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Hier liegt die Seele der Schwulen-Szene in den USA: In Provincetown sind Prüderie und Langweile Fremdworte.

Von Jürgen Herzog

Der gesamte Stadtrat ist homosexuell, hier wurden bisher die meisten Homo-Ehen im Staate Massachusetts geschlossen, hier treffen sich jedes Jahr zehntausende Schwule und Lesben, um den Vorurteilen in ihren Heimatgemeinden zumindest für ein paar Tage zu entgehen. Schön für Touristen aus Europa: Provincetown, das Mekka der US-Gays, ist in nur sieben Flugstunden zu erreichen und die Nähe zu Boston, New York und den Neuengland-Staaten lädt zu einer netten, kleinen Rundreise ein.

Dabei ist das Städtchen auf den ersten Blick kein Kandidat für ein Homo-Paradies. Die Pilgerväter, die prüden Passagiere der "Mayflower”, erreichten hier anno 1620 die Neue Welt. Heute tummeln sich heute in den Sommermonaten zehntausende Schwule und Lesben und verwandeln den kleinen Fischerort an der Ostküste, in ein Paradies für unangepasste Künstler, Bohemiens, Aussteiger, knackige Boys und kesse Frauen: In den Augen der fundamentalistischen Prediger ein wahres Sündenbabel also – für Leute, die Lust auf Leben haben, ist Provincetown dagegen einfach nur ganz viel Fun.

Cape Cod ist nicht Ibiza

Doch Endlos-Party-Gänger aufgepasst: Hier am äußersten Ende der berühmten Halbinsel Cape Cod gehen die Uhren anders als in Mykonos oder Ibiza. Sperrstunde ist um eins und wer bis dahin nach Tea-Dance am Nachmittag, After-T-Party am frühen Abend und späteren Abrocken in den zwei großen Clubs der Stadt immer noch nicht genug hat, der muss halt bis zum anderen Tag warten. Anbandeln geht zwar auch noch weit nach Mitternacht vor der Spiritus-Pizza, die sich seltsamerweise zum traditionellen "Lumpensammler” und Bühne für die letzten Anmach-Versuche der Nacht entwickelt hat, doch auch hier ist irgendwann Sendepause. Dieser eher gemächliche Rythmus des Ortes kommt natürlich all denjenigen sehr entgegen, die im Urlaub auf sieben bis acht Stunden Nachtschlaf nicht verzichten wollen.

Überhaupt ist Provincetown alles andere als nur eine einzige große schwule Party. Der Ort wurde bekannt als Künsterkolonie der New Yorker Szene und auch heute noch ist in den Galerien entlang der Commercial Street Kunst zu bewundern (und selbstverständlich auch zu kaufen), die weit über die Segelschiff-Motive und den Leuchtturm-Kitsch der Andenkenbuden anderer Seebäder hinausragt. Es war und ist das fast mystische Licht der Gegend, das Künstler aus aller Welt anlockt. Das Meer und die Dünenlandschaft reflektieren die Sonnenstrahlen in voller Intensität – das Gras scheint grüner, der Himmel blauer, das Wasser wie ein Bergkristall.

Wer diese beeindruckende Atmosphäre hautnah erleben will, lässt sich vom Hafen des Ortes mit dem Wassertaxi nach Long Point bringen. Von dort kann man gemütlich am Strand in zwei Stunden wieder nach Provincetown zurücklaufen. Von wildem Möwengeschrei über Schiffswracks bis zum wogendem Dünengras findet man unterwegs alles, was die Fantasie sich so unter dem Begriff "einsamem Meeresgestade” vorstellt.

Strandromantik pur also. Doch der Weg zurück in die Wirklichkeit ist kurz. Nur ein paar hundert Meter weiter strandaufwärts ist die Gay Beach, wo man selbstverständlich nackt herumläuft und ausgesprochen kontaktfreudig ist - und sich gerne einmal in die Büsche schlagen.

Die Party startet nachmittags

Die Partyszene des Ortes entfaltet danach sich mit dem nachmittäglichen und wahrlich legendären Tea-Dance am Pool des Boatslip, einem schwulen Motel in der Stadtmitte. Wer sich jetzt in den Trubel stürzen will, soll es tun. Doch es gibt auch so genug zu tun auf der Commercial Street und jeder findet Aktivitäten nach seinem Geschmack: Kleine Lädchen laden zum Stöbern ein, Straßencafés bieten sich zum "Leute gucken” an, manche leihen sich Fahrräder aus und erkunden das gut ausgebaute Radwegenetz der Halbinsel, das durch die Dünen und Wälder der Provincelands, einem benachbarten Naturpark führt. Eine weitere Attraktion des Ortes ist das Whale Watching. Boote mit Marinebiologen an Bord fahren Touristen hinaus zur Stellwagen Bank, einer Sandbank, wo es von Krill nur so wimmelt und sich die Wale beim Mittagessen absolut nicht von den Ausflugsbooten stören lassen. So seltsam es sich auch anhört: Einem Buckelwal beim Essen zuzuschauen, ist schon ein ganz besonderes Erlebnis.

So gemütlich und intim Provincetown ist, so charmant sind auch seine kleinen Hotels. Wer hier Urlaub macht, sollte unbedingt die üblichen amerikanischen Motels meiden und in einem der für die Gegend so typischen Inns oder B&Bs absteigen. Die meisten Innkeeper legen hohen Wert auf Service, Qualität und Individualität der Unterkünfte. Vom besonderen Charme solcher "Guesthouses” haben sich auch Jürgen, Rainer und Hans anstecken lassen. Die drei betreiben in Provincetown das "Carpe Diem Guesthouse”, das sich vom Geheimtipp zu einem der beliebtesten Inns am Ort entwickelt hat. Früh buchen ist deshalb angesagt. Die geschmackvoll eingerichteten Räume weisen so luxuriöse Details wie Whirlpool-Badewannen und Kamine auf, das Frühstück ist in ganz Provincetown für seine Üppigkeit bekannt (Jürgen backt sogar deutsches Vollkornbrot selbst) und die nachmittägliche Wein-und Käse-Verkostung mit Herbie, dem Manager und echtem Provincetown-Original, verspricht gute Unterhaltung mit den anderen Gästen.

Egal ob im "Carpe Diem” oder anderswo: Provincetown ist ein Ort, um Leute zu treffen – neue Freunde, alte Bekannte, vielleicht auch den Mann oder die Frau fürs Leben. Die Freundlichkeit und Wärme des Städtchens öffnet die Herzen. Wer hier wegfährt und sich nicht von der besonderen Energie dieses Platzes hat anstecken lassen – tja, dem ist nicht mehr zu helfen.

19. September 2005



#1 manni2Anonym
  • 20.09.2005, 11:10h
  • War schon da....

    alles super und echt geil!!!

    Nur die Preise müssten nicht ganz so "upscale"

    sein.........
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#2 TimAnonym
#3 Linker CacheAnonym
  • 21.09.2005, 20:08h
  • @Tim: Und Alkohol erst mit 21. dafür darfst du dir aber als 16jähriger(je nach bundesstaat) legal eine Waffe kaufen....
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