und böser aus dieser temporären Phase Sozialismus entlassen worden, als sie in die hineinkamen. Die Herrscher dieser Territorien sind ja wahre Menschenfresser. Haben die das in der Sowjetunion gelernt?

    Peter Tatchell, mach weiter und weiter deine Further Education. Verzweiflung spendet immer neue Kraft.
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#5 von_hinten_genommenAnonym
  • 14.06.2018, 22:39h
  • "Liebe Freunde" war sein Beginn der Rede.
    Pfff, ich hab mich einfach mal nicht angesprochen gefühlt :-))

    "Sport ist human"
    Ja, aber nicht nur Sport, sondern vieles andere auch, zum Beispiel die LSBTTIQ :-)
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#6 Gerlinde24Profil
  • 15.06.2018, 07:53hBerlin
  • Bei den Ruskies unter Putin wundert mich gar nichts mehr, weil die Freie Meinungsäußerung und das Demonstrationsrecht mit Füßen getreten wird.Was mich nur wundert, ist, warum die FIFA ihre Ideale verraten hat? Kein Geld der Welt ist das wert!
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#7 schwarzerkater
  • 15.06.2018, 08:36h
  • Antwort auf #3 von Mats
  • "Die WM-Organisatoren haben sicherzustellen, dass dort auch LGBTI-Teilnehmer, -Funktionäre, -Journalisten und -Besucher sicher sind (...) Wenn die Organisatoren das nicht können oder wollen, sollte das boykottiert werden."

    ginge es nach dir, "Mats", so müssten bestimmt bis zu 30% der sportlichen großveranstaltungen boykottiert werden:
    die nächste fußball-WM findet in katar statt. die olympischen winterspiele 2022 in peking. und ganz, ganz viele WM's und EM's in anderen sportarten, von denen unsere presse wenig bis gar nichts berichtet, werden in ziemlich fragwürdigen ländern ausgetragen. schon mal auf den rennkalender der formel 1 geblickt?
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#8 LuddiAnonym
  • 15.06.2018, 09:35h
  • Es wäre schön, wenn alle, die ihn jetzt feiern, auch zum Kiss-In vor der russischen Botschaft am Sonntag kämen. Es wäre schön, wenn Queer hierzu aufruft und das nicht nur erwähnt!
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#9 GronkelAnonym
  • 15.06.2018, 10:31h
  • Also beim G8 Gipfel in Heiligendamm gab es auch ein Demonstrationsverbot und eine Bannmeile. Auch dort wäre jemand Festgenommen worden und auch kurze Zeit später wieder freigelassen worden.
    Es muss nicht wirklich alles skandalisiert werden.
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#10 Crikkie
  • 15.06.2018, 14:03h
  • Antwort auf #9 von Gronkel
  • Beim G8-Gipfel in Heiligendamm (sowie bei allen anderen Gipfeln) beruhte das Verbot aber auf Sicherheitsbedenken und galt nur in einem bestimmten Umkreis. Hier gilt das Verbot überall aufgrund des Inhalts und nicht nur explizit für Demonstrationen im eigentlichen Sinne.
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