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USA

HIV-Test verweigert: Aids-Patient 18,4 Millionen Dollar Schadensersatz zugesprochen

Ein schwuler Amerikaner wollte sich auf HIV testen lassen, seine Ärzte führten den Test aber nie durch. Später erkrankte der Mann an Aids und erlitt Hirnschäden. Eine Jury sprach ihm nun einen Millionenbetrag zu.


Ärzte des Lahey Hospital & Medical Center in der Kleinstadt Burlington (Massachusetts) hatten heimlich einen HIV-Test verweigert – mit schlimmen Konsequenzen für ihren Patienten (Bild: Richard B. Johnson / wikipedia)

Vor elf Jahren hatten es zwei Krankenhausärzte im US-Bundesstaat Massachusetts abgelehnt, einen schwulen Mann auf HIV zu testen. Drei Jahre später führte eine nicht behandelte Aids-Erkrankung bei dem Patienten zu Hirnschäden, wodurch der Mann seinen Job als Rechtsanwalt aufgeben musste. Am Montag sprachen die Geschworenen eines US-Bundesgerichtes in Boston dem heute 48-Jährigen 18,4 Millionen Dollar (rund 16 Millionen Euro) Schadensersatz für den gewünschten, aber nicht durchgeführten HIV-Test zu. Allerdings hat das verantwortliche Krankenhaus, das Lahey Hospital & Medical Center in der Kleinstadt Burlington, angekündigt, Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen zu wollen.

"Er hatte eine tolle Zukunft vor sich. Die haben ihm buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen", erklärte Anwalt David Angueira laut "Boston Globe" nach der Verhandlung. "Er hat seinen Job verloren. Seine Karriere ist vorüber. Sein Leben ist kaputt."

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Gesundheitscheck wegen Gesichtslähmung

Der Patient hatte sich 2007 in dem Krankenhaus einem Gesundheitscheck unterzogen, weil er an einer Gesichtslähmung litt, und dabei auch einem HIV-Test zugestimmt. Vor Gericht wurde auch die Einverständniserklärung als Beweismittel gezeigt. Der Patient sei als schwuler Mann und wegen seines damaligen Jobs als Sanitäter einem erhöhten HIV-Übertragungsrisiko ausgesetzt gewesen – beide Faktoren seien laut dem Anwalt des Klägers auch in dessen Klinik-Unterlagen vermerkt gewesen. Sein Arzt schrieb aber damals in die Unterlagen, dass der Patient "kein Risiko für HIV" habe und führte den Test nicht durch – ohne den Patienten darüber zu informieren.

Drei Jahre später litt der Patient an Krankheiten. Schließlich erfuhr er, dass er an Aids erkrankt war und der HIV-Test nie durchgeführt worden war. Seither habe er Einschränkungen wegen kognitiven Störungen, die auf die Aids-Erkrankungen zurückzuführen seien.

Der Patient lebt inzwischen in der Bronx, einem Stadtbezirk von New York City. Er ist in antiretroviraler Behandlung. (dk)



#1 GerritAnonym
  • 21.06.2018, 16:11h
  • Richtig so!

    Es kann doch nicht sein, dass Ärzte ihren Job nicht richtig machen und die Patienten deshalb schwere Schäden erleiden.

    Das ist ganz klar ein ärztlicher Kunstfehler und dafür müssen die Verantwortlichen die Konsequenzen tragen. Und das Opfer hat die Entschädigung vollkommen verdient, auch wenn das seinen Schaden nicht rückgängig macht.
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#2 KostenAnonym
  • 21.06.2018, 16:50h
  • Antwort auf #1 von Gerrit
  • Es ist nicht in erster Linie ein Versagen des Arztes/der Aerzte (obschon natuerlich er die Entscheidung getroffen hat), es ist v.a. eine Folge der ungehemmten Monetarisierung bzw. "Oekonomisierung" des Gesundheitssystems (und wir koennen mit einem Blick auf/nach A(r)merika ganz gut sehen, was uns die Zukunft bringen wird oder kann. Es ist ja auch schon hier so (war vor kurzem eine Reportage im TV), dass Gelenkersatz-OPs nach dem jetzigen Erstattungssystem sich erst bei einer grossen Anzahl an Eingriffen lohnen, was ja auch z.T. durch die zunehmende Zahl an Eingriffen belegt wird (nat. werden Eingriffe auch noetig durch die zunehmende Zahle der Alten; es werden aber auch nach Aussagen von operierenden Aerzten (also keinen Gutachtern der KK!) eindeutig zuviele Prothesen eingesetzt, die gar nicht noetig sind.
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#3 YannickAnonym
  • 21.06.2018, 17:22h
  • Antwort auf #2 von Kosten
  • Ja, natürlich hat das mit der "Ökonomisierung" des Gesundheitssystems zu tun, die wir ja leider auch in Deutschland beobachten.

    Heute sind Ärzte und Krankenhäuser Wirtschaftsunternehmen und keine Heilanstalten mehr. Dafür muss man sich bei der Politik "bedanken".

    Aber dennoch ist es natürlich gut, dass so schwere Fehler mit so dramatischen Folgen nicht ungesühnt bleiben.
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#4 Patroklos
  • 21.06.2018, 18:04h
  • Ich halte die Entschädigungssume für viel zu hoch und ich kann gut verstehen, daß die Klinik dagegen mit Rechtsmitteln vorgeht.

    Vor allem muß man sich fragen, wie denn dieses Bundesgericht in Boston auf diese exorbitante Summe kommt?
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#5 Ami in GermanyAnonym
  • 21.06.2018, 18:35h
  • Sorry for the English, but Im so sick and tired of certain Germans who say the awards in the US are too much. This guy was an attorney. Made easily 250,000 a year if not more. Now he cant be an attorney due to unforgivable and unexplainable mistake of the doctors. So, simple economic damages are 250,000 every year. A normal career of 30 years are we are talking about a lot of lost money. Real loss. Its a joke that Im Germany I lose the ability to do my high paid job and Im shit out of luck. Id be lucky to get half a years salary. Thats the real problem. You gonna give me money to make up the difference?
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#6 MusclebearGERAnonym
#7 SchwulerMannAnonym
  • 22.06.2018, 07:53h
  • Antwort auf #5 von Ami in Germany
  • Schon eine komische Denkweise der Amis.
    Keine Verantwortung für sein eigenes Handeln übernehmen wollen und alles auf die behandelnden Ärzte schieben.
    Aber die handeln ja genau so wie du, Ami in Germany
    Höchstmöglichen Verdienst haben wollen und keine Verantwortung übernehmen.
    Wenn es so viel besser in Amerika ist, warum bist du dann in einem Land in dem dich die Einwohner müde machen...
    Das die Ärzte einen HIV-Test unterlassen haben, spricht Bände über Amerika... Und tut mir für den Betroffene leid.
    In Deutschland wäre seine HIV-Infektion sehr wahrscheinlich eher entdeckt worden und er hätte medikamentös behandelt werden können, übrigens alles auf Kosten der Krankenkasse. Und das ist auch gut so.
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#8 Cynth
  • 22.06.2018, 08:45h
  • Hmm, Verweigerung ist halt so eine Sache - fragt sich, ob und wie rabiat er nachgehakt hat, damals.

    Spontan fällt mir dazu aber bloß ein, dass man einfach mal "Frau", "Diagnose", "Aids" eingeben muss, um zu begreifen, dass ein HIV-Test auch in Deutschland ggf. unwahrscheinlich ist, wenn die Person nicht die Kriterien "MSM", "Drogen" und/oder wenigstens "Prostitution" erfüllt.
    Was dann dazu führt, dass bei Frauen unauffälliges HIV bloß im Falle einer Schwangerschaft festgestellt wird, und ansonsten eigentlich erst voll ausgeprägtes Aids. Einerseits haben die Frauen selbst das häufig nicht auf dem Schirm, aber auch die Ärzte nicht.

    Ich hab mir auf solche Berichte hin mal verschiedene Internetauftritte von Aids-Hilfen angesehen und etwas erstaunt festgestellt, dass die Kategorie bzw. Personengruppe "Frau" in einigen Fällen nicht einmal vorkommt, und wenn doch, dann häufig eher als schwer aufzufindene Unterkategorie. Angesprochen werden homo- und bisexuelle Männer, am Ende ist Aidshilfe ein großes Mitfinanzierungsportal für die Belange von Schwulen.

    Klar, das Argument ist: 75% Betroffene (schwule und bisexuelle Männer) vs. nur 25% betroffene Frauen.
    Wenn man allerdings kritisch reflektiert, dass Frauen eigentlich nur im Zuge einer Schwangerschaft routinemäßig getestet werden, und man dank der bekanntgewordenen voll ausgeprägten Aids-Fälle mal davon ausgeht, dass vielleicht noch mehr Frauen unentdeckt HIV-positiv herumlaufen, stellt sich für mich schon die Frage, ob das 3/4 zu 1/4-Verhältnis wirklich so bleiben müsste, wenn man Frauen das Thema soweit näherbringen würde, dass sie sich frühzeitiger testen ließen.

    Aber gut, wir sind hier nicht in den USA. Ich würde mal bezweifeln, dass eine betroffene Person hierzulande mit einer Entschädigung rechnen könnte, die das volle Gehalt der nächsten zehn bis zwanzig Jahre oder mehr abdeckt, bloß weil sie von mehr als einem Facharzt nicht getestet wurde, bis der Check irgendwann auf der Intensivstation mal nachgeholt wurde. Die betroffenen Personen dürfen wohl einfach froh sein, wenn sie's überhaupt überleben.
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#9 michelangelaAnonym
  • 22.06.2018, 09:58h
  • Antwort auf #8 von Cynth
  • Sie haben recht, das Risiko für Frauen, sich eine HIV Infektion zuzuziehen wird absolut unterschätzt.

    Das liegt aber weniger an den Aidshifen, die als Draufzahlgeschäft in der Regel als Eigeninitiative der schwulen Community entstanden sind, sondern am Bestreben des Patriarchats, sich die Frauen als williges, und immer bereites penetriertes Geschlecht zu erhalten. Die sich am besten für all das zur Verfügung stellen, was sich der heterosexuelle Mann so zusammenfantasiert.
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#10 TheDadProfil
  • 22.06.2018, 22:42hHannover
  • Antwort auf #4 von Patroklos
  • ""Vor allem muß man sich fragen, wie denn dieses Bundesgericht in Boston auf diese exorbitante Summe kommt?""..

    Das ist doch nun recht einfach :

    Ausgehend davon was man als Rechtsanwalt bis zu seinem Lebensende verdienen kann..
    Vor allem im US-Justiz-System..

    Und damit ist die Summe nun wirklich nicht ""viel zu hoch""..
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