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  • 15. Juli 2005, noch kein Kommentar

Ihre tolle Stimme sorgt seit 2003 in der Jazz-Welt für Furore. Lizz Wright hat ein neues Werk auf dem Markt: "Dreaming Wide Awake".

Von Jan Gebauer

Es gab soviel Trubel um Norah Jones und ihren sensationellen Durchbruch, dass Lizz Wrights Karrierestart fast etwas untergegangen wäre. Dabei gehörte auch sie 2003 zu den ganzen großen Entdeckungen im Mainstream-Jazz. Eine tolle, warme Stimme, irgendwo zwischen Tracy Chapman, Oleta Adams oder Angie Stone, die sich nicht scheut die Grenzen zwischen R&B, Jazz und Folk aufzubrechen. Dass sie ihre Platten auf dem renommierten Verve-Label veröffentlicht, spricht ebenso für die Künstlerin wie ihr Geschmack bei der Songauswahl. Ihr neues, zweites Album "Dreaming Wide Awake" enthält 13 Lieder, teils selbst komponiert, teils adaptiert. So eröffnet sie die CD mit einer sehr eigenen Version des Klassikers "A Taste Of Honey", das vor 35 Jahren in Versionen von den Beatles, Herb Alpert oder Morgana King um die Welt ging. Ihre Stimme ist tatsächlich so fließend wie Honig, jedoch weniger süßlich – dafür sorgen rauchige Nuancen.

Im Jazz-Bereich greift man gerne und immer wieder auf die Kompositionen von Rock-Legende Neil Young zurück. "Old Man" von seinem 72er Album "Harvest" köchelt dank sparsamer Instrumentierung auf kleiner Flamme vor sich hin, birgt aber eine spannende Grundatmosphäre. Die hypnotische Melodie und Wrights zurückhaltender vokaler Einsatz umschmeicheln die Komposition. Zudem covert sie "Narrow Daylight" von Diana Krall, das erst letztes Jahr auf deren Album "The Girl In The Other Room" erschienen ist. Die intime Komposition, die Krall mit ihrem Mann Elvis Costello geschrieben hat, steht auch Wright ausgezeichnet und jagt sanfte Schauer über den Rücken. Ein beachtenswertes Zeichen, dass die schwarze Sängerin auf diese Art und Weise ihrer kanadischen Kollegin einen Gunstbeweis liefert.

Ebenso wie auf ihrem Debüt hat Lizz Wright auch Eigenkompositionen zur CD beigesteuert. "Hit The Ground" erinnert an das letztjährige Album von k. d. lang (queer.de-Review) – wobei Wright keine Streicher integriert, sondern sich fast ausschließlich auf die Ausstrahlungskraft von Chris Bruces Gitarre verlässt. Vielleicht liegt die Ähnlichkeit zu lang im Produzenten von "Dreaming Wide Awake" begründet: Craig Street produzierte nicht nur die kanadische Vorzeigelesbe, sondern auch Norah Jones, Holly Cole, Meshell Ndegeocello und vor allen Dingen Cassandra Wilson ("Blue Light 'Til Dawn", 1993). Da befindet sich Frau Wright ja in bester Gesellschaft.

Fazit: Eine ganz starke Scheibe, die auf geschickte Art und Weise Jazz mit Soul und Folk verbindet. Die Stimme von Lizz Wright ist das große Hightlight der CD. Die Lady kann sich also entspannt zurück lehnen: Das immer als sehr schwierig zu betrachtende zweite Album in einer Musikkarriere hat sie großartig gemeistert.

Anspieltipps: "Hit The Ground", "A Taste Of Honey", "Old Man", "Narrow Daylight"

15. Juli 2005