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Als Homosexualität in England verboten war, entwickelte sich die Geheimsprache Polari. Sie stirbt aus.

Von Norbert Blech

"How bona to vada your eek!" - Wenn Sie diese Begrüßung in England hören, dann sind sie mit hoher Warscheinlichkeit an einen älteren Schwulen geraten. Die Begrüßung, in Oxford-Englisch mit "How good to see your face" zu übersetzen, ist in Polari - einer Geheimsprache der Schwulen. Junge Schwule beherrschen sie kaum noch.

Polari (oft auch Palare) kommt vom italienischen Verb parlare, was für reden steht. Das Vokabular setzt sich zusammen aus Wörtern der britischen, italienischen, französischen und lateinischen Sprache, gemixt mit dem Cockney-Slang der Londoner. Entstanden ist sie in den 50ern in der Theaterwelt Londons - und auf Fischmärkten. Sie wurde schnell zur Sprache der schwulen Szene.

Denn in Polari ließ sich schnell über Sex reden, ohne das Außenstehende dies verstanden - in Zeiten, in denen Homosexualität nicht nur tabuisiert sondern auch kriminalisiert wurde, durchaus von Vorteil. Ein "Molly" war ein schwuler Mann, hinter "trade" verbarg sich Sex, hinter "carts" oder "cartso" das männliche Geschlechtsteil.

Andere Begriffe, wie "chicken" für junger Boy oder "cottage" für eine öffentliche Toilette sind heute noch in der Szene üblich. Aber auch für Alltagsworte gab es Polari-Entsprechungen; etwa "ecaf" für Gesicht ("face" rückwärts) und "riah" für Haar. Noch heute finden sich in London Frisörgeschäfte mit dem Namen "Bona Riah".

Ein Sketch, mehrere Bedeutungen

Mit Polari ließen sich auch die sonst sehr strengen Zensoren der BBC umgehen. In den 60ern wurde die Radiosendung "Round The Horne" ein landesweiter Hit unter Zuhörern aller Klassen. Doch während sich die Hausfrauen beim Zubereiten des Dinners wohl keine Gedanken über die Gespräche der beiden tuntigen Rollen von Kenneth Williams (bekannt aus den "Carry On"-Filmen) und Hugh Paddick machten, hörten Schwule eine ganz andere Geschichte aus der Sendung: in einem Gespräch über "dirty dishes" ging es in Wirklichkeit um schmutzige Hintern.

Trotz des Erfolgs von "Round the Horne" schafften es nur wenige Begriffe, darunter "fab" und "camp", ins Mainstream-Englisch. Während nachwachsende Generationen aufgrund von zunehmender Liberalisierung der Gesellschaft auf die Sprache verzichten konnten, sie teilweise auch aufgrund ihrer Hauptfunktion, dem Bewerten von Leuten, als politisch inkorrekt empfand, wurde die Polari-Generation älter.

Schon in den Neunzigern war Polari nur noch eine Sprache der Altschwestern. Sänger Morrissey widmete der Sprache wie der Szene den Song "Piccadilly Palare" (1990) - aus Sicht eines Strichers: "The Piccadilly palare was just a silly slang - between me and the boys in my gang". Ein Slang für Außenseiter: "You wouldn't understand / Good sons like you / Never do". Im Film "Velvet Goldmine" (1998) gibt es eine kurze Szene, in der in Polari gesprochen wird - sie ist untertitelt.

In letzter Zeit ist in England das Interesse an Polari neu erwacht - durch die Wiederveröffentlichung von "Rount The Horne" gibt es einen Kult- und Nostalgieeffekt, der sich sogar in einer steigenden Anzahl von Büchern und Websites zum Thema bemerkbar macht. Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz aus Manchester haben gar Teile der Bibel in Polari übersetzt.

Quarktaschen

In Deutschland konnte sich eine derart umfassende Geheimsprache (Polari umfasst bis zu 500 Wörter) nicht etablieren. Einige Szenebegriffe gab es freilich; "Quarktasche" oder "Sahneschnittchen" sind noch in einigen Comics von Ralf König enthalten, werden aber kaum noch von jüngeren Schwulen benutzt.



#1 wolfAnonym
  • 31.08.2005, 18:55h
  • teehäuschen, für klappe, habt ihr vergessen.
    es gab auch hierzulande viele begriffe, die nur von der fakultät verstanden wurden.
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#2 MichaAnonym
  • 01.09.2005, 12:54h
  • Auf der Seite, die hinter eurem Link : Polari-Lexikon steckt, steht:
    "drag --> clothes"
    Ich denke mal, da es selbst im Wörterbuch keine andere Übersetzung gibt für "drag", dass auch die Bezeichnung "Drag Queen" aus der Polari-Sprache stammt und soviel heißt wie "Kleider Königin" :-)
    Liebe Grüße an alle!!!
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#3 whk RheinlandAnonym
  • 01.09.2005, 16:25h
  • @ wolf: Der ältere, die homosexuelle Szene und Homosexuelle umschreibende Begriff "Fakultät" (bzw. "von der anderen Fakultät sein") scheint doch ein ganz zauberhaftes Beispiel für deutsches Polari aus der Zeit emsiger Schwulenverfolgung zu sein. Anglisten und Linguisten verpassten dem Phänomen übrigens einen ziemlich schmucklosen und bedauernswerterweise wenig operettenhaften Fachbegriff für klandestinen Homo-Slang wie das Polari: "gay speak".
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#4 mmmmAnonym
  • 30.06.2012, 11:18h
  • Antwort auf #2 von Micha
  • In normaler Sprache heißt Drag 'dem Boden entlang ziehen'. Es kann wohl sein, dass Drag Queen komplett erfunden ist. Ich habe irgendwie immer gedacht, dass man sozusagen eine Königin dem Boden entlang für ein paar hundert Meter gezogen hat und wenn sie dann auf steht sieht sie nicht mehr so Frauenhaft aus....

    Laut Wiki ist drag ein Akronym für DRessed As a Girl
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