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  • 09. August 2005, noch kein Kommentar

Das große Techno-Festival hatte wieder einen eigenen Clubbereich für Schwule und Lesben zu bieten

Von Anne Richter und Bernd Rosenbaum

Treibende Beats, eng anliegende Shirts, wilde Gel-Frisuren, zwischendrin Plüsch-Hosen und Rucksäcke mit neckischen Stofftieren. Und das alles unter freiem Himmel. Klingt wie ein CSD? Knapp daneben.

Denn das waren die Zutaten zur elften "Nature One", dem größten deutschen E-Musik-Spektakel. Aufgebaut auf der ehemaligen Raketenbasis Pydna bei Kastellaun im Hunsrück, lockte die Party am ersten August-Wochenende rund 50.000 Besucher an. Klangvolle Namen wie Sven Väth, Westbam, Timo Maas und Paul van Dyk fanden sich unter den rund 300 DJs, die auf vier Hauptbühnen und in 19 Clubs auflegten.

Unter ihnen fand sich auch einer speziell für die schwul-lesbische Community. Seit sechs Jahren ist der Vogue-Club fester Bestandteil einer jeden "Nature One". Für den Resident-DJ des gleichnamigen Koblenzer Partytempels ist das nur konsequent: "Viele neue Ideen und musikalische Anregungen kommen aus der Community", so DJ Fräggel. Als offen schwuler Platten-Akrobat hat er bisher noch nie Probleme gehabt. Anfeindungen kennt er nicht. Im Gegenteil hält er die Anhänger der elektronischen Musik für besonders friedlich und tolerant. Der Vogue-Club ist der beste Beleg dafür. Homos und Heteros feiern einträchtig zusammen. Wobei die sexuelle Orientierung auf der Nature One insgesamt oft schwer zu bestimmen ist. Bei so vielen metrosexuell gestylten Gestalten scheitert regelmäßig der schwule Radar. DJ Fräggel formuliert es griffiger: "Die Jungs laufen heute eh’ alle so schwul rum!"

Tatsächlich scheinen Techno-, House- und Trance-Fans nicht viel von gewalttätigen Auseinandersetzungen zu halten. Auf dem relativ großen Gelände lassen sich trotz des Konsums von Alkohol und – zumindest bei einigen Besuchern – wohl auch von anderen stimulierenden Substanzen so gut wie keine Aggressionen beobachten. Selbst als am Freitagabend um kurz vor elf fast auf dem ganzen Gelände der Strom für über eine halbe Stunde ausfällt und damit jegliche Musik verstummt, bleiben die Besucher entspannt und lassen sich nicht aus ihrer Feierstimmung herausreißen.

Diese positive Grundhaltung bestätigt auch Tillmann Uhrmacher, seines Zeichens DJ, Musikproduzent (unter anderem für Jimmy Somerville) und Radiomoderator bei Sunshine Live. Auch er hat bislang eigentlich nie schlechte Erfahrungen mit Fans machen müssen. Die Teilnahme eines schwul-lesbischen Clubs befürwortet er: "Ich finde die Idee mit dem Gay Floor toll. Mir ist eh’ egal, mit wem jemand ins Bett geht, solange beide damit glücklich sind. Ich halte nichts von Schubladendenken." Uhrmacher, selbst bekennende Hete, könnte sich gut vorstellen, auch einmal auf einem CSD aufzulegen: "Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert. Schwulenfeindlichkeit ist zum Glück total überholt!"

9. August 2005