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"Die Leute waren angeekelt"

US-Jury verurteilte Mörder aus Homophobie zum Tode

Wäre Charles Rhines heterosexuell, würde ihm nur lebenslange Haft drohen. Da er schwul ist, soll er sterben, weil er nach Ansicht der Geschworenen im Männer-Gefängnis zu viel Spaß hat. Der Supreme Court hat sein Okay zu dem Urteil gegeben.


Ein Polizeifoto von Charles Rhines, der seit einem Vierteljahrhundert in der Todeszelle sitzt – der 60-Jährige ist einer von drei Menschen in South Dakota, die auf ihre Hinrichtung warten

Der amerikanische Supreme Court hat es vergangene Woche abgelehnt, über die 1993 von einer Geschworenenjury verhängte Todesstrafe gegen den schwulen Inhaftierten Charles Rhines zu verhandeln. Damit stehen der Tötung des inzwischen 60-Jährigen per Giftspritze keine rechtlichen Bedenken mehr im Wege – 25 Jahre, nachdem er verurteilt worden war. Seine Anwälte hatten den Antrag gestellt, die Strafe in lebenslange Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung umzuwandeln.

Die Anwälte des Mörders hatten nicht argumentiert, dass Rhines unschuldig ist. Im Gegenteil: Es gilt als erwiesen, dass der Verurteilte 1992 einen Donut-Laden in Rapid City (US-Bundesstaat South Dakota) ausraubte und dabei einen 22-Jährigen Angestellten, der um sein Leben bettelte, ein Messer in den Schädel gestoßen hatte.

Allerdings gaben inzwischen mehrere Geschworene zu, den Täter nur zu Tode verurteilt zu haben, weil er schwul war. Das geht aus Gerichtsunterlagen und eidesstattlichen Versicherungen von Jury-Mitgliedern hervor.

Die Geschworenen sollen demnach besessen gewesen sein von der Homosexualität des Mörders. Sie hätten während ihrer Beratungszeit 1993 unter anderem den Richter befragt, ob Rhines von anderen männlichen Insassen getrennt wird oder ob er hinter Gittern "junge Männer" mit seinen Taten "beeindrucken" könne. Ein Geschworener sagte damals sogar, dass ein Schwuler, wenn er ins Männergefängnis gebracht werde, an einem Ort sei, "wo er gerne hin will". Ein anderer behauptete, dass einem schwulen Mörder nicht erlaubt werden dürfe, "sein Leben mit Männern" zu verbringen. Ein weiteres Jury-Mitglied erklärte in einem kürzlich abgegeben Statement über die Homosexualität des Täters: "Die Leute waren angeekelt. Das ist hier eine ländliche Gegend."

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Rassismus bei Geschworenen verboten, Homophobie nicht

Eigentlich hatten sich die Anwälte von Rhines Hoffnungen auf einen Erfolg gemacht, weil der Supreme Court im Fall Peña-Rodriguez v. Colorado letztes Jahr entschieden hatte, dass ein Urteil nicht rechtskräftig sei, wenn die Geschworenen aus Rassismus zu einer Entscheidung gekommen seien. Die Anwälte argumentierten, dass die selbe Logik auch für Homophobie gelten müsse, um ein faires Verfahren zu gewährleisten. Wie in abgelehnten Fällen üblich, gab der Supreme Court keinen Kommentar über die Beweggründe der Ablehnung ab.

Der amerikanische Supreme Court hatte in der Vergangenheit viel zur LGBTI-Gleichbehandlung beigetragen. 2003 erklärten die Höchstrichter das Verbot von homosexuellen Handlungen in 14 Bundesstaaten für verfassungswidrig (Lawrence v. Texas). 2015 öffnete eine Richtermehrheit die Ehe für Schwule und Lesben (queer.de berichtete).

Anfang dieses Monats folgte aber bereits ein Dämpfer für LGBTI-Rechte: Die Höchstrichter stellten sich auf die Seite von homophoben Konditoren, die sich geweigert hatten, einem schwulen Paar eine Hochzeitstorte zu backen (queer.de berichtete). Auch hier gibt es einen Unterschied zwischen Rassismus und Homophobie: Während es nach Bundesgesetz grundsätzlich verboten ist, Menschen wegen deren "Rasse" Dienstleistungen zu verweigern, kann die Religionsfreiheit als Vorwand für Homophobie akzeptiert werden. (dk)



#1 Homonklin44Profil
  • 25.06.2018, 19:00hTauroa Point
  • ""Es gilt als erwiesen, dass der Verurteilte 1992 einen Donut-Laden in Rapid City (US-Bundesstaat South Dakota) ausraubte und dabei einen 22-Jährigen Angestellten, der um sein Leben bettelte, ein Messer in den Schädel gestoßen hatte.""

    Da verabschiedet sich das Mitgefühl.

    Allerdings sind Geschworene mit einem solchen Charakterset auch nicht gerade sonderfähig, zu einem Urteil was Vernünftiges beizutragen. Die sexuelle Orientierung eines Straftäters sollte jedenfalls nicht in die Abwägung zur Schwere der Tat und den angebrachten Folgen Einzug halten. Das ist dann auch nicht viel anders, als wenn Mörder mit hellen Hautfarben eher begnadigt werden, oder solche, die eine christliche Abstammung haben.
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#2 herve64Profil
  • 25.06.2018, 20:54hMünchen
  • Worum geht es jetzt eigentlich? Dass der Mörder einem Menschen, der um sein Leben bettelte, ein Messer in seinen Schädel gerammt hat und ihn somit zu Tode gebracht hat oder um die sexuelle Orientierung des Angeklagten?

    Oder anders gefragt: was sind das für Geschworene, die wirklich unbedeutende Marginalien in die Beurteilung des eigentlichen Sachverhalts hinein legen, die nichts damit zu tun haben?

    Wenn er nach dortigem Recht auf Grund des Mordes zum Tode verurteilt werden kann, ok (auch wenn ich per se grundsätzlich gegen die Todesstrafe bin), aber wenn, dann einzig und allein auf Grund des Deliktes. Seine sexuelle Orientierung und sein sonstiger Lebenswandel haben dabei allerdings unberücksichtigt zu bleiben, denn sie sind irrelevant für die Straftat.
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#3 la_passanteAnonym
#4 FOX NewsAnonym
  • 27.06.2018, 07:44h
  • Antwort auf #2 von herve64
  • Lebenswandel wird immer bei der Findung des Strafmaßes berücksichtigt. Ein Arbeitnehmer, der gut sozial integriert ist bekommt immer eine andere (mildere) Strafe als ein bspw. H4ler in D. Dies ist vom Gesetzgeber extra so gewünscht.

    Da die Strafe in den USA letztendlich so vorgesehen ist, muss sich der Mörder damit abfinden, ich kann keine Willkür sehen. Die sozialen Umstände und das Milieu wurden eben genauso berücksichtigt.

    Dass die Todesstrafe per se unmoralisch ist, braucht man natürlich nicht erwähnen. Sonderlich Mitleid habe ich allerdings nicht.
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#5 TheDadProfil
  • 27.06.2018, 10:08hHannover
  • Antwort auf #4 von FOX News
  • ""Da die Strafe in den USA letztendlich so vorgesehen ist, muss sich der Mörder damit abfinden, ich kann keine Willkür sehen.""..

    Aus der Unterstellung ein "Homosexueller" würde sich in einer Haftanstalt ausschließlich unter Männern befinden, und damit seinen "Himmel" gefunden haben, kann ich keine Beurteilung eines solchen "Lebenswandels" erkennen, sondern den plumpen Versuch die eigene Homophobie der Geschworenen zu einer Rechtmäßigkeit zu erklären..

    Das Problem hier :
    Wäre der Mann Hetero, stünde einer Umwandlung in eine Lebenslängliche Haft nicht entgegen..

    Das Widerspricht allem was man sich unter Gleichstellung&Gleichberechtigung vorstellen kann..

    Analog dazu kann man dann nämlich auch fordern :
    Sämtliche zur Todesstrafe verurteilten Häftlinge die Linkshänder seien müßten hingerichtet werden, weil es für diese in den Haftanstalten keine entsprechenden Eß-Bestecke gäbe..

    Oder auch einfach nur die Klopapierrolle an der falschen Seite der Wand hängt..

    ""Die sozialen Umstände und das Milieu wurden eben genauso berücksichtigt.""..

    Exakt das ist hier dann auch die Argumentation des Anwaltes, der moniert hat, das hier ein Todesurteil gefällt wurde, weil die Geschworenen Homophob waren..

    Denn diese "sozialen Umstände" führen dann auch zu der Auffassung :
    Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen..

    Vor allem aber sind die "sozialen Umstände" aus denen man stammt, etwas völlig anderes als die "Sozialprognose", die bei der Urteils-Findung dann auch eine Rolle spielt..
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