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Warnung vor "rechtsradikalen Stimmen"

Hape Kerkeling kritisiert späte Öffnung der Ehe in Deutschland

Der Komiker versteht nicht, warum die Gleichstellung hier so spät kam – und ist besorgt, dass derzeit Rechtsradikale im Bundestag die Menschen im Land immer aggressiver machen würden.


Hape Kerkeling gehörte über Jahrzehnte zur Grundausstattung im deutschen Fernsehen (Bild: RTL/Andreas Friese)

Comedian Hape Kerkeling hat in einem Interview kritisiert, dass Deutschland bei der Gleichstellung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht lange hinterherhinkte: "Dass Deutschland das erst 15 Jahre nach den Niederlanden getan hat, ist wirklich dramatisch. Ich finde es auch schade, wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist. Ich hätte mir gewünscht, dass ein Politiker die Initiative ergreift und sagt: 'Das wollen wir jetzt!'", sagte der 53-Jährige in der am Freitag erschienen neuesten Ausgabe des Bahn-Magazin "DB Mobil".

Kerkeling hatte vergangenen Dezember seine Lebenspartnerschaft umwandeln lassen und sich öffentlich gefreut, damit seinen Partner "so richtig" geheiratet zu haben (queer.de berichtete). In dem aktuellen Interview betont er, dass er sich trotz der Ehe-Öffnung um die Atmosphäre im Lande sorge, die seiner Meinung durch eine intolerante Minderheit immer aggressiver werde: "Die rechtsradikalen Stimmen werden lauter und tolldreister. Das besorgt mich. Nun sitzen sie sogar schon im Bundestag. Das ist grauenvoll für Deutschland."

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Soziale Netzwerke abgeschaltet


Das gesamte Interview können Bahn-Fahrer im Zug lesen (Bild: Deutsche Bahn)

Im Interview erklärte Kerkeling auch, wie er auf verbale Ausfälle im Netz reagiere: mit Abschalten. Er habe sein Facebook-Konto gelöscht und diese Entscheidung nicht bereut. "Soziale Netzwerke gaukeln mir vor, ich sei in Kontakt mit der großen, weiten Welt, ich hätte jederzeit Zugriff auf all meine Freunde, und ich besäße so etwas wie ein soziales Leben im Internet. Das ist alles Quatsch", so der Komiker. Mit den Menschen, mit denen er weiterhin kommunizieren wolle, tue er das auf andere Weise.

Auch Selfies lehne er ab: "Stellen Sie sich mal vor, wir hätten uns früher in den Siebzigern die Kamera selbst vors Gesicht gehalten. Da hätte jeder gesagt: 'Der hat ein Rad ab, der fotografiert sich selbst.' Heute denken wir, super, und nehmen noch einen Stick dazu. Ich finde das ein bisschen arm. Wer braucht die ganzen Bilder denn?"

Der in Recklinghausen aufgewachsene und in Bonn lebende Komiker hatte sich 2014 aus dem Fernsehgeschäft zurückgezogen, nachdem er über ein Vierteljahrhundert die deutsche Comedyszene mitbestimmte. Seine TV-Karriere hatte er 1989 mit dem Comedy-Format "Total normal" begonnen. Kultstatus erreichte die Sendung vom 25. April 1991, als es ihm gelang, verkleidet als Königin Beatrix und vor laufender Kamera in einem Wagen im Schloss Bellevue vorzufahren – vor dem Eintreffen der echten Königin.

Zurzeit arbeitet Kerkeling an einem Buch und einem Filmprojekt. Ob sich die Fans auf eine Rückkehr seiner legendären Kunstfigur Horst Schlämmer freuen, will Kerkeling nicht verraten: "Dazu kann ich noch nichts sagen. Über ungelegte Eier spreche ich nicht. Aber Horst juckt es gewissermaßen in den Füßen." (pm/dk)



#1 swimniAnonym
  • 29.06.2018, 16:32h
  • er hat vollkommen recht---meines wissens hinkte Kerkeling aber auch schwer mit seinem outing hinterher hahahaha war nicht der böse Praunheim, der das dann meine durchziehen zu müssen.....so vorbildlich sind unsere gay Ikonen.

    ich stand schon mit 20 mit schlotternden knien in der Provinz mit homowerbung auf dem marktplatz (Eigenlob stinkt - ich liebe düfte)
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#2 GrunzAnonym
  • 29.06.2018, 17:06h
  • Antwort auf #1 von swimni
  • Kerkeling war nicht nur selbst eine Nullnummer in puncto Coming-out, sondern ist zu allem Übel auch noch bekennender Katholik, Wahlmann der CDU und Bundespräsident-Wulff-Versteher. Ekliger geht's nimmer. Dass nun ausgerechnet so einer, der die Ewiggestrigen unterstützt, wo er nur kann, sich über die Rückständigkeit seines Landes auslässt, ist plump, unverschämt und dummdreist.
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#3 NicoAnonym
  • 29.06.2018, 18:24h
  • Ich kann mich zwar auch noch gut daran erinnern, dass Hape Kerkeling mal Verständnis aufbrachte für diejenigen, die statt der Eheöffnung nur die Eingetragene Partnerschaft wollten und dass Hape Kerkeling damals sowas sagte wie "Vielleicht sind das ja wirklich zwei so unterschiedliche DInge, dass man dafür auch zwei verschiedene Rechtsinstitute braucht."

    Aber ich gestehe natürlich auch jedem zu, dass man dazu lernen kann. Und ich stimme ihm zu: so gut es ist, dass die Eheöffnung doch noch gekommen ist, aber es war wirklich extrem spät. Da waren zig andere Staaten viel schneller. Für ein Land wie Deutschland, das sich gerne als so zivilisiert und fortschrittlich hinstellt, war das mehr als peinlich.
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#4 Julian SAnonym
  • 29.06.2018, 18:46h
  • Ich stimme Hape Kerkeling zu:
    es ist ein Armutszeugnis für Deutschland, dass erst über 20 andere Staaten die Ehe öffnen mussten, ehe sich mal in Deutschland was tat. Und indem Angela Merkel damals so rumlaviert hat und selbst dagegen gestimmt hat, hat sie die Rechten nochmal stärker gemacht als sie es eh schon tut.

    Aber jetzt gibt es noch viele weitere Dinge zu tun. Viele "kleinere" Dinge wie Abstammungsrecht, etc., aber auch den nächsten großen Brocken Art. 3 GG, der sicher nochmal ähnlich schwer wie die Eheöffnung wird.

    Es wäre schön, wenn Hape Kerkeling sich auch dafür einsetzen würde...
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#5 JaNatürlichAnonym
  • 29.06.2018, 19:35h
  • Herr Kerkeling hat mit seinen Aussagen recht.
    Die AfD sitzt im Bundestag, die SCU überschlägt sich beim Werben am rechten Rand - es wird erfolglos sein, aber sie tun es.
    Es stimmt auch, dass Herr Kerkeling nicht der schnellste war beim Outen, beim zu sich stehen.
    Doch deshalb ihm doch in so "netter" Weise wie Kommentar #2 die Schnauze zu verbieten - was soll das denn bitte?
    Die meisten von uns wissen doch wie schwer der Weg zu sich sein kann, und sei es nur sich selbst die sexuelle Orientierung einuzgestehen. Outing über Outing ist in den meisten Fällen für keine* von uns ein Spaziergang.
    Ein Katholik zu sein und dazu zu stehen bedeutet nicht gleichzeitig damit die homophobe Meinung von manchen Kirchenvertreter*innen zu teilen, ebenso wenig wie man als Deutsche* auch die Meinung der unter uns lebenden Nazis mitträgt, oder als LSBTIIQ* mit Alice Weidel überein zu stimmen.
    @#2 es ist doch begrüßenswert, dass Herr Kerkeling sich in den Jahren, die er "weg vom Trubel" war, weiterentwickelt hat.
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#6 PierreAnonym
  • 29.06.2018, 19:59h
  • Herr Kerkeling hat vollkommen recht mit seiner Kritik an der späten Eheöffnung in Deutschland.

    Aber während das jetzt Geschichte ist, gibt es noch viele weitere offene Punkte und es wäre schön, wenn Herr Kerkeling seine Prominenz und seine große Beliebtheit nutzen würde, um sich dafür einzusetzen, dass andere Punkte nicht nochmal so lange dauern.

    Und da eine Änderung von Art. 3 GG auch die Eheöffnung gegen zukünftige Rechtsrücke schützen würde, sollte er sich gerade auch dafür einsetzen. Denn wer schon die späte Eheöffnung kritisiert, muss sich ja auch dafür einsetzen, dass die Eheöffnung nicht zurückgenommen wird, nur weil irgendwann die AfD vielleicht stärker wird.

    Denn eine einfache Mehrheit zur Gesetzesänderung ist deutlich leichter erreichbar als eine Zwei-Drittel-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat für eine Grundgesetzänderung, die dann zur Abschaffung der Eheöffnung nötig wäre.
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#7 jochenProfil
  • 29.06.2018, 21:34hmünchen
  • ".....die Atmosphäre im Lande ...., die seiner Meinung durch eine intolerante Minderheit immer aggressiver werde..."

    Das mag durchaus mit ein Grund mit dafür sein, - ist aber meiner Meinung nach zu kurz gegriffen.
    Die wachsende soziale Ungerechtigkeit mit Lohndrückerei, steigender Armut und für immer mehr existenz-bedrohende Kosten fürs Wohnen. Das ist nicht vom Himmel gefallen , sondern ist Ergebnis einer schlechten Politik der letzten Jahre. Das sorgt meinem Eindruck nach nicht für ein ausgeglichenes Klima im Land und in einer Gesellschaft. Da haben Extreme oft
    Dazu kam noch eine verfehlte Migrationspolitik .
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#8 jochenProfil
  • 29.06.2018, 21:44hmünchen
  • Vervollständigung meines Kommentars Nr. 7

    "Da haben Extreme leider oft einen guten Nährboden"
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#9 saltgay_nlProfil
  • 30.06.2018, 08:30hZutphen
  • Ach du je, der Herr Kerkeling ist Katholik? Das ist ja für die Gutschwulen geradezu ein Anlass ein Communityordnungsverfahren einzuläuten.

    Tatsache bleibt natürlich, dass der Herr erst hartnäckig sein Schwulsein leugnete und dann, als der Moment publicityträchtig war, sich als bekennender Schwuler auf der Bühne des Lebens präsentierte.

    Doch das sei ihm verziehen. Wir kennen sie alle, die narzisstischen Kreischtucken, die überall im Mittelpunkt stehen müssen, ständig das Gefühl brauchen, dass sie angebetet werden und jeden mit ihren Problemen, die sie mit ganz "süßen" Knaben haben, vollsallern.

    Herr Kerkeling hat eben nicht verdaut, dass er die Rolle des "Dickie Hoppenstedt" nicht bekam. Der Gag wäre auch sehr viel flacher gewesen, wenn am Ende Dickie ein "Zipfelchen" besessen hätte.

    Doch Schauspieler müssen ein gewisses Maß an Selbstverliebtheit besitzen, sonst können sie ihre Rolle nicht überzeugend spielen. Es gibt aber auch in dieser Branche Stars, die sich dann zu Gottheiten stilisieren, wie ein Klaus Kinski. Das jedoch kann man von Herrn Kerkeling gewiss nicht sagen.
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#10 TechnikerAnonym
  • 30.06.2018, 10:45h
  • Antwort auf #2 von Grunz
  • Das wollte ich auch gerade schreiben - Kerkeling hat jahrelang genau die Leute unterstützt, die aus Borniertheit, Arroganz und Schwulenfeindlichkeit die Ehe für alle blockierten. Und das fällt ihm erst jetzt auf?

    Was seine Einschätzung von Facebook, Selfies und braunem Geschmeiß angeht, hat er natürlich Recht.
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