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Banda Aceh

Indonesien: Wieder Schwule ausgepeitscht

In der Provinz Aceh forderte ein Mob, bei der öffentlichen Bestrafung zweier Männer härter zuzuschlagen.


Bis zu 1.000 Menschen verfolgten die Bestrafung nach dem Freitagsgebet

In der nordindonesischen Stadt Banda Aceh sind am Freitag 15 Personen wegen angeblicher Verstöße gegen das Scharia-Recht öffentlich ausgepeitscht worden, darunter zwei Männer wegen Homosexualität. Das berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur AP.

Die beiden Männer, die als Paar beschrieben werden, erhielten demnach jeweils 86 Peitschenhiebe – laut einem Medienbericht seien sie ursprünlich zu 90 Schlägen verurteilt worden, aber auf die Strafe seien vier Monate Ingewahrsam eingerechnet worden.

Bei den übrigen Bestraften habe es sich um heterosexuelle Paare gehandelt, die ihre Zuneigung in der Öffentlichkeit gezeigt hätten, sowie um Personen, die beim Konsum oder Verkauf von Alkohol beobachtet worden seien. Sie erhielten zwischen 13 und 27 Peitschenhiebe.


Bei den beiden wegen Homosexualität bestraften Männern soll es sich um zwei Personen handeln, die Anfang des Jahres von einem Mob aus einem Schonheitssalon gezerrt und zur Polizei gebracht wurden. Anfang des Jahres hatte die Polizei auch selbst Razzien in Salons durchgeführt und dabei mehrere offenbar transsexuelle Personen festgenommen und öffentlich vorgeführt (queer.de berichtete).

Vorgeführt ohne Gesichtsmaske wurden auch die Verurteilen vom Freitag. Laut AFP begrüßte ein Mob von fast 1.000 Menschen, darunter Touristen aus Malaysia, die Auspeitschung und schrie zu dem selbst maskierten Auspeitscher: "Schlag härter zu."

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Sonderstrafen und Scharia-Polizei

Laut der Nachrichtenagentur handelt es sich um die zweite Auspeitschung homosexueller Männer in der Hauptstadt der Provinz Aceh in diesem Jahr. In der teilautonomen Provinz im Norden Sumatras ist vor zwei Jahren ein Gesetz in Kraft getreten, das homosexuelle Handlungen unter Männern und Frauen nach Scharia-Recht bestraft, das dort seit einigen Jahren angewendet werden kann: Seit 2005 wurden Schätzungen zufolge tausende Menschen ausgepeitscht, die Scharia-Polizei kontrolliert streng (mehr dazu von Weltspiegel, taz). Im Mai 2017 wurden erstmals zwei Männer öffentlich mit über 80 Peitschenhieben bestraft, nachdem sie ein Scharia-Gericht der Homosexualität für schuldig befunden hatte (queer.de berichtete).

Während Menschenrechtsorganisationen die Bestrafung, die nur für Muslime aus dem In- und Ausland vorgesehen ist, als "mittelalterliche Folter" kritisierten und auch internationale Regierungen Kritik übten, versprach die regionale Regierung zuletzt lediglich, die Auspeitschungen nicht mehr öffentlich, sondern etwa in Gefängnissen auszuführen. Örtliche Behörden gaben dazu jetzt gegenüber AFP an, dass man noch auf Ausführungsbestimmungen warte.

Homosexualität ist ansonsten in Indonesien – mit 250 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste mehrheitlich muslimische Land der Welt – nicht illegal. Aber auch in anderen Regionen des Landes hatten die Behörden zuletzt ihr Vorgehen gegen LGBTI verstärkt. Im Dezember verurteilte ein Gericht zehn Männer, die zusammen mit über 100 weiteren Männern bei einer Razzia in einer Schwulensauna in der Hauptstadt Jakarta aufgegriffen worden waren, zu Haftstrafen zwischen zwei und drei Jahren (queer.de berichtete). Sie waren nach einem Gummi-Paragrafen gegen Pornografie verfolgt worden. Derzeit überlegt auch das Parlament, gleichgeschlechtliche "Unzucht" landesweit unter Strafe zu stellen – im regulären Strafgesetzbuch (queer.de berichtete). (nb)



#1 ReisekaufmenschAnonym
  • 13.07.2018, 19:06h
  • Jeder, der nach Indonesien reist - und dazu gehören u.a. Bali und Sumatra - macht sich mitschuldig. Also: keine Touristen = kein Geld!
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#2 Homonklin44Profil
  • 14.07.2018, 09:20hTauroa Point
  • "" Laut AFP begrüßte ein Mob von fast 1.000 Menschen, darunter Touristen aus Malaysia, die Auspeitschung und schrie zu dem selbst maskierten Auspeitscher: "Schlag härter zu.""

    Das kennt man ja als zutiefst menschliche Eigenschaft. Hängt ihn höher, quält ihn länger. Grade, wenn er nichts verbrochen hat.

    Die fehlenden Tourismusgelder dürften die da wenig von ihrem religioten Drall abbringen. Das sieht man in Staaten, in die kaum Touristen reisen, und wo die ebenso religiot durchtränkt schikanieren.
    Da müsste diplomatisch Einfluss genommen werden.
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#3 PeerAnonym
  • 14.07.2018, 09:59h
  • Die anwesenden Indonesier und Touristen auf Malaysia haben auch noch gefordert, härter zuzuschlagen.

    Ich verstehe nicht, wie noch Leute in solche Barbarenstaaten in Urlaub fahren können. Damit unterstützt man diese Staaten auch noch in ihren Taten. Und bringt sich auch selbst in Gefahr.
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#4 Na jaAnonym
#5 swimniAnonym
  • 14.07.2018, 17:59h
  • wie grausam!!!!

    wer in Deutschland auch nur annähernd die Scharia Rechtsprechung verlangt ist für mich ein verfassungsfeind. er sollte vom Verfassungsschutz beobachtet werden.
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#6 DerTypDaAnonym
  • 14.07.2018, 18:26h
  • Indonesien ist leider nicht mehr sicher. Malaysia entwickelt sich auch in die falsche Richtung.

    Wir als sexuelle und geschlechtliche Minderheiten müssen zugucken wie sich die Welt immer mehr polarisiert. Auf der einen Seite immer mehr (bisher ausschließlich) westliche Länder, die immer mehr Rechte und Anerkennung einräumen und auf der anderen Seite immer mehr Länder, die das Rad der Zeit zurückdrehen und ins düstere Mittelalter verfallen (inklusive Verfolgung, Folter, Tod).

    Es ist ein Trauerspiel und die Menschheit ist wirklich das abartigste, was die Evolution zustande gebracht hat.

    Von unserer Politik erwarte ich leider gar nichts, da diese als erstes die Wirtschaftslobbys bedient und die werden einen Teufel tun einen Markt mit mehr als 200 Mio Menschen wie Indonesien zu verlieren, was aber nötig wäre um dort etwas zu bewirken.
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#7 swimniAnonym
#8 Cynth
  • 14.07.2018, 19:14h
  • Der Mob schreit immer nach mehr Gewalt. Im Mittelalter haben Menschen tagelange Anreisewege in Kauf genommen, um live dabei sein zu können, wenn jemand gerädert oder sonstwie auseinandergenommen wurde.
    Menschen sind so.
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#9 NickAnonym
  • 15.07.2018, 01:55h
  • Schließt bitte nicht durch das treiben in Aceh auf das ganze Land Indonesien.

    Aceh ist, wie der Artikel schon sagt, eine teilautonome Provinz und zwar die einzige die traurigerweise von den Scharia-Rechten gebraucht macht.
    Ansonsten ist Indonesien ein offenes und tolerantes Land (Pornos sind allerdings illegal) und hat es nicht verdient als menschenrechtsverletzend dargestellt zu werden, nur weil, bei 95% Muslime, 0.02% der Bevölkerung nach der Scharia lebt.
    Wir können ja auch nichts für die afd...

    Also reist ruhig nach Indonesien, fahrt einfach nicht nach Aceh!
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#10 seb1983
  • 16.07.2018, 18:45h
  • Antwort auf #9 von Nick
  • In den anderen Landesteilen ist es tatsächlich nicht so schlimm, noch nicht. Strafverschärfungen sind aber im Gespräch.

    Der konservative Islam schwimmt weltweit grade auf einer unglaublichen Erfolgswelle wie sie die christlichen Kirchen seit Jahrhunderten nicht mehr gesehen haben.
    Selbst hoffnungsvolle Staaten wie die Türkei sind inzwischen verloren.
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