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HIV-Tests am Freitagabend vor dem Disco-Besuch - in München ist ein bundesweit einmaliges Pilotprojekt angelaufen.

Von Dennis Klein

Freitagabend in München: Der 21-jährige Georg will sich gleich mit ein paar Freunden treffen und in der Münchener Szene cruisen. Auf dem Weg dahin geht er noch schnell ins Schwulenberatungszentrum Sub - er hat gerade noch Zeit, einen HIV-Test einzuschieben. Ein wenig Blut wird abgezapft - dann geht's auf die Pirsch. "Man weiß ja nie, ich will auf Nummer sicher gehen", so der 21-Jährige. Die von der Münchener Aids-Hilfe unterstützten Tests direkt in der Szene sind in Deutschland ein Novum: Ende Juli haben zwischen 17 und 22 Uhr 70 Männer von dem unter anderem auf gayromeo beworbenen Programm Gebrauch gemacht. Die Münchener Aids-Hilfe war bereits im letzten Jahr aufgefallen, als sie mit den so genannten Schwanzkopf-Plakaten dafür warb, sich testen zu lassen.

Für Rainer Schilling von der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) ist der Münchener Vorstoß ein "wegweisendes Pilotprojekt". In der Vergangenheit hatte sich die DAH mit Ratschlägen zum HIV-Test zurückgehalten. Grund: Bis 1996 gab es praktisch keine Therapiemöglichkeit. Neben rechtlichen Problemen (beispielsweise ein Einreiseverbot in die USA) könnte schon das Wissen um einen Test den Gesundheitszustand verschlechtern, so die Befürchtungen. Erst die so genannte Kombinationstherapie hält das Virus in Schach - kann es aber nicht aus dem Körper verbannen.

HIV-Tests unpopulär

"Das Problem sind die Ungetesteten", erklärt Guido Vael vom Projekt Prävention im Sub. "Denn heute denken die meisten, sie seien negativ und machen keinen HIV-Test. Früher ist jeder davon ausgegangen, dass er möglicherweise positiv ist und hat sich auch so verhalten." Zudem schlagen die Krankenhäuser Alarm: 80 Prozent der Männer, die wegen einer von Aids verursachten Erkrankung eingeliefert werden, haben von ihrer HIV-Infektion nichts gewusst. Ihre Lebenserwartung wäre mit einer frühen Behandlung größer. "Wir müssen aktiv dazu beitragen, dass sich Männer testen lassen", argumentiert Vael.

Das Angebot des Schwulenzentrums ist bewusst am Freitagabend durchgeführt worden. Denn viele wollen nicht mit ihrem Hausarzt über ihr Schwulsein reden. Außerdem sind für Berufstätige die engen Öffnungszeiten der Ärzte oder der Gesundheitsämter ein Hindernis, sich für den Test zu entscheiden. Im Münchener Pilotprojekt sind alle Beteiligten selbst schwul, was die Hemmschwelle senken soll, ins Sub zu kommen.

Vorbild Österreich und Holland

In Österreich und den Niederlanden sind solche Aktionen schon fast Alltag - dort gibt es sogar Schnelltests, bei denen die Getesteten gleich das Ergebnis erfahren. Dieses Verfahren sind jedoch in Deutschland trotz der positiven Erfahrungen in den Nachbarländern bislang nicht zugelassen. In München müssen sich die Männer eine gute Woche später ihren HIV-Status im Sub abholen.

Die Aids-Hilfen in Deutschland hatten bislang die Ansicht vertreten, dass sich jeder selbst für oder gegen einen Test entscheiden könne. "Als es keine Behandlungsmöglichkeiten gab, herrschte die Angst vor, dass Männer vor den Kadi gezerrt werden, weil sie andere angesteckt haben sollen", berichtet DAH-Mitarbeiter Schilling. "Aber bereits nach 1996 haben wir in Broschüren empfohlen, den Test zu machen". Allerdings müssten die Berater nach wie vor gut vorbereitet sein, damit nach einem positiven Testergebnis nicht eine Welt für den Betroffenen zusammenbricht.

Mit dem ersten Münchener Test ist Guido Vael hochzufrieden. "Wir mussten sogar Leute wegschicken, weil der Andrang zu groß war. Die Ärzte haben fast im Minutentakt Blut abgenommen", so Vael. Die Tests sollen nun regelmäßig in der bayerischen Hauptstadt stattfinden - falls die Finanzierung gesichert werden kann.

Die nächste Testaktion: 7. Oktober (Freitag) in der Zeit von 17 bis 22 Uhr. Sub, Müllerstraße 43 (1. Stock), München.

30. August 2005



#1 ACopAnonym
  • 31.08.2005, 00:33h
  • Egal wie, wo oder wann, Leute lasst Euch testen!

    Keine Angst vor dem Test - durch den Test wird man nicht positiv. Die Angst ist beim ungeschützten Verkehr angebracht, nicht aber beim Test.

    Der DAH sollte man auch nicht immer alles glauben. Das ist ein Verein von Positiven für Positive, nicht ein Verein gegen die Verbreitung von HIV. Das ist völlig statthaft und OK, man sollte das aber immer im Hinterkopf haben. Also testen gehen, ob die DAH das für gut oder weniger gut heißt, egal! TEST TEST TEST....
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#2 Stefan K.Anonym
  • 31.08.2005, 09:01h
  • Lieber Dennis, du hast in deinem Artikel da ein Bild einem Herrn reingesetzt, wobei der Name von Herrn Schilling und von Herrn Vael darunterstehen. Da ich die Person nicht kenne und ja nur eine Person abgebildet ist, möchte ich gerne wissen, um wen es sich handelt, da ja bekanntlich eine Person nicht so weiter ohne Alles unter zwei verschiedenen Namen gemeldet ist. Vielen Dank!

    Auf dem Bild ist links Rainer Schilling, rechts Guido Vael. Es sind zwei verschiedene Personen abgebildet, nicht zwei Mal der selbe! (dk)
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#3 Stefan K.Anonym
  • 31.08.2005, 12:21h
  • Sorry, auf meinem Bildschirm war vorher nur ein Bild mit zwei Namen zu sehen. Trotzdem Dankeschön!
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#4 mezzoAnonym
  • 31.08.2005, 14:24h
  • Wo gibt es denn in München Weizenbier? ;-)
    Anmerkung der Redaktion: Vielen Dank für Deinen Hinweis, haben es in "Weißbier" geändert. Hatten wohl zuviel Kölsch getrunken...
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#5 ibuensnetAnonym
  • 31.08.2005, 23:06h
  • Diese aktionistischen Aufforderungen, jeder solle sich "testen" lassen, kann man nur ganz entschieden ablehnen. Jetzt erst recht, seit die Konsequenz aus einem HIV-positiven Testergebnis auch für völlig Gesunde immer heißt, "prophylaktisch" und zwar lebenslang hochtoxische "Medikamente" einnehmen zu müssen, die seine Gesundheit erwiesenermaßen untergraben. Das schreckt vielleicht Vernünftige ab, wenn sie sich die Beipackzettel üblicher Kombinationstherapie-Mittel durchzulesen.
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