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Am Sonntag wählt (fast) die ganze Republik - queer.de wirft einen Blick auf die schwul-lesbischen Kandidaten.

Von Dennis Klein

Homo-Themen spielen beim Bundestagswahlkampf zwar keine so große Rolle mehr wie noch vor drei Jahren. Dennoch bewerben sich insbesondere bei den großen Parteien eine ganze Reihe von schwulen und lesbischen Kandidaten um einen Arbeitsplatz im Reichstagsgebäude. Viele von ihnen verschweigen jedoch ihre sexuelle Orientierung lieber - oder hängen sie nicht so groß an die Glocke.

Keine "warmen" Unions-Kandidaten

Bei der CDU/CSU sieht es mit offenen Homo-Kandidaten besonders mau aus. Während in Bundesländern wie Hamburg inzwischen schwule CDU-Bürgermeister, Senatoren und Abgeordnete an der Tagesordnung sind, erwähnt von den Berlin-Kandidaten der konservativen Volkspartei offenbar keiner eine "exotische" sexuelle Orientierung. Mit der Homo-Politik ist oft Jürgen Gehb befasst, der im Rechtsausschuss häufig mit dem Grünen Volker Beck im Clinch lag - so griff Gehb Beck unter anderem wegen des Scheiterns der Magnus-Hirschfeld-Stiftung an.

Für die SPD zieht dagegen der offen schwule Abgeordnete Johannes Kahrs so gut wie sicher ein drittes Mal ins Parlament ein. Er ist einer der Sprecher des Seeheimer Kreises in der SPD. Dieser von dem Medien oft als "rechter Flügel" der Partei beschriebene Zusammenschluss setzt sich für eine pragmatische "sozialdemokratische Politik des Machbaren" ein, insbesondere in der Wirtschaftspolitik. Kahrs hat vor drei Jahren seinen Wahlkreis mit 54 Prozent gewonnen, die CDU folgte mit gerade mal halb so viel Stimmen.

Bei den Grünen muss man nicht mit der Lupe nach schwul-lesbischen Kandidaten suchen: Gleich sechs von ihnen können so gut wie sicher mit dem Einzug in den Bundestag rechnen - allen voran Volker Beck. Der 44-jährige gebürtige Schwabe hat 2000 die Homo-Ehe durchgesetzt, nach der Neuauflage von Rot-Grün vor drei Jahren sind jedoch einige Homo-Projekte wie das Antidiskriminierungsgesetz weiterhin nicht umgesetzt. Beck tritt auf Platz vier der Landesliste NRW an. Neben ihm können noch Biggi Bender (Platz 7 in Baden-Württemberg), Kai Gehring (Platz 8 in NRW), Anja Hajduk (Platz 2 in Hamburg), Sibyll Klotz (Platz 3 in Berlin) und Gerhard Schick (Platz 8 in Baden-Württemberg) mit dem Einzug ins Parlament rechnen. Knapp werden könnte es für Bettina Herlitzius, die auf Platz 11 in Nordrhein-Westfalen gesetzt wurde.

Westerwelles erste Wahl nach Coming-out

Auch die Liberalen setzen auf Homo-Starpower: Guido Westerwelle, der vor drei Jahren noch oft als "auffallend ledig" bezeichnet wurde, tingelt derzeit durch Wahlkampfzelte und Talkshow-Runden. Seit seinem "stillen Coming-out" vor gut einem Jahr lässt er sich bei gesellschaftlichen Ereignissen gerne mit seinem Partner ablichten. Westerwelle ist auf Platz 1 der Landesliste Nordrhein-Westfalen. Neben ihm kann auch noch der Dortmunder Kandidat Michael Kauch den Einzug ins Parlament schaffen. Sein elfter Platz auf der Landesliste NRW sichert ihm nur einen Platz im Bundestag, wenn die FDP im bevölkerungsreichsten Bundesland rund sieben Prozent der Stimmen holt. Vor drei Jahren schaffte die Partei noch 9,3 Prozent - damals hieß das "Zugpferd" allerdings noch Jürgen Möllemann.

Bleibt noch die Linkspartei, die Fusion aus PDS und WASG. In ihrem Programm verlangt die Partei als einzige neben den Grünen die Gleichstellung der Ehe und unterstützt das ADG. Allerdings hält sich die Gysi/Lafontaine-Truppe mit offen schwul-lesbischen Kandidaten auffällig zurück - anders als zwischen 1994 und 2002, als Christina Schenk das homopolitische Profil der Sozialisten im Bundestag schärfte. Jetzt befinden sich Homo-Kandidaten lediglich auf aussichtslosen Listenplätzen. So tritt in NRW die von der SPD zur WASG konvertierte transsexuelle Aktivistin Sylvia Fee-Wadehn auf Listenplatz 21 an, während der Dortmunder Karl Krämer mit Platz 28 Vorlieb nehmen muss. Damit die Homo-Kandidaten in den Bundestag einzuziehen, müsste die Linke allerdings ein Ergebnis wie zu DDR-Zeiten einfahren.

13. September 2005



Große Koalition des Stillstands

In der Homopolitik hat die SPD der Union kampflos das Feld überlassen, der LSVD ist orientierungslos. Ein Standpunkt von Michael Kauch (FDP).

46 Kommentare

#1 Keine AhnungAnonym
  • 13.09.2005, 17:54h
  • Hab den Kauch letzte Woche kennengelernt..schade, dass der in der falschen Partei ist - würde ihn aber wohl für andere Sachen wählen:-) Sieht in echt besser aus, als auf diesen unvorteilhaften Bildchens...:-)
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#2 wolfAnonym
#3 RalphAnonym
  • 13.09.2005, 22:26h
  • Ich halte die FDP-ler für ziemliche Sprücheklopfer: Es ist wohl kaum anzunehmen, dass deren hehren Ideen zugunsten von Lesben und Schwulen auch nur einen Hauch von Chance bei der Union haben werden. Beharrlich verhandeln wollen die? Beharrlich ignoriert werden sie, dafür sorgt schon ein Schattenkanzler Stoiber, so es denn Schwarz-Gelb schaffen sollte.
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#4 theoAnonym
#5 Stefan K.Anonym
#6 GrünenwählerAnonym
  • 14.09.2005, 09:22h
  • Sagt mal, warum habt Ihr von Westerwelle ein so großes Foto genommen und von Volker Beck ein so kleines, worauf man ihn erst einmal nicht erkennt?

    Ist das eine Wertung? Kommt darin die Parteienpräferenz der Redaktion zum Ausdruck?
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#7 FragenderAnonym
  • 14.09.2005, 11:34h
  • Und warum ist vom Kahrs kein Bild drin (der ja wohl am besten von allen ausschaut)
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#8 FatLeeAnonym
  • 14.09.2005, 12:18h
  • Ich bin schwul! Werde aber diesmal Die CSU wählen denke ich. Weil ich gegen ein EU Beitritt der Türkei bin. Die Türkei ist schwulen feindlich. Obwohl ich weiß das die SPD mehr für schwule tun würde.
    SPD wäre sozialer bei Krankenversicherung Bürgerversicherung.
    Arbeitsplätze und Wirtschaft spielen auch eine rolle.
    Bei dieser Bundestags Wahl geht es um mehr als nur um schwul oder nicht schwul.
    Eigentlich weiß ich erhlich gesagt immer noch nicht ob ich SPD oder CSU wählen soll. Ich würde gerne von euch schwulen wissen wollen was ihr diesmal wählen werdet.
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#9 Stefan K.Anonym
  • 14.09.2005, 13:41h
  • @Fatlee: Vielleicht kann das dir weiterhelfen. Nach der letzten queer.de-Umfrage, was wir jetzt kommenden Sonntag wählen werden, sagen an die 30 % Grüne, um die 26 & für die SPD, 19 % CSDU (kann gar nicht sein;wahrscheinlich haben sich wieder solche Typen wie Daniel1978 oder Knecht Ruprecht zu Wort gemeldet, diese Umfrage kann ja Jedermann beeinflussen), nicht einmal15 % für die FDP und grademal 12 oder 13 % für die PDS. Nur noch 2% würden sich der Wahl enthalten; anscheinend ist also für uns Homos die Bundestagswahl von großer Bedeutung. Jedenfalls wenn's nach uns ginge, würde die Grüne als stärkst gewählte Partei mit der SPD zusammen auf über die Hälfte kommen und hätte damit (zusammmen) eine absolute Mehrheit.
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#10 Jörg EbelAnonym
  • 14.09.2005, 14:21h
  • Hübsch tendenziös ist es jedenfalls auch, Volker Beck und den Grünen in die Schuhe zu schieben, dass es kein ADG gibt ("nach der Neuauflage von Rot-Grün vor drei Jahren sind jedoch einige Homo-Projekte wie das Antidiskriminierungsgesetz weiterhin nicht umgesetzt. " Fakt ist: Rot-Grün hat das ADG beschlossen, im Bundesrat blockieren CDU und FDP. Unterschlagen wird auch, dass die Grünen zum 1. 1. 2005 die Ergänzung der Lebenspartnerschaft durchgesetzt haben. Seither gibt es in Deutschland die Stiefkindadoption für Lesben und Schwule. Unerwähnt bleibt leider auch das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Schade, dass die Erfolge in Deutschland immer kleingeredet werden. Guido Westerwelle übrigens, der Held des "stillen Coming-out", hat sich davor gedrückt, auch nur auf einer einzigen CSD-Kundgebung zu sprechen.
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