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Die besten Drehbücher schreibt das Leben: Im Film "Beautiful Boxer" kämpft ein junger Thai-Boxer wie ein Mann, um eine Frau zu werden. Jetzt im Kino!

Von Micha Schulze

Ein schwuler oder gar transsexueller Boxer, der in den großen Arenen einen Preis nach dem anderen einheimst? Das mag man sich in Deutschland kaum vorstellen. In Thailand, wo so vieles anders ist, sind solche Karrieren hingegen möglich: "Mein Körper ist der eines Kämpfers", sagte der erfolgreiche Kick-Boxer Nong Toom einmal in einem Interview, "aber in meinem Herzen bin ich eine Frau. Manchmal, wenn meine Gegner gut aussehen, fällt es mir schwer, sie niederzuschlagen."

Nong Tooms reale Geschichte, in Thailand bereits vor zwei Jahren mit großem Erfolg verfilmt, kommt nun auch in deutschen Kinos. Endlich! Denn "Beautiful Boxer" ist weder eine der vielen albernen Ladyboy-Komödien aus dem Land des Lächelns noch kitschiges Melodrama noch voyeuristischer Mainstream-Blick auf eine vermeintlich schrille Persönlichkeit. Das mehrfach preisgekrönte Drama von Regisseur Ekachai Uekrongtham erzählt in äußerst einfühlsamen, bewegenden Bildern die widersprüchliche Geschichte eines Jungen, der wie ein Mann kämpft, um eine Frau zu sein.

Schon als Kind in der thailändischen Provinz experimentiert Nong Toom gerne mit Lippenstift, gilt in der Schule als Schwächling und wünscht sich nichts sehnlicher als lange Haare zu haben. Während die Mutter noch Verständnis für die Gefühle des Sohnes aufbringt, tobt der konservative Vater und steckt ihn zur "Heilung" ins Kloster. Doch auch dort kann Nong Toom seinen Wunsch, weiblich zu sein, nicht unterdrücken. Die zufällige Begegnung mit dem Kick-Box-Trainer Pi Chart weckt in dem verwirrten Jungen jedoch verborgene Kampftalente: Obwohl er Gewalt nicht ausstehen kann, beginnt Nong Toom in den Ring zu steigen - und dort zu siegen. Von Mal zu Mal wird er mutiger, schminkt sich schließlich vor den Boxkämpfen und verwirrt seine Gegner mit Lippenstift und Makeup. Dem Trainer ist’s egal, solange sein Schützling Erfolge feiert und die Öffentlichkeit darüber berichtet. 18 Knockouts in 22 Kämpfen kann Nong Toom schließlich für sich verbuchen. Mit dem Preisgeld unterstützt er zum einen seine armen Eltern, zum anderen legt er es beiseite - für die spätere Geschlechtsumwandlung.

Den erzählerischen Bogen vom kleinen, unglücklichen Jungen auf dem Land bis zur stolzen Frau, die in Bangkok das Krankenhaus nach der Operation verlässt, inszeniert Ekachai Uekrongtham authentisch und sympathisch, ohne unnötig zu überspitzen und mit einer gehörigen Portion Ironie. Man merkt dem Film an, dass der Regisseur sein Renommee auf Theaterbühnen erworben hat. Selbst wer mit Boxkämpfen überhaupt nichts anfangen kann, wird insbesondere von den Kampfszenen des Films angetan sein. Sie sind erschreckend realistisch, tun sogar weh, besitzen aber eine Ästhetik, wie man sie sonst nur aus dem Tanztheater kennt. Erstaunlich: Der überzeugende Nong-Toom-Darsteller Asanee Suwan hat niemals eine Schauspielschaule besucht, sondern wurde als Boxer direkt aus dem Ring gecastet und zur Vorbereitung auf die Rolle lediglich in Tanzkurse und Beautysalons gesteckt.

Auffallend sind die Parallelen zur Komödie "Iron Ladies" aus dem Jahr 2000, die als eine der wenigen thailändischen Filme ebenfalls in deutschen Kinos lief. Die Geschichte eines queeren Volleyball-Teams, das sich einen Spitzenplatz in der Landesliga erkämpft, beruht wie "Beautiful Boxer" auf einer wahren Begebenheit. Beide Filme sind damit Spiegel eines faszinierenden Landes, in dem Schwule und Transgenders in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen sichtbar und akzeptiert sind, aber auch zu ihren Traditionen stehen: Bevor der junge Nong Toom an seine eigenen Wünsche denkt und obwohl ihn der Vater nicht versteht, steigt er in den Ring, um Geld für seine Eltern zu gewinnen – eine staatliche Rentenversicherung gibt es in Thailand nicht.

Heute darf Nong Toom nicht mehr im Ring stehen, zum Kick-Boxen sind Frauen nicht zugelassen. Traurig ist sie nicht darüber: Sie hat in Bangkok eine Boxschule eröffnet, die nicht nur bei Tunten beliebt ist, und arbeitet nebenbei als Model und Schauspielerin. Im Interview mit queer.de gibt sie sich bescheiden, wie es sich für eine thailändische Frau gehört: "Eine Heldin oder ein Vorbild für andere bin ich nicht. Ich bin einfach nur meinen Weg gegangen."

Filmstart in Deutschland: am 25. August im Berliner Xenon, in der Schaubühne in Leipzig sowie im Münchner Monopol (Verleih: MFA)

25. August 2005



#1 KaiAnonym
  • 06.09.2005, 01:41h
  • Ich störe mich an dem Satz "wie es sich für ein thailändisch Frau gehört". Und Frau Merkel gehört hinter den Herd oder soll den Boden wischen!

    Trotzdem bin ich von der Geschichte ganz baff - respekt.
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