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"Israel weiß nur, wie man tötet, und nicht, wie man singt"

Türkischer Regierungschef: Israel hat beim ESC betrogen

In einem antisemitischen Ausbruch kritisierte Binali Yıldırım den ESC-Siegersong von Netta – dieser habe nur mit Hilfe von "Imperialisten" gewinnen können.


Ministerpräsident und Musikkritiker Binali Yıldırım gefällt der ESC-Sieg von Netta nicht

Der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım hat sich am Freitag in einem Fernsehinterview mit dem Sender Babala TV über den Sieg Israels beim diesjährigen Eurovision Song Contest empört. Das Ergebnis des Musikwettbewerbs, der Sieg von Nettas Song "Toy", sei von internationalen Mächten gesteuert worden: "Die israelische Sängerin war nicht gut. Israel weiß nur, wie man tötet, und nicht, wie man singt", sagte der Politiker von Erdogans Partei AKP.

Der 62-Jährige warf Israel im selben Atemzug vor, ein achtjähriges Kind bei den Gaza-Protesten während der Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem getötet zu haben – offenbar als Hinweis darauf, dass Israels Sängerin Netta, wie alle israelischen Staatsbürger, ihren Militärdienst absolviert hatte.

Yıldırım stellte ferner Verschwörungstheorien auf, wie der Sieg Israels zustande gekommen war: "Der Songcontest hat sich dieses Jahr zu einer politischen Veranstaltung gewandelt. Zum ersten Mal hat man Israel gewinnen lassen, damit sie die Veranstaltung nächstes Jahr ausrichten dürfen." Allerdings hatte Israel, anders als von Yıldırım behauptet, bereits drei Mal zuvor gewonnen – 1978, 1979 und zuletzt mit Dana International im Jahr 1998.

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"Die Imperialisten haben es getan"

"Die Imperialisten haben es getan, weil sie den nächsten Contest in Jerusalem veranstalten wollten, um Auseinandersetzungen zwischen den Religionen in der Region zu schüren", so Yıldırım weiter. "Die haben die Regeln geändert. Die haben alles geplant, damit die Veranstaltung nach Jerusalem kommt", sagte Yıldırım.

In Wirklichkeit hatte es dieses Jahr keine Regeländerung bei der Punktevergabe gegeben: Wie im Vorjahr wurden diese je zur Hälfte von Jury und Publikum vergeben. Während Netta bei der Jury nur auf Rang drei landete, war sie beim Publikum mit Abstand auf dem ersten Platz gewählt worden und erreichte damit kombiniert ebenfalls deutlich den ersten Rang.

Die Türkei hatte selbst Jahrzehnte lang am Eurovision Song Contest teilgenommen und konnte 2003 mit Sänger Sertab Erener einen Sieg feiern. 2013 zog sich das Land aus dem Wettbewerb zurück – angeblich aus Kritik an der Big-Five-Regelung, wonach neben dem jeweiligen Gastgeber die großen Einzahlländer – Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien und Italien – immer automatisch für das ESC-Finale qualifiziert sind. Im Interview stellte Yıldırım klar, dass sich die Türkei auch im nächsten Jahr nicht am europäischen Musikfestival beteiligen werde.

Hintergrund des Ausfalls von Yıldırım war offenbar die Präsidentschaftswahl am 24. Juni, bei der der sicher geglaubte Wahlsieg von Recep Tayyip Erdoğan trotz weitgehender Kontrolle der Medien in Frage steht. Wegen der Gaza-Krise haben sich seither antisemitische und antiisraelische Ressentiments im Land verstärkt.

"Toy" stammt vom schwulen Komponisten Doron Medalie. Netta performte in den letzten Wochen u.a. beim CSD in Tel Aviv und ist Anfang Juli beim Cologne Pride zu sehen. Nach der Bewerbung weiterer israelischer Städte ist derzeit noch offen, ob der ESC tatsächlich im nächsten Jahr aus Jerusalem gesendet wird. (dk)



#1 AndreasKAProfil
  • 18.06.2018, 13:22hKarlsruhe
  • Besonders glücklich bin ich persönlich auch nicht mit dem Sieg von Netta beim ESC, weil ich andere Beiträge besser fand. Und auch die Durchführung des ESC kommendes Jahr in Jerusalem bereitet mir Bauchgrummeln.

    Aber es ist doch absurd, hier "imperialistische Konspirationen" herbeizureden. Das wirkt nicht nur larmoyant wie von einem schlechten Verlierer, sondern hat eindeutige paranoide Züge und dürfte dem türkischen Regierungschef der Lächerlichkeit preisgeben - zumindest bei denen, die seiner und Erdogans Linie nicht vollends blindlings folgen.

    Wie tief muss eine Regierung/Partei sinken, wie viel Sorge muss sie haben nicht wiedergewählt zu werden, um solche Feindbilder aufzubauen und zu füttern. Entlarvend!
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#2 Patroklos
#3 vulkansturmAnonym
  • 18.06.2018, 13:37h
  • Antwort auf #2 von Patroklos
  • Also ich bedauere es sehr, dass die Türkei nicht mehr am ESC teilnimmt, waren die türkischen Beiträge doch überdurchschnittlich originell. Vor allem bedauerlich ist das Ausscheiden der Türkei aber, weil es nur ein weiteres Symptom dafür ist, wie sich die Türkei unter Erdogans islamistischem Regime vom Westen entfernt. Darüber kann sich eigentlich kein vernünftiger Mensch freuen!
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#4 AndreasKAProfil
  • 18.06.2018, 13:51hKarlsruhe
  • Antwort auf #1 von AndreasKA
  • ICH vermisse Beiträge aus der Türkei!

    Mir hat etwa Sertap mit "Everyway that I can" supergut gefallen und ich höre dieses Lied auch heute noch gern.
    Freilich schaue ich dabei erstmal auf die Musik und nicht auf das, was Regierungen von Staaten aus einer Teilnahme oder einem Sieg beim ESC propagandistisch schmieden.

    Das ist eine andere Problematik und gewiss keine kleine.

    Doch bei aller staatlich gelenkter Propaganda die auch im ESC leider, wie wir lesen müssen, stattfindet - hier hilft differenzieren. Ich sehe beim ESC weniger etwa die Türkei, bzw. ihre Regierung, sondern erstmal den Interpreten und höre das Lied. Bei aller berechtigter Kritik an seltsamen Ausrichtungsländern oder beteiligten Nationen - ich halte nichts vom Zuschlagen von Türen oder Ausgrenzen.

    Viel wichtiger ist es, einschlägig involvierten Regierungen anlässlich auch solcher Großereignisse vor Augen zu führen, was sie auf dem Kerbholz haben und das laut öffentlich zu machen. Wenn diese Regierungen die Tür selbst zuknallen (etwa durch Nicht-Teilnahme unter fadenscheinigen Gründen), spricht das eine klare, deutliche Sprache: Sie wollen dann sich einer Kritik nicht mehr aussetzen und diskreditieren dann sogar die Veranstaltung. So manövrieren sie sich ins argumentative Abseits und bestätigen die gegen sie vorgebrachte Kritik.

    Das belegt schließlich dieser aktuelle Beitrag, der hier kommentiert werden kann.
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#5 herve64Profil
  • 18.06.2018, 14:00hMünchen
  • Antwort auf #3 von vulkansturm
  • Also, soooooo berauschend waren die türkischen Beiträge seinerzeit nun wirklich nicht wie du hier tust. Aber das ist auch gar nicht der entscheidende Punkt.

    Interessanter finde ich eher, dass ein ehemaliges ESC-Teilnehmerland, dessen Interesse an einer erneuten Teilnahme aus welchen Gründen auch immer nicht mehr vorhanden ist, sich bemühseligt fühlt, diesen Sangeswettbewerb trotzdem noch für seine innenpolitischen Zwecke instrumentalisieren zu wollen.

    Das wäre im Grunde genommen an Albernheit kaum noch zu überbieten, wären da nicht die anti-israelischen Töne, die hier mitschwingen und offenbar dazu dienen sollen, dass sich die Erdogan-Türkei quasi als Schutzmacht aller ach-so-unterdrückten Muslime produzieren will.

    Insofern ist das islamistischer Populismus und postosmanischer Imperialismus, was von Seiten Erdogans und seiner Handlanger da zu vernehmen ist. Oder anders ausgedrückt: AKP = AfD auf türkisch.
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#6 Alexander_FAnonym
  • 18.06.2018, 14:26h
  • Mir fällt immer wieder auf, dass verglichen mit den Einlassungen der türkischen Regierung Putins Argumente noch wirklich begründet und glaubwürdig wirken.
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#7 AndreasKAProfil
#8 Junger FritzAnonym
  • 18.06.2018, 14:52h
  • Im Grunde, wenn man die Aussagen dieses türkischen Islamofaschisten liest, hetzt er gegen das von seinen deutschen Ideologiekumpanen so genannte Weltjudentum und eine angebliche zionistische Weltverschwörung. Brauner geht's nimmer.

    Die Türkei hat gegen Ende ihrer ESC-Beteiligung übrigens eher stimmschwache, machoproletentaugliche Ballermann-Massenware geliefert:
    www.youtube.com/watch?v=TzKgojZqO5Y
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#9 Alexander_FAnonym
  • 18.06.2018, 15:29h
  • Antwort auf #7 von AndreasKA
  • Ganz so ernst war es auch nicht gemeint, aber es fällt schon auf, dass Putin als ehemaliger Geheimdienstler seine Lügen schon anders verpackt.
    Aber sie bleiben Lügen, da hast du in jedem Falle Recht.
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#10 AndreasKAProfil
  • 18.06.2018, 16:31hKarlsruhe
  • Antwort auf #9 von Alexander_F
  • Danke, Alexander, für deine Reaktion.

    Es ist hier im Chat immer heikel, einschätzen zu können, wie über die geposteten Buchstaben hinaus ein Beitrag gemeint ist und du hast das klargestellt.

    Ich kann auch nachvollziehen, was dich veranlasst hat zum Gegenüberstellen von Putin und Erdogan. Aber ich sehe - offenbar ähnlich wie du - dass sie beide in einer Weise manipulieren, die schon weit über die Grenze des Erträglichen hinaus gehen.

    So long!
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