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  • 27. Juli 2005, noch kein Kommentar

Das Musical "Hair" zählt zu den Klassikern der 60s. Derzeit gastiert der Welterfolg in Deutschland. queer.de war bei der Premiere in Köln.

Von Jan Gebauer

Das Publikum im Schauspielhaus bedankt sich beim Ensemble von "Hair" mit Standing Ovations. Die Premiere des Musicals in Köln ging routiniert und ohne Probleme über die Bühne - "das Zeitalter des Wassermanns" erwachte zu neuem Leben. Als "Hair" 1968 das erste Mal aufgeführt wurde, war es noch ein Skandalstück. Das Musical spielt in den USA der 60er Jahre, zur Zeit des Vietnamkrieges. Es beschreibt die Gefühle vieler junger Leute in dieser Zeit, der sogenannten "Hippie-Kultur". Haare waren damals ein Symbol für den Protest gegen die Gesellschaft. Viele junge Männer ließen sich damals ihre Haare lang wachsen. Die Antwort der Gesellschaft war sehr restriktiv. "Langhaarige" wurden als Nichtstuer und Gammler abgestempelt. Viele Arbeitsplätze waren für langhaarige Männer nicht zugänglich. Haarschnitte wurden mit Gewalt erzwungen – Kinder verloren manchmal sogar die Liebe ihrer Eltern, weil sie ihr Haupt nicht kürzen lassen wollten.

Heute wirkt das Stück nicht mehr so provokant wie noch in den 60s. Die zum Teil sexuellen Andeutungen bei religiösen Handlungen lassen vielleicht kurzfristiges Augenbrauenzucken aufkommen, ansonsten entlocken sie aber kaum mehr als ein "hui" vom Publikum. Die zu Beginn eher positiven Visionen enden in einem Alptraum, in dem die Schrecken des Krieges verdeutlicht werden. Deutlich gemacht wird dies durch Darstellungen von Kriegsopfern auf einer Videoleinwand oder durch Metzeleien auf der Bühne. "Hair" zeigt auch die Verwandlung der bunt gekleideten Hippies in uniformierte Soldaten und wie sie auf Zuruf oder aus eigenem Antrieb töten. Die Brisanz, die dahinter steckt, wird in Köln leider nicht immer deutlich und lässt einen aufgrund der flüchtigen Inszenierung kalt. Dabei bemüht sich das gute Ensemble redlich, den Figuren emotionale Tiefe zu verleihen.

Gesanglich und tänzerisch überzeugen die Darsteller durchweg. So berührt das schöne "Easy To Be Hard" ebenso wie das klassische Abschluss-Lied "Let The Sunshine In". Auch "The Age Of Aquarius" und "Donna" sind zwei der Höhepunkte in dem Musical, das seinerzeit weltweit erfolgreich war. Es wurde von 1968 bis 1972 am Broadway ohne Unterbrechung aufgeführt, in England war es vor "Jesus Christ Superstar" das erfolgreichste Musical aller Zeiten. Die deutschsprachige Version "Haare" lief anderthalb Jahre und hatte in der Erstaufführung damals noch unbekannte Namen wie Su Kramer oder Donna Summer zu bieten. Beide traten allerdings noch unter ihren bürgerlichen Namen auf: Gudrun Kramer und Donna Andrea Gaines.

02.08.2005 - 07.08.2005 Schauspielhaus Köln
09.08.2005 - 14.08.2005 Theaterhaus
05.09.2005 Kulturpalast Dresden

27. Juli 2005