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Nein, das Ende von Erasure sei noch nicht gekommen, versichert Andy Bell im Interview mit Jan Gebauer von queer.de. Sein neues Album "Electric Blue" ist das erste Solo-Projekt seiner Karriere. Was uns ohne Vince Clarke erwartet, klärten wir im Gespräch. Ebenso die Fragen, ob er hinter Englands Labour-Partei steht, wie er das Starsein empfindet und was er von Ikonen wie Elton John und Barbra Streisand hält.

Wie denkst Du über Schubladen wie die der "Schwulen-Ikone"?

Ich weiß gar nicht, ob das überhaupt stimmt. Wenn ich irgendwo hingehe, wird kein großer Wirbel daraus gemacht. Da lege ich auch keinen Wert drauf. Ich werde so behandelt wie jeder andere auch, was ich als angenehm empfinde.

Der Schritt in die Öffentlichkeit fällt dir also nicht schwer?

Es ist eine Frage der Selbstsicherheit. Vor Erasure mag ich ein Mauerblümchen gewesen sein, aber durch meine Karriere habe ich mir meinen Weg im Leben geebnet. Das heißt aber nicht, dass ich mich darüber profiliere. Ein Grund zum Verstecken ist aber auch nicht. Doch als "Schwulen-Ikone" sehe ich mich nicht. Nein, das können gerne andere übernehmen.

Jemand wie Elton John?

Ich habe ihn zweimal in meinem Leben getroffen. Ich war nie in dem Kreis von Leuten, mit denen er sich umgibt. Wir wurden nie eingeladen. Aber er hat einen sehr lieben Partner. Und obwohl ich kein Riesenfan von Elton bin, denke ich, dass er fantastische Lieder geschrieben hat.

Und er ist ein fanatischer Plattensammler – gehst Du dem auch nach?

Ja, aber ich sammle kein Vinyl. Die Zeiten sind für mich vorbei. Ich besitze allerdings viele zu viele CDs – überall liegen sie bei mir herum, dass ich schon über sie stolpere. Ich habe auch zu viele Klamotten – ich muss mal dringend wieder ausmisten. (lacht)

Findet sich in Deiner Sammlung auch schwule Klischee-Musik wie Barbra Streisand?

Oh, Barbra ist süß. Natürlich habe ich Platten von ihr. Auch wenn es ein Klischee ist, ich liebe alles, was sie macht. Das Konzert-Event "One-Voice", das sie in ihrem Garten veranstaltet hat, war außergewöhnlich. Ihre Stimme ist brillant und einzigartig. Ich würde jede Chance der Welt wahrnehmen, um mit ihr zu arbeiten.

Na, Deine Stimme kann sich doch auch hören lassen. Woher nimmst Du die Inspiration zum singen?

Ach was, nein, da kann ich nicht mithalten. Barbras Stimme ist viel einzigartiger. Sie hat bestimmt Stunden um Stunden daran trainiert und wenn ich so in den Spiegel schaue ... Nein, es sind ganz banale Sachen, die mich inspirieren oder einen Einfluss auf meinen Gesang haben. Fröhlichkeit, gut gelaunt die Straße runtergehen, mit Freunden feiern und Blondie auflegen. Gute Stimmung ist verdammt wichtig. Manchmal aber auch, wenn mich etwas zum Weinen bringt. Wenn dich etwas so sehr berührt, dass du nicht mehr an dir halten kannst.

"Electric Blue" ist das erste Solo-Album Deiner Karriere. Ist das Ende von Erasure gekommen?

Nein! Nein! Und nochmals nein! Auf keinen Fall! Wir machen zusammen weiter.

Also hattest Du zwischendurch Langeweile?

Eigentlich hatte ich die Idee schon seit längerer Zeit. Ursprünglich sollte das Erasure-Album "Other People's Songs" ein Solo-Album werden, aber letztendlich haben wir es doch zusammen gemacht. Nach unserer letzten Tour kam dann ein Demo-Band von den DJs und Remixern Manhattan Clique und ich war sofort von den Songs begeistert und ich bat die Jungs, sie niemand anderen zu geben. Ich habe dann mit ihnen die Lyrics geschrieben und so wuchs das Ganze zusammen. Wir waren so kreativ, dass wir am Ende rund 20 Songs hatten, von denen nun 14 auf der aktuellen CD enthalten sind. Aber im nächsten Jahr geht es auch mit Erasure weiter – dann kommt das lange angekündigte Akustik-Album raus.

Welche signifikanten Unterschiede haben die Musik von Andy Bell und Erasure?

Schwer zu sagen – manche Leute werden vielleicht keinen Unterschied bemerken. (lacht) Ich würde sagen, meine Songs sind sorgloser.

Für meinen Geschmack auch etwas kälter – vielleicht tanzbarer.

Ja, da ist etwas dran. Ich liebe Dance-Musik und gehe auch sehr gerne raus zum Tanzen. Ich wollte für das Solo-Projekt das Tempo etwas anziehen. Die letzten Erasure-Sachen waren eher Midtempo-Stücke. Auf "Electric Blue" soll mehr passieren – weniger Melancholie als auf "Nightbird".

Kann man das auch auf Dein Privatleben beziehen?

Nun, ich glaube, dass es eher als Hobby zu betrachten ist. Ein Versuch – wie damals mit "ABBA-Esque". Wir hatten keinen Zeitdruck wie bei den meisten Erasure-Projekten, sondern konnten uns einfach austoben. "Electric Blue" ist ein Abenteuer, so wie Freddie Mercury damals sein "Barcelona"-Projekt gemacht hat. Nur dass ich einfach mal die Disco-Diva raushängen lassen kann.

Ein herausragender Song auf dem neuen Album, "Shaking My Soul", hat einen deutlichen Motown-Touch.

Ja, völlig richtig. Ich liebe Motown! In England ist Northern Soul zum Beispiel auch sehr populär und in den Clubs präsent. Ich kenne die Interpreten zwar nicht richtig, aber die Musik ist klasse. In den Clubs tanze ich unheimlich gerne dazu.

Was erwartet uns, wenn Du alleine auf Tour gehst?

Das wird schon hart werden. Ich muss auch eine Band zusammenstellen – eine Tour würde es also erst nächstes Jahr geben. Ich würde auch gerne Claudia Brücken (Ex-Propaganda) dabei haben – die mit an meinem Album gearbeitet hat. Sie ist einfach großartig. Es hat eine ganze Zeit gedauert, bis wir ihre Vocals hatten, weil sie eine große Perfektionistin ist. Der andere Stargast auf "Electric Blue" ist Jake Shears von den Scissor Sisters – darüber bin ich auch sehr glücklich.

War die Rückkehr von Erasure mit "Nightbird" ein Comeback für Dich oder wart ihre eigentlich nicht weg?

Ich habe das nie als Comeback empfunden. Die Leute haben mich zwar manchmal gefragt, ob ich aufgehört habe zu singen, aber die habe ich schnell eines Besseren belehrt. Vielleicht waren wir nicht mehr so visuell so präsent, weil wir weniger Shows und Auftritte gegeben haben.

Und wie war das in den Achtzigern für Dich?

Ich denke, wenn man anfängt, ist alles neu und aufregend, egal was kommt. Es ist auch heute noch manchmal so, aber die Naivität von damals ist natürlich verflogen. Ich weiß, was mich erwartet, ich kenne die Journalisten und es ist berechenbarer geworden. Manchmal würde ich dem gerne fernbleiben, aber es gehört dazu. Heute geht es mehr um eine Fassade – vor allen Dingen, seitdem wir diese "tollen" Pop-Idol-Sendungen haben. Popstar zu sein ist zu einem "Preis" verkommen – nichts, was man sich hart erarbeitet. Es geht mehr um den Bekanntheitsgrad und um das schnelle Geld als um die Musik. Das ist schon verrückt.

Das neue Album von Andy Bell, "Electric Blue", erscheint am 30. September bei Sanctuary.

15. September 2005



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