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Der Papst gibt dem Kampf gegen schwule Priester sein Ja-Wort, ein Kardinal will eine Ehe Light, aber nur für Heteros.

Von Norbert Blech

Während in Deutschland politische Chaostage drohen, haben in Italien und speziell im Vatikan Tage von bemerkenswerer Klarheit begonnen: der Kampf gegen schwule Priester und die Homo-Ehe geht jetzt erst so richtig los.

Papst gegen Homo-Priester

Mit einigen Tagen Verspätung hat Papst Benedikt XVI. seine Zustimmung zu einem Dokument gegeben, dass schwule Männer aus dem Priesteramt verdrängen soll. Das Dokument der Kongregation für das Katholische Bildungswesen liegt schon länger vor, sollte aber nicht vor dem Weltjugendtag in Köln vor einem Monat veröffentlich werden. Neben Kriterien zur Zulassung von neuen Priestern soll es auch darlegen, wie schwule Priester - ob sexuell aktiv oder nicht - aus dem Dienst entfernt werden können. Das Dokument soll erst im Oktober veröffentlich werden, Papst Johannes Paul II. hatte es vor elf Jahren in Auftrag gegeben.

Der neue Papst habe das Dokument bereits Ende August unterschrieben, berichten die "Catholic World News". Laut dem Bericht heißt es in dem Dokument, Homosexualität sei eine "schwere Geistesstörung", daher seien auch sexuell nicht aktive schwule Priester aus dem Dienst zu entfernen. Diese Ansicht über schwule Priester ist nicht neu und entspricht der vatikanischen Lehrmeinung seit Jahrzehnten - eine praktische Umsetzung des Gedankens gab es jedoch so gut wie nie.

In den USA hat der Kampf gegen schwule Priester bereits in der letzten Woche begonnen. Eine aus dem Vatikan angereiste Untersuchungskommission befragt seitdem in Einzelgesprächen alle Teilnehmer von Priesterseminaren nach ihrer sexuellen Orientierung - und der ihrer Mitschüler. Auch die erfolgreichen Absolventen der letzten drei Jahre sollen befragt werden. Wer homosexuell ist oder zu sein scheint, soll, egal ob sexuell aktiv oder nicht, aus dem Priesterdienst bzw. aus den Seminaren entfernt werden.

Kritiker bemängelten an dem Vorgehen von Anfang an, dass der Vatikan damit den Schwulen die Schuld an den Missbrauchsfällen von Priestern an Jugendlichen und Kindern in den USA geben will. Am Dienstag wurde nebenbei bekannt, dass die Generalstaatsanwaltschaft in den USA Ermittlungen gegen den Papst abgelehnt hat. Einen Tag zuvor war die Klage eingereicht worden, der Papst habe im Zusammenhang mit einem Missbrauchsfall in den USA die Ermittlungen vertuscht. Doch der Papst genieße Immunität, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Peter Keisler.

Kampf gegen Homo-Ehe

Auch in Italien hat sich der Kampf des Vatikans gegen Homosexualität verschärft. Nach der Ankündigung des Oppositionsführers Romano Prodi, eingetragene Lebenspartnerschaften einzuführen nach französischem Pacs-Vorbild, also mit weniger Rechten wie die Ehe und offen für Hetero- und Homo-Paare gleichermaßen, konnten sich die Kirche und nahestehende Medien mit Kritik nicht zurückhalten.

Der Plan des Oppositionskandidaten bei den nächsten Parlamentswahlen verstoße gegen die Verfassung, betonte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Camillo Ruini, am Montag. "Die Verfassung versteht die Familie als auf der Ehe gegründete natürliche Gesellschaft", betonte Ruini bei der Tagung des Ständigen Rats des Episkopats in Rom, nun drohe der Familie "Gefahr". Es sei falsch, die verschiedenartigen Lebensformen als gleichwertig zu bezeichnen, meinte Ruini. Es entstünden Probleme, wenn Kinder keinen "wirklichen, dauerhaften Raum des Schutzes und der Geborgenheit" hätten.

Ruini überraschte jedoch mit der Ansicht, der Staat könne durchaus ein Rechtsinstitut schaffen, das weniger Rechte und Pflichten für Paare vorsieht - solange es heterosexuellen Paaren vorbehalten sein. Homo-Paare wollten ohnehin keine rechtliche Absicherung und ihre Partnerschaft als "exklusiv private Sache" verstanden wissen, so Ruini.

Während einige Politiker in Italien daraufhin mehr Zurückhaltung der Kirche in staatlichen Regelungsdingen forderten, wies Prodi die Vorwürfe zurück, indem er die Homosexuellenfrage relativierte: "Der zivile Solidaritätspakt hat in 96 Prozent der Fälle nichts mit dem Problem der Homosexuellen zu tun. Millionen von Menschen, die seit Jahren zusammen leben, gemeinsam Kinder oder Erbschaftsprobleme mit der Wohnung haben, sind am Solidaritätspakt interessiert", sagte der frühere Ministerpräsident und Ex-Präsident der EU-Kommission. Er habe sich nicht für die Öffnung der Ehe für Homo-Paare und auch nicht für ein Adoptionsrecht für sie ausgesprochen.

20. September 2005



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43 Kommentare

#1 Stefan K.Anonym
  • 20.09.2005, 15:31h
  • Da hilft nur eins, Brüder: Konsequent und knallhart austreten! Gebt den Hasstiraden keine Chance!

    Zudem möchte ich hinzufügen, dass normalerweise ein Nachname nichts über das Verhalten einer Person bzw. über die Person aussagt. Allerdings kann man bei Herrn RUINI da wohl eine Ausnahme machen.

    Die Kirche bootet sich selbst aus der Gemeinschaft aus. Ich hätte gerne mit Katholiken ökumenisch sozial zusammengearbeitet. Schade, dass die Mehrheit der 117 Kardinäle ausgerechnet für Ratzinger entschieden haben. In zehn oder zwanzig Jahren werden sie mit Missfallen über diese Wahl denken...
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#2 AngelpowerAnonym
  • 20.09.2005, 15:42h
  • @ StefanK: Als evangelischer Christ solltest du den deinen Ratschlägen geben und nicht uns:-)! Ich kann nur sagen, dieses mittelalterliche Denken von innen bekämpfen. Wrr resigniert, gibt den Glauben auf und das haben die Millionen von Katholiken in der ganzen Welt nicht verdient. Sollte das alles so sein wie im Bericht , dann ist weiterhin wichtig die HUK und schwule Christen und Katholiken im Kampf gegen diese krankhaften Aussagen zu unterstützen. Einer Geistesstörung unterliegn wohl eher die Verfasser dieses Dokument, die absolut die Zerschlagung und Zerstörung unserer Gemeinschaft wollen !
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#3 Stefan K.Anonym
  • 20.09.2005, 15:58h
  • @Angelpower: Ich glaube nicht, dass Norbert Blech die Gemeinschaft zwischen kath. Kirche und Homos zerstören. Er hat lediglich seine Aufgabe, für Schwule/Lesben/Bisexuelle/Transsexuelle/Intersexuelle Berichte zu schreiben und die per Internet weiterzugeben, dass wir uns über die Sachlage informieren. Ich würde übrigens auch in Vereinigungen wie HuK oder LSVD gerne eintreten, allerdings bin ich z. Zt. in einer Ausbildung in einem Berufsbildungswerk (BBW), wo man vonner Arbeitsagentur grademal lächerliche 93,00 € für's Taschengeld pro Monat, Fahrtkosten für zwei Wochenendheimfahrten bzw. -hinfahrten, Ausbildungskosten, Verpflegung und so erstattet bekommt. Eintreten würde ich jedenfalls gerne. Seufz.
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#4 Mandy WhiteAnonym
  • 20.09.2005, 16:09h
  • Alle bitte durchatmen ...

    Es geht nicht um katholisch oder evangelisch. Lasst uns zusammen und in gelebter Ökumene dem entgegen treten.
    Wichtig ist es jetzt unsere Brüder und Schwestern zu stützen und zu versuchen mit gemeinsamer Stimme und Tat "Kirche von unten" auch zu praktizieren. Wir sind alles Christen und jetzt gilt es Solidarität zu zeigen. In den Bemühungen vor Ort, den vielen Gemeinden die gegen den Strom schwimmen. Theologen zu unterstützen die einen klaren Kopf behalten haben und im Sinne Jesu Glauben leben. Es gilt in den Gemeinden stärker das Thema zu bearbeiten und Menschen in den Gemeinden einen sicheren Hafen zu bieten ... denn das ist echt schwer! Es gilt sich noch stärker zu engagieren, in Praxis oder durch finanzielle Unterstützung.

    Der Weg muß in den Gemeinden beginnen und wir brauchen engagierte Menschen dort (das müssen keine homosexuellen Menschen sein). Gemeinde heißt Gemeinschaft.

    Gott befohlen!
    Mandy White

    Ökum. Initiative
    Christlich-Sicher-Geborgen.net
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#5 Norbert BlechAnonym
  • 20.09.2005, 16:11h
  • @Angelpower: Ich glaube, Stefan K. meint mit den Verfassern des Dokumentes jene des Vatikan-Dokuments und nicht mich :-)
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#6 MarkusAnonym
  • 20.09.2005, 16:12h
  • Zum grundlegenden Selbstverständnis einer demokratischen Gesellschaft gehört die Freiheit der Religion, die Freiheit, zu glauben und zu verkünden, was man will. Diese Freiheit geht so weit, daß auch Vorstellungen, die dem gesunden Menschenverstand widersprechen, die lächerlich oder geradezu absurd wirken, toleriert werden
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#7 queeryAnonym
  • 20.09.2005, 16:17h
  • Da bin ich doch mal wieder Stolz darauf , in der BRD zu leben. Denn hier werden Verbrechen, die aus HASS geschehen sind, ebenso konsequent strafrechtlich verfolgt, wie Verbrecher, die zum Mord anstiften bzw. den Holocoust leugnen....

    Allerdings muss dann manchmal ein Teil der Bevölkerung den Herren richtern auf die Sprünge helfen. Hierzu fällt mir ein richter aus Nordhausen ein, der dann eben mal diejenigen, die Ausländer verprügelt haben, zum Ableisten der Strafe ins Asylbewerberheim schickt....
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#8 andyAnonym
  • 20.09.2005, 16:19h
  • hi , es kotzt mich das an . es ist nur für mich und meinen freund , dass sich einige schwule so aktiv in der katholischen kirche angegieren und überhaupt noch in der kirche sind. das aller wichtigste ist , glaube und das volle vertrauen zu jesus als mensch und gott . papst hin und her . es ist alles quatsch. er ist nur ein mensch wie die anderen kardinäle.glaubet an jesus und lebet so wie es agustinus sagte und das ist alles , statt die zeit für irgendwelche kirche und die veklemmte , böse ,unliebe und arrogante kardinäle mit dem papst an der spitze.zu verschwenden .
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#9 Stefan K.Anonym
  • 20.09.2005, 16:24h
  • @Norbert Blech:

    Nö, ich hatte schon dich gemeint, als ich davon sprach, dass du lediglich uns über die Sachlagen bezüglich Kirche, Politik und sonstigem informieren möchtest.

    Nebenbei gesagt, was es die ganzen Beschimpfungen bzw. Kritiken anbetrifft, die se gegen die queer-Redaktion gerichtet haben, wäre ich an deiner Stelle auch sauer. Jeder hat seine verschiedene Meinung. Wäre ja langweilig, wenn alle Menschen gleich wären. Dann gäbe es keine Streitereien und so. Die Leute wären immer gleicher Meinung, Polizei und Gefängniswärter wären arbeitslos und was weiß ich nicht alles. Am schlimmsten wäre ja wohl, wenn alle wie Ratzinger wären. Dann gäbe es nur Mord und Todschlag. Alle würden sich selbst als "Heiliger Vater" bezeichnen, wobei sie's nicht sind, würden Frauen an den Herd schicken und Schwule ins Gefängnis, oder, wie man im Mittelalter sagte (wo Ratzinger hingehört) ins Verlies. Es lebe der Relativismus! Die wunderschöne bunte Vielfältigkeit!
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#10 Hardy R.Anonym
  • 20.09.2005, 16:24h
  • Wir haben früher als Kinder in der Grundschule über die Fehler der Kirche in der Vergangenheit gelacht. Hexenverbrennungen, Feldzüge, Freisprechungen durch genügend Spende und dergleichen. Das die Kirche einen von der "Natur" gezeugten Menschen als unnatürlich hinstellt ist Propaganda und hat keinen Wahrheitsgehalt. Es soll überlegt werden ob so eine fehlbare Instanz, Gott überhaut präsentieren kann oder ob sie nur ihren eigenen Hirngespinnsten hinterherläuft. Wo steht geschrieben das der Mensch, Richter sein soll? Hat Jesus nicht gesagt: " Wer richtet der wird gerichtet werden?" und "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein?" oder hat er gesagt: "Vertilgt die Menschen die mir nicht glauben und verstoßt diejenigen die anders Leben?" Soll Gott richten wenn er will aber ich persönlich glaube nicht an so einen Gott der Rache und Bestrafung.
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