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  • 21. Juli 2005, noch kein Kommentar

Das neue Werk des französischen Regisseur-Duos Ducastel & Martinez ist erfrischend witzig und leicht verdaulich

Von Christian Scheuß

Sind es tatsächlich die Muscheln, die solch eine aphrodisierende Wirkung entfalten? Die "Violets", deren Fleisch verwirrenderweise gar nicht violett sondern gelb ist? Oder ist es die Atmosphäre in dem Ferienhaus an der französischen Südküste, die alle so erregt? Die sommerliche Hitze weckt allmählich Sinne und Sehnsüchte der Figuren. Diese Stimmung, die gleich in der ersten Szene von "Meeresfrüchte" beschworen wird, ist eine hervorragende Grundlage, um daraus eine typisch französische Komödie zu kreieren, in der die Protagonisten sehr viel miteinander reden und noch mehr Sex – mit sich und anderen - haben.

Nach dem heiteren Road Movie "Felix" und der Coming-of-Age-Komödie "Mein wahres Leben in der Provinz" verpackt das französische Autoren/Regie-Gespann Olivier Ducastel und Jacques Martinez das alles bestimmende Thema Liebe in sinnlich-beschwingte Töne. Doch "Meeresfrüchte" ist nicht nur sommerlich-leicht wie ein unbeschwerter Urlaub an der Cote d'Azur. Ducastel und Martinez setzten sich auch mit existenziellen Fragen wie Selbstfindung, Identität und sexueller Orientierung auseinander.

Die Story: Zum ersten Mal verbringt die lebenslustige Beatrix mit ihrem Mann Marc und dem 16-jährigen Sohn Charly die Sommerferien in ihrem idyllisch gelegenen Häuschen an der Mittelmeerküste. Zu Besuch kommt der gut aussehende, offen schwule Martin, der immer noch unglücklich verliebt ist in den ebenfalls hübschen, aber heterosexuellen Charly. Beatrix spürt die angespannte Atmosphäre zwischen den beiden Jungen und bildet sich ein, ihr Sohn wäre ebenfalls homosexuell. Als sie dies ihrem Mann mitteilt, reagiert der völlig verschreckt und aggressiv. Mit der Ankunft von Beatrix’ Liebhaber, der sich auf heimliche Quickies mit ihr verabredet, wird die Situation kompliziert. Um dann völlig zu eskalieren, als mit dem ebenfalls offen schwul lebenden Klempner Didier klar wird, das da wohl mal was gewesen sein muss - vor langer Zeit - zwischen Marc und ihm…
Mehr sei noch nicht verraten von der Geschichte, bis auf den Hinweis noch, dass es ein Happy end gibt, wie es sich eben für französische Liebeskomödien gehört. Und das eine ständig laufende Dusche herhalten muss als Kulminationspunkt für unterdrückte Begierden und lustvolle Entspannung.

Meeresfrüchte wurde in der Panorama-Reihe der Berlinale 2005 uraufgeführt und erntete dort begeisterte Kritiken bei Presse und Publikum. Was nicht nur an der routinierten Inszenierung liegt, die zum Ende zunehmend an Tempo gewinnt. Olivier Ducastel und Jacques Martineau haben zudem erneut mit Kameramann Mathieu Poirot-Delpech zusammen gearbeitet, mit dem sie bereits "Felix" und "Mein wahres Leben in der Provinz" realisiert hatten. Seine Bilder fangen die aufgeheizte Stimmung zwischen Ferienhaus und Cruisingpark perfekt ein. Eine äußerst angenehme Überraschung bietet das Wiedersehen mit dem Schaupieler Jean-Marc Barre, der mit "Im Rausch der Tiefe - The Big Blue" 1988 international bekannt wurde. Barre, der in "The Big Blue" einen Taucher spielte und zur Freude seiner schwulen Fans dauernd halb nackt zu sehen war, ist mit Mitte vierzig ein weiterhin verdammt attraktiver sowie durchtrainierter Mann. Barre spielt den schwulen Klempner zudem überzeugend und mit Charme. Dies ist übrigens nicht seine erste schwule Rolle. Im Streifen "Für Ehre und Vaterland" (Italien 1995) mimte er einen homosexuellen Soldaten, und in "verrückt nach Ihr (Italien 1998) spielte er einen Fotoreporter, der einer Freundin zuliebe so tut, als sei er schwul.

Meeresfrüchte, von Olivier Ducastel und Jacques Martineau, Frankreich 2004, 90 Min. ab 21. Juli im Kino.

21.07.2005