Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?3248
  • 05. August 2005, Noch kein Kommentar

Martin Böttcher ist ein Pionier deutscher Film- und TV-Melodien. Legendäres, Vergessenes und Rares findet sich auf einer neuen Doppel-CD.

Von Jan Gebauer

In den 60er und 70er Jahren gab es so viele Easy-Listening-Komponisten, -Orchester und -Musiker, dass man wohl bis in alle Ewigkeit aus dem Pool für Wiederveröffentlichungen schöpfen kann. Martin Böttcher (78), seines Zeichens Filmkomponist, gehörte zu der Elite jener Künstler, der seine leichte Muse hauptsächlich für Kino und Fernsehen entwickelte. Als deutsches Pendant zu Weltstars wie Henry Mancini oder John Barry konnte Böttcher vor allen Dingen mit seinen Western-Melodien große Erfolge landen: Von 1962 ("Der Schatz im Silbersee") bis 1968 ("Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten") durfte er runde zehn Karl-May-Western mit seiner Musik versehen. Dass er darüber hinaus auch Musik für Edgar-Wallace-Filme schrieb und zahlreiche deutsche Fernsehserien mit Musik bestückte, ist etwas in Vergessenheit geraten. Da tut es gut, dass die Compilation "Die großen Film- und TV-Melodien" eben an 50 seiner besten Aufnahmen für das Label Telefunken erinnert – ohne dabei die Western-Klassiker zu berücksichtigen.

Seine erste LP für Telefunken nahm er 1968 auf – wahlweise mit eigenen Kompositionen oder denen seiner zahlreichen Kollegen bestückt. Fast zwanzig Jahre Filmmusik-Schaffen kommen da zusammen. Clevererweise hat man Böttchers Werk für das vorliegende Doppel-Album aufgeteilt: Die erste CD enthält nur Musik aus Filmen (hauptsächlich Fremdkompositionen), während die zweite TV-Serien und -Shows näher beleuchtet. Die Produzenten der Zusammenstellung haben viele in Vergessenheit geratene Perlen ausgegraben. So gibt es zeitlose Melodien aus bekannten Klassikern wie "Derrick", "Sonderdezernat K1", "Ein Platz an der Sonne" oder "Kara Ben Nemsi Effendi" ebenso wie entstaubte Mottenkisten-Raritäten aus "Die Journalistin", "Der Illegale" oder "Es muß nicht immer Kaviar sein". Musikalisch erklärt sich das Ganze am besten durch einen Werbetext aus den 60er Jahren: "In einer Zeit, da Elektrobass, Elektrogitarre und Synthesizer als letzter Schrei gepriesen werden ... breitet Martin Böttcher wie ein Raumgestalter zunächst einmal den weichen Teppich seiner Streicher aus, auf dem er dann das übrige Interieur präsentiert."

Martin Böttcher lebt heutzutage mit seiner Frau, der Schauspielerin Anneliese Kaplan, abwechselnd in Lugano und auf Sardinien. Seit 2004 ist er stolzer Besitzer des Bundesverdienstkreuzes und komponiert seit drei Jahren Musik für die "Pfarrer-Braun"-Reihe im Ersten. Die International Movie Database (imdb) listet ihn mit über 115 Einträgen.

Fazit: Eine wunderschöne, harmonische Reise durch etliche Jahrzehnte deutscher und internationaler Film- und TV-Geschichte. Martin Böttchers Arrangements sind stil- und geschmackvoll, lullen perfekt ein und wecken längst vergessen geglaubte Erinnerungen.

Anspieltipps: CD 1: "The Good, The Bad And The Ugly", "Somewhere My Love", "This Is My Song", "Theme From Love Story"; CD 2: "Friedhofsballade", Titelmusik von "Sonderdezernat K1", "Blumenmörder-Thema", "Marianne's Melody"

5. August 2005