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Im Berliner Abgeordnetenhaus kam es am Donnerstag zu einem Schlagabtausch über ein Grußwort zum Folsom Europe.

Von Norbert Blech

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat am Donnerstag im Abgeordnetenhaus sein umstrittenes Grußwort für ein Leder-Fetisch-Fest verteidigt. Zuvor hatten Union und einige Springer-Medien anlässlich des Folsom Europe dem Bürgermeister vorgeworfen, "zweifelhafte Pornofeste" und "abartige Sexualpraktiken" zu unterstützen.

Moralische Grenzen

Anlass für die Diskussion war eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Michael Braun mit dem Titel: "Hat der Regierende Bürgermeister noch moralische Grenzen?" In Anspielung auf Wowereits Grußwort und den Bilderstrecken sowie Anzeigen in einer Festival-Broschüre fragte Braun, ob "Naziuniformen", Bilder erniedrigter Menschen und rassistische Anspielungen zur "Lebensfreude pur" gehörten. Braun fragte in Anspielung auf eine Entgegnung Wowereits weiter, ob es "verklemmt" sei, "dem bloßen Hedonismus nicht zu folgen" und entsprechendes Verhalten "nicht als Sexgenuss zu definieren".

Wowereit antwortete, er habe die CDU-Kritik zuerst als "Wahlkampf" verstanden. Aber es gehe offenbar auch um die gesellschaftspolitische Position der Union. Um zu zeigen, dass das Event in der Stadt willkommen sei, las er zuerst Briefe der Berlin Tourismus Marketing GmbH und der IHK vor. Die Tourismus-Manager hätten sich bemüht, dass das "internationale Event" in die Hauptstadt kam, denn es passe zu keiner anderen Stadt so gut wie zum weltoffenen Berlin. Der Folsom Europe sei im letzten Jahr erfolgreich absolviert worden und habe auch für dieses Jahr eine Genehmigung vom Bezirksamt.

Zu der Broschüre sagte Wowereit, für Leute, die mit der Szene nichts zu tun hätten, egal ob schwul oder hetero, sei "einiges sicher ungewöhnlich". Man sollte die Menschen aber "begrüßen". Die Diskussion von Medien und Politikern in den letzten Tagen hingegen habe "Tausende von Menschen diskriminiert und verletzt", er habe auch zahlreiche eMails in dem Sinne erhalten. Als Bürgermeister sei er es gewohnt, diskriminiert und beleidigt zu werden.

"Was ich jedoch nicht hinnehme, ist, dass kollektiv Menschen diskriminiert werden", so Wowereit. Dass Menschen verdrängt werden sollen, "die ein Recht haben, hier zu sein". Dafür stehe er als Bürgermeister. Wowereit zitierte noch aus einer Presseerklärung des Folsom Europe (s.u.), die zeige, dass die Aufregung "billige Polemik" sei.

Anti-Gewalt vs Zurschaustellung von Gewalt

Braun sah sich zu einer Nachfrage verursacht, stellte zuerst aber fest, dass es "unerträglich" sei, "dass Sie Teilen des Hauses oder dieser Stadt unterstellen, sie würden Homosexuelle oder Sonstige" diskriminieren. "Wo ist eigentlich die Grenze", fragte Braun, zwischen dem, was die Stadt unter einem friedlichen Fest verstehe und einer Zurschaustellung von Gewalt im öffentlichen Raum?

Wowereit konterte, wer der Auffassung sei, die Veranstaltung sei nicht legal, könne ja gegen sie vorgehen. Er erinnerte, dass auch die Union beim CSD und beim schwul-lesbischen Straßenfest in Berlin teilgenommen habe, zusammen mit den Veranstaltern und Anhängern des Folsom Europe.

Die CDU-Abgeordnete Katrin Schultze-Berndt fragte angesichts eines Kindes-Mordes in Zehlendorf, wie staatliche Anti-Gewalt-Arbeit und das Grußwort zu einem Festival mit "Gewaltphantasien" zusammenpassen würden. Wowereit konterte, diese Verknüpfung des Zusammenhangs zeige, dass man da tatsächlich unterscheiden müsse. Es gebe da offensichtlich Informations- und Afuklärungsbedarf. "Wäre schön, wenn sie sich dem stellen würden", so Wowereit zu der Abgeordneten, die doch mal die Veranstalter des Folsom Europe zu einem Gespräch einladen solle.

Veranstalter weist Kritik zurück

Daniel Rüster, Vorstandsvorsitzender des Folsom Europe e.V., hatte in einer Presseerklärung bereits am Montag die Kritik zurückgewiesen. Die Veranstaltung sei kein "Sado-Maso-Fest", sondern ein Straßenfest der Leder- und Fetisch-Gemeinde Europas. Diese spezielle Szene sei "bereits seit den 70er Jahren gesellschaftspolitisch aktiv" und habe in der 80ern "wesentlich zum Aufbau vieler Aids-Hilfen im In- und Ausland beigetragen". Den Vorwurf, rassistische Vergewaltigungspornografie verherrlichen oder gar fördern zu wollen, weise man zurück.

Während die Veranstalter den Mut Wowereits "ausdrücklich" begrüßten, distanzierten sie sich von der Kritik des CDU-Fraktionschefs Nicolas Zimmer an Wowereit. "Wir verstehen natürlich, dass sich der Fraktionsvorsitzende einer in Berlin seit Jahren umfrageschwachen CDU in Wahlkampfzeiten nach außen hin politisch erzkonservativ und empört geben muss. Aber wir wundern uns trotzdem sehr, dass gerade die CDU, die sich immer gern als Vertreter der wirtschaftlichen Interessen gibt, ein Grußwort zu einem Festival torpediert, dass nicht nur zum Abbau der offensichtlich noch starken Vorurteile über Frauen und Männer in Leder und Fetisch dient, sondern auch schon jetzt auf dem Weg ist, ein touristischer und somit auch wirtschaftlicher Schwerpunkt im Berliner Veranstaltungs-Kalender zu werden", so die Veranstalter.

1. September 1005, 16.15h



Jan Kayser, Berlins LSU-Chef

Der schwule Christdemokrat verteidigt die CDU-Hetze gegen "Folsom Europe". Das Fest schade der gesamten Szene.

16 Kommentare

#1 MichaAnonym
  • 01.09.2005, 17:04h
  • Ich habe Wowis Rede im Internet verfolgt, sie war wirklich klasse! Toll, dass er trotz der heftigen und ekligen Kampagne nicht den Schwanz einzieht, sondern sein Grußwort aktiv verteidigt.

    Auf die selbst gestellte Frage, ob man für ein schwules Fetisch-Fest ein Grußwort schreiben sollte, meinte Wowereit: "Zunächst dachte ich, man muss nicht, aber man kann. Jetzt denke ich: Man muss nicht, aber man sollte".

    Bravo, Wowi!
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#2 RomanAnonym
  • 01.09.2005, 17:34h
  • Machen wir mal einen Zeitsprung zurück in die Vergangenheit. Schon in den 20 zigern Jahren stand Berlin als Offene und Tollerante Stadt. Damals gab es Schwulen und Lesben Kneipen, und ?? Berlin war damals schon weiter und Fortschrittlicher als mancher Staat in Europa! Dunkel wurde es erst als ein gewisser Östreicher glaubte daß nur durch "Sieg Heil" und "Deutschland den Deutschen" Berlin bzw. Deutschland voran kommen würde! Scheinbar ist es daß was die CDU / CSU will? Verlogene Ehre und Moral herstellen? Währet den Anfängen!! Mein Gott leben und leben lassen wo ist hier das Problem???
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#3 wolfAnonym
  • 01.09.2005, 17:49h
  • fragwürdig ist allein die tatsache, dass solche "volksvertreter " (und von wem ) gewählt werden ?
    diesen grausigen kindesmord mit lederfetischismus in zusammenhang bringen zu wollen, spricht nur für die absolute unreife dieser dame, ist aber genau die richtung die uns amiland lehrt, an jeder katastrophe sind diese peversen schuld, na bravo !!!!!!!
    wärt ihr nur in düsseldorf (bonn ) geblieben.

    vor jahren hegte ich die hoffnung, dass diese grossteils dümmlichen und piefigen volksvertreter, nach dem umzug, hierher nach berlin, zwangsläufig ihre schularbeiten machen müssen, aber sie schaffen es auch hier sich abzuschotten und bilden für mich eine parallelgesellschaft, die nicht einmal gewillt ist tagtägliche probleme zu sehen und umzusetzen. gerade berlin bot und bietet ihnen diese einmalige chance.
    aber man konnte nach dem umzug nicht einmal die eigenen kinder in öffentliche horte schicken, die hätten ja von den berlinern versaut werden können.
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#4 madridEUAnonym
  • 01.09.2005, 18:12h
  • Fetische und Leder animieren mich persönlich und wahrscheinlich Wowereit auch nicht besonders. Trotzdem sollten wir standhaft das Recht auf Feste dieser Art der daran interessierten Schwulen verteidigen. Erstens aus Solidarität und zweitens kann es ja sein, dass wir eines Tages selbst Gefallen daran finden könnten.
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#5 queeryAnonym
#6 blumen-freundAnonym
  • 01.09.2005, 20:05h
  • die sm-szene muss mit uns befreundet bleiben!

    es gibt dort (unter den vielen heterosexuellen dieser gruppe) viele fürsprecher, die homosexualität tolerieren - mehr noch: akzeptieren. alleine sind wir zu schwach...
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#7 Tja..najaAnonym
  • 01.09.2005, 20:28h
  • ..ich habe das Geschehen zwar nur marginal vefolgt.. aber dieser Vergleich..SM - Gewalt gegen Kinder mit Todesfolge... finde ich sehr sehr bedenktlich...
    Ich finde es einfach schlimm, das diese Frau sofort wenn es im Wählerfang am rechten Rand geht wieder das "Kinderficker" u. "da musst du mit dem Arsch an der Wand" laufen der 50-60er Jahre aufleben lässt... auch wenn Sie das nur indirekt sagt... u. SM mit Gewalt zu vergleichen zeigt einfach nur ein sehr grosses Unwissen u. Desinteresse an der Variantionsbreite von LIEBE & SEX... u. das schreibe ich als nicht SM`ler...
    Ich bin sehr froh das "Wowi" nicht sofort kleinbei gibt u. nur "Missionarstellung" für erlaubt erklärt.

    Keine Frage das man darauf achten sollte das es keine "Entgleisungen" in der Öffentlichkeit gibt.. und mann muss sich nicht mit dem Schwanz im Mund auf der Strasse zur Schau stellen.. das kann ich verstehen.. aber diese 1% der Besucher kann man sicher aufklären dies nicht zu tun...

    Persönlich muss ich sagen, das es mich z.T. sehr traurig macht, das das einzige Argument für eine solches Event gegenüber den Städten das funktioniert immer nur das finanzielle ist....Ich denke das man sich da für ein paar Stunden die Toleranz/Akzeptanz mit ein paar Tausend Übernachtungen usw. doch ein bissel billig erkauft... aber naja... werden das wohl nicht ändern können......

    P.S. ach ja .. und das Arschfreie durch die Stadt laufen usw. fördert die Toleranz auch nicht gerade!!.. ich kann jede Mutter verstehen die sich um ihre Kinder sorgt, wie sie das erklären soll... Es schallt so aus dem Wald wie mann hineinruft... (meistens)..
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#8 RenéAnonym
  • 01.09.2005, 22:52h
  • Liebe CDU,
    am besten ihr macht mal genauso weiter, dann merken die paar verirrten schwulen CDU-Wähler die es ja vom hörensagen irgentwo in unserem Lande angeblich geben soll - irgentwann doch noch, was diese an EUCH haben!
    Wenn jeder kleine Scheisser in der CDU die Stoiber-Polemiken nachäfft, Prost Mahlzeit Deutschland...
    Ihr verdient keine Gurke, ihr ewig gestrigen von der CDU - für Euch sind grade mal nen oller Rettich gut genug, wenn überhaupt!

    René / Wilmersdorf
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#9 RenéAnonym
  • 01.09.2005, 22:53h
  • Liebe CDU,
    am besten ihr macht mal genauso weiter, dann merken die paar verirrten schwulen CDU-Wähler die es ja vom hörensagen irgentwo in unserem Lande angeblich geben soll - irgentwann doch noch, was diese an EUCH haben!
    Wenn jeder kleine Scheisser in der CDU die Stoiber-Polemiken nachäfft, Prost Mahlzeit Deutschland...
    Ihr verdient keine Gurke, ihr ewig gestrigen von der CDU - für Euch sind grade mal nen oller Rettich gut genug, wenn überhaupt!

    René / Wilmersdorf
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#10 Helmut P.Anonym
  • 01.09.2005, 23:29h
  • Wowereit ist echt spitze von solchen Personen sollte es noch mehr geben die sich so einsetzen!
    Leider gibt es welche die es nie kapieren, wie einige Leute der CDU oder CSU, aber wir sind ja Tollerand und geben die Hoffnung nicht auf!

    Gruß H.P.
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