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Die genial witzige Comicverfilmung von Ralf Königs "Lysistrata", die in Spanien produziert wurde, ist jetzt auf DVD erhältlich.

Von Christian Scheuß

Lilo Wanders hat den Comic "Lysistrata" von Ralf König auf dem Klo ihres Landhauses liegen. Ganz vergilbt liegt er da und belustigt alle, die das stille Örtchen aufsuchen, verrät die Ex-Wa(h)re Liebe-Moderatorin. Die 1987 erschienene schwule Neuerzählung der antiken Geschichte des Dichters Aristophanes schaffte nun den Sprung von Lilos Toilette auf die Leinwand. Und die Wanders macht mit als Synchronstimme für die Figur Sülzos.

Nach "Wie die Karnickel" gibt es nun wieder einmal die Verfilmung eines Ralf König-Comics zu sehen. Die spanische Produktion, die bereits 2002 entstanden ist, gelangte mit etwas Verzögerung auch in die deutschen Kinos. Der Verleih Kinowelt war nach der positiven Resonanz während ein paar Probevorführungen überzeugt, einen potenziellen Hit eingekauft zu haben, und platzierte im Dezember 2004 rund 50 Kopien. Ursprünglich war ein bescheidenerer Start geplant.

Die Story beginnt 411 vor Christus. Sparta und Athen bekriegen sich seit 30 Jahren. Um dem sinnlosen Kampf ein Ende zu setzen, besetzen die Athenerinnen unter Führung der lesbischen Feministin Lysistrata die Akropolis. Sie verweigern sich ihren Männern sexuell, und zwar so lang, bis endlich Frieden geschlossen wird. Hepatitos, Anführer der schwulen Gemeinschaft Athens, nutzt die Gunst der Stunde und überzeugt die Armee von der "Zwangshomosexualität", um angestaute Hormone abzubauen und wieder kampffähig zu werden. Nach anfänglicher Skepsis finden mehr und mehr Athener Gefallen am schwulen Liebesspiel, doch den Frauen entgeht natürlich nicht, dass ihr Plan zu misslingen droht.

Regisseur Francesc Bellmunt hält sich ziemlich genau an die Comicvorlage. Die Akteure haben zwar keine Knollennasen, doch die Ständer der verlassenen Krieger sind so mächtig wie in den Zeichnungen. "Wir haben Vibratoren aus dem Sex-Shop genommen", gesteht Bellmunt. "Gut, robust und billig." So drastisch wie die Erektionen sind auch manche Szenen und Dialoge, und so überzeichnet sind die Figuren. Die Heteromänner sind dumpfe Krieger, die Ehefrauen verzweifelte Dummchen und die Schwulen tuntige Verführer. Trotzdem machen die Klischees mehr Spaß als beim "(T)Raumschiff Surprise", wohl auch, weil der Humor aus schwuler Feder stammt. Und Lilo Wanders wie auch Monty Arnold, die den hierzulande unbekannten Schauspielern ihre Stimme leihen, geben ihre allzu näselnde Synchronisation im Laufe der Handlung auf, was allen nur gut tut. Ralf König selbst ist zufrieden mit dem Ergebnis. "Der Film hat es auf jeden Fall verdient, Erfolg zu haben", meinte er.

Lysistrata, ab 6. September 2005 auf DVD (Kinowelt). Bild: 2,35:1 (anamorph), Sprachen/Ton: Deutsch, Spanisch (5.1 Dolby Digital), Untertitel: Deutsch. DVD Extras: Starinfos Ralf König, Interviews, Die Synchronisation, Starinfos Lilo Wanders/Monty Arnold, Fotogalerie, Making of, Alternatives Ende, Gespräch mit dem Regisseur, Gespräch mit Lilo Wanders, Trailer

06.09.2005



#1 klausAnonym
  • 06.09.2005, 17:02h
  • ..meiner meinung nach die schwächste aller R. König verfilmungen.
    unterer durchschnitt
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#2 DizAnonym
  • 06.09.2005, 17:42h
  • "genial witzig" fand ich den Film nun auch nicht. Abgesehen vom offensich heterosexuellen Casting überzeugt eigentlich nur die Ausstattung. Außerdem zeigen sich (allerdings sollte man das positiv erwähnen) weder Ralf König noch Lilo Wanders besonders begeistert von dem Ergebnis.
    Mal wieder ein cooler schwuler Comic, der aus kommerziellen Gründen heterosexuellkompatibel gemacht wurde. Erstaunlich finde ich allerdings, dass die (auch leider sehr offensichtlic) künstlichen Dödel schon ab 12 gesehen werden dürfen :-)
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