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Der baden-württembergische CDU-Sozialminister wehrt sich als Schirmherr des Stuttgarter CSDs gegen Gestrige aus den eigenen Reihen.

Von Dennis Klein

Erst im April dieses Jahres wurde der 46-jährige Andreas Renner Sozialminister des drittgrößten Bundeslandes. Doch schon jetzt hat er einen Kulturkampf in der Südwest-CDU entfacht: Er übernahm als erster süddeutscher CDU-Minister die Schirmherrschaft eines CSDs - und griff in einem Grußwort das Tabu-Thema unter Konservativen auf: Homosexuelle Eltern. Für diese ganz neuen Töne aus dem tiefschwarzen Südwesten verdient Andreas Renner den Homo-Orden. Denn mit seiner Unterstützung geht er anders als Claudia Roth oder Guido Westerwelle ein politisches Risiko ein.

Die baden-württembergische CDU war stets ein konservativ-katholischer Trachtenverein, der der östlichen Schwester CSU nacheiferte. Die Partei war kulturell irgendwo auf der Alb angesiedelt; was in den Großstädten des Ländle vor sich ging, war den Mannen um Ministerpräsident Erwin Teufel schon immer unheimlich. Der Bauernsohn Teufel hatte 14 lange Jahre lang die Geschicke des Landes und der Partei geleitet. Erst vor drei Monaten konnte sich die Partei endlich aus den Griffeln des "Alten" befreien. Und siehe da: Es tut sich was. Während die Teufel-Regierung stets jede Anfrage der CSD-Veranstalter ignorierte, sagte Renner gleich zu. Auch andere CDU-Politiker, wie Stuttgarts CDU-OB Wolfgang Schuster, äußerten sich nach jahrelangem Schweigen nun plötzlich positiv über den CSD.

Das Sozialministerium ist nach Bekanntgabe der Schirmherrschaft mit bösen Briefen eingedeckt worden. Renner schlage eine Ablehnung entgegen "in einer Form, wie ich sie nur von vor 60 Jahren kenne", zitiert die "Stuttgarter Zeitung" den Minister. Er unterhöle "die altbewährte Familie" und praktiziere primitive "linksliberale Zeitgeisthascherei", wird ihm vorgeworfen. Auch Parteifreunde schlugen offen auf den 46-Jährigen ein. Der Abgeordnete Karl Zimmermann befürchtete schon, dass das C im Parteinamen "durch Christopher" ersetzt werde. An die Spitze der Traditionalisten setzte sich der 39-jährige Fraktionschef Stefan Mappus: Er bezeichnete den CSD in der "Pforzheimer Zeitung" als "abstoßend" - die Forderungen seien ebenso überzogen wie die "frivole, karnevaleske Form" - der gebürtige Pforzheimer scheint züchtiges Fasching-Feiern dem lebensfrohen Karneval vorzuziehen. Trotz der Kritik gab das Sozialministerium bekannt, dass es trotz der Proteste an der Schirmherrschaft festhalte.

Natürlich ist die Unterstützung allein nicht viel wert; Baden-Württemberg ist nach wie vor eines der rückständigsten Länder in punkto Homo-Rechte. So müssen sich in einigen Landkreisen heiratswillige Schwule und Lesben im KfZ-Zulassungsamt das Ja-Wort geben. Dennoch: Wenn sich auch die CDU langsam öffnet, steigt auch die gesellschaftliche Akzeptanz.

"Dem diesjährigen Christopher Street Day wünsche ich gutes Wetter, auch im übertragenen Sinn", so Renner in seinem CSD-Grußwort. Hoffentlich hält der streitbare Christdemokrat auch den Sturmböen in seiner eigenen Partei stand.

18. Juli 2005



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15 Kommentare

#1 Stefan K.Anonym
  • 18.07.2005, 18:55h
  • Dazu muss ich doch ehrlich sagen, der Typ ist nicht nur vom Namen her ein Renner. Und sein Vorgänger ist nicht nur vom Namen her ein Teufel. Es wäre aber besser für Andreas Renner, wenn er in die SPD überwechseln würde. Die Tendenz der Entwicklung der politischen Einstellung der Menschen konnte ich bisher an dem Prozess, der sich aus meinem Coming-Out ergibt, erkennen. Dabei machte ich die Entdeckung dass der Konservativismus sich nur noch im hohen Alter wirklich behaupten kann (und das auch nicht mehr sehr viel); schaut man sich die jüngeren Leute an, entdeckt man Toleranz, Liberalismus, soziales Verhalten, aber leider auch Steigerungen im gewalttätigen Bereich. Hoffentlich finden alle Linksparteien eine Lösung, wie sie Letzteres finden können. Nicht nur wir Homos haben es nötig.
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#2 Stefan K.Anonym
  • 18.07.2005, 21:24h
  • Sorry, hab mich verschrieben. In meinem vorletzten Satz meinte ich "verhindern", nicht "finden".
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#3 bsquerAnonym
  • 18.07.2005, 22:14h
  • cdu-mann ist und bleibt cdu-mann! denn auch der ob von braunschweig war vor einigen jahren noch gegen den csd in braunschweig, jetzt auf einmal ist er sogar "schirmherr"! und das, obwohl er eine hohe npd-kariere hinter sich hat.Jetzt ist es amtlich.
    "dass es die Vorgängerpartei der CDU, die Zentrumspartei war, die es der NSDAP ermöglichte, die damalige Regierung zu stellen"
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#4 SuisseAnonym
  • 19.07.2005, 05:28h
  • Vor seinem jetzigen Job war er Bürgermeister von Singen und hat auch dort schon hervorragend gearbeitet. Dieser Mann ist nicht nur sexy, sondern hat auch tatsächlich was im Kopf. BRAVO
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#5 gerdAnonym
  • 19.07.2005, 10:01h
  • Die CDU befindet sich nach dem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Verfassungsmäßigkeit der Eingetragenen Lebenspartnerschaft sowie der gesellschaftlichen Aufgeschlossenheit gegenüber homosexuellen Paaren in einem Wandlungsprozess; den die FDP im bürgerlichen Lager bereits weitestgehend erfolgreich hinter sich hat.

    Man spürt bei der CDU ein klares Stadt-Land Gefälle, was dieses Thema angeht..
    Daher ist auch ein Herr Renner aus Baden-Württemberg für die wandelnde Haltung der CDU bedeutsam, was auch für Herrn Beust in Hamburg gilt.

    Die Eingetragene Lebenspartnerschaft gilt als dauerhaft in Deutschland gesellschaftlich wohl als verankert; eine andere Frage wird aber sein, wie es mit dem Kampf um die Gleichwertigkeit zur Ehe aussieht...darum wird weiter gerungen werden (z.B.Ehegattensplitting).
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#6 GottfriedAnonym
  • 20.07.2005, 00:38h
  • Schade, das meine Vorredner nicht auf den tatsächlichen Vorwurf eingehen:

    " .. Er bezeichnete den CSD in der "Pforzheimer Zeitung" als "abstoßend" - die Forderungen seien ebenso überzogen wie die "frivole, karnevaleske Form" ... "

    Als bekennender Schwuler und CDU-Mann muss ich ihm Recht geben. Ich fühle mich durch viele übertriebenen Darstellungen schwulen Lebens auf den CSD`s nicht mehr repräsentiert.

    Ich glaube auch nicht, das Forderungen in dieser Art und Weise wahrgenommen werden. Hinzu kommt, dass die Medien CSD´s auch fast nur reisserisch darstellen. Wo sind denn die Berichte über die "normalen" Gruppen aus den Gewerkschaften, den Firmen, den Behörden, den Jugendverbänden ...

    Wo sind im Zusammenhang mit den CSD in den Medien die Berichte über die Arbeit der Aidshilfen, der vielen Selbsthilfegruppen, der Deaf-Gruppen? Leider kaum zu finden!

    Dafür werde ich dargestellt, als würde ich als schwuler Mann täglich im Fummel als Tunte meinen Lauf über die Kö oder andere Boulevards machen wollen.
    Oder als muskelstrotzender Nackedei im Lederjock .... der unbedingt auf dem CSD in aller Öffentlichkeit einen anderen Mann nageln muss ...

    Das finde ich persönlich überhaupt nicht richtig und das stösst auch mich als schwulen Mann völlig ab. Ich lebe in dieser Gesellschaft geoutet und ganz "normal". Ich brauche mir mein Schwulsein nicht täglich neu bewusst zu machen - ich bin es!

    An den gesellschaftlichen Aktivitäten beteilige ich mich durch soziales Engagement und politisches Engagement wie viele andere Menschen auch.

    Dabei erlebe auch ich innerhalb meiner Partei Ausgrenzung, üble Nachrede, Mobbing ... aber ich lebe weiterhin da, wo ich bin und demonstriere täglich, das ich nicht anders bin als die anderen. Ich liebe, ich lebe, ich wohne und verhalte mich wie Millionen anderer Menschen auch - wenn auch mein Partner ein Mann ist. Dabei kann ich sogar eine konservative Grundeinstellung haben.

    Nach jedem CSD-Bericht werde ich von Heterofreunden gefragt, ob schwules Leben wirklich so ist, wie es dort dargestellt wird. Ich kann immer wieder nur sagen, das die Mehrheit meiner Freunde nicht so lebt und dass diese Darstellungen übertrieben sind.

    Ich bin gespannt, ob ich Mitstreiter finde, die wie ich der Meinung sind, das auf den CSD teilweise schwules Leben nicht in der Form dargestellt wird, wie es tatsächlich ist.

    Danken möchte ich ausdrücklich den Machern und Gestaltern von CSD`s, die versuchen, das ganze seriös zu gestalten und uns so darstellen, wie wir sind: Ganz normale Menschen ....
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#7 DavidAnonym
  • 20.07.2005, 00:53h
  • Nun, auch ich kann dir teils zustimmen, wenn es um die Kritik dran geht WIE der CSD veranstaltet wird.
    Allerdings richtet sich die Kritik des CDU-Mannes mit Sicherheit nicht an der Art, sondern daran, das der CSD überhaupt veranstaltet wird. Und das ist ein Unterschied.
    Man hätte ihn ja mal die Hintergründe erklären sollen, bzw. hat er denn gefragt, WESHALB es diesen gibt?
    Die Medien sind nicht ganz unschuldig daran, ich meine WO sind denn die Berichte zu den Hintergründen? Bürgerrechtsbewegungen der 70er/80er? Stonewall? Nichts...
    Teils liegt das aber auch an den Zuschauern, der an diesen Themen NULL Interesse hat,
    es aber toll findet wenn die Klischees bedient werden.
    Früher konnte man nur mit Provokation darauf aufmerksam machen, während man heute vieles erreicht hat.
    Paradoxerweise äussert sich das darin, das der CSD in seiner heutigen Art als solcher von den meisten akzeptiert wird.
    Ob man damit aber diejeingen Inhalte, um die es wirklich geht, vermitteln kann, wage ich zu bezweifeln.
    Damit wird dann ein Teil wieder abgeschreckt, bzw. der CSD wird dann als Karneval abgetan.
    Konsequenterweise sollte dieser CDU Politiker dann aber auch den Karneval verurteilen, oder warum ist dann das wieder in Ordnung, was man woanders kritisiert?
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#8 dietmarAnonym
  • 21.07.2005, 13:30h
  • Ja, im "Ländle" tut sich wirklich etwas! Das baden-württembergische Sozialministerium wundert sich über die Flut von zornigen Briefen nach der Bekanntgabe der Schirmherrschaft über den diesjährigen CSD- Stuttgart durch den BW-Sozialminister Andreas Renner, dem übrigens alle Achtung und Respekt gebührt für sein couragiertes Tun und seine mutige Standhaftigkeit! Ich allerdings wundere mich kaum über die Reaktionen der Bevölkerung im Ländle, vor allem, wenn man sich bewusst macht, dass die Deutschen in ihren grundlegenden Überzeugungen mehrheitlich immer schon konservativ geprägt waren und es wahrscheinlich auch bleiben werden. Ich muss meinem Vorredner Gottfried irgendwie bewundern: wie kannst du einer politischen Partei angehören, in der du - nach deiner eigene Aussage - Ausgrenzung, üble Nachrede und Mobbing erfährst? Hast du dir mal bewusst gemacht, dass in deiner Partei ehemalige Nazi-Parteigänger bis in die jüngste Zeit hinein in höchste Ämter und Würden gelangt sind? Hast du als CDU-Mann nicht miterlebt oder zumindest beobachtet, wie im Zusammenhang mit der Kampfkandidatur Schavan-Öttinger um den BW-Parteivorsitz allein das Wort "lesbisch" (geschickt von unbekannten "Dunkelmännern" in die Presse lanciert) genügt hat, die Wahl-Chancen von Frau Schavan gegen Null sinken zu lassen? Über die arme Frau ist ja wochenlang dreckkübelartige Häme ausgegossen worden. Man muss dir Gottfried sicherlich Recht geben, wenn du schreibst, als schwuler Mann auf den CSD'S nicht mehr repräsentiert zu werden. Die berechtigten politischen Forderungen werden dort nur marginal dargestellt und von Besuchern wahrgenommen. Im Blickfeld von Besuchern und der Presse liegen (zwar nicht nur aber hauptsächlich) die schrille Fummeltunte und der halbnackte Ledertyp. Damit keine falschen Meinungen aufkommen: finde Travestie mit Fummel und allem Drum und Dran als Bereicherung unserer Szene und trage auch selbst Chaps und Leder. Aber dieses Bild, das in der Öffentlichkeit präsent ist, dominiert die CSD'S und suggeriert, alle Schwulen wären entweder Fummeltrinen oder muskelbepackte Ledermänner: Völlig abwegig und unakzeptabel sind allerdings die Äußerungen des BW/CDUFraktionschefs Stefan Mappus (merkwürdig: mit 39 Jahren eigentlich ja noch der jüngeren Generation angehörig; eigentlich bringt man ja eher die ältere Generation mit einer homophoben Einstellung in Verbindung). Aber Herr Mappus kann vielleicht geheilt werden: bindet ihn oben auf einen CSD-Wagen, inmitten der von ihm so verachteten "frivolen" und "karnevalesken" Schwulen und lasst ihn die ganze Strecke abfahren - HALT! lieber doch nicht! Der Mann könnte an seiner armen Seele Schaden nehmen! Wer könnte das schon verantworten! Schliesslich wird er in seiner Partei ja noch gebraucht! Und du Gottfried, auch! Es gibt in der CDU viel zu tun - pack' es an! Ach übrigens: gibt es in deiner Partei nicht auch eine schwulenpolitische Arbeitsgemeinschaft?? Ja? Nein? Oder haben die sich alle wie die geprügelten Hunde hintem Sofa verkrochen? (Sorry, ein bisschen Satire zum Schluss kann nicht schaden).
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#9 BjoernXAnonym
  • 05.08.2005, 09:32h
  • Prima, solche Politker braucht das Land!
    Ich drücke ihm die Daumen, dass er weiterhin Rückrad zeigt und an seinen guten Absichten festhält.
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#10 DeeJayAnonym
  • 05.08.2005, 16:25h
  • Dafür, dass der Herr sich 15 Jahre auf Grundschule und Gymnasium gequält hat, hat er es ja zu etwas gebracht:-) Waren in den 70ern mehr als 13 Schuljahre bis zum Abi Pflicht?;-)Sehr sympathisch, wenn es so ist, wie ich vermute: zweimal hängen geblieben..der Mann weiß, was es heißt, Outdog zu sein:-))
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