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Ein 22-jähriger Schwuler, der aus dem Iran in die Türkei fliehen konnte, berichtet von Folter in seinem Heimatland. Sein Körper ist der Beweis.

Von Norbert Blech

Eine persische Homo-Organisation mit Sitz in der Türkei hat Fotos eines im Iran gefolterten Schwulen veröffentlicht. Der 22-jährige Amir konnte aus seinem Heimatland fliehen, nachdem er für Homosexualität 100 Peitschenhiebe erhalten haben soll.

Party verpfiffen

Amir, der nun in der Türkei auf Asyl hofft, berichtet in einem Interview mit dem US-Homo-Magazin "Gay City News", er sei bereits vor zwei Jahren einmal wegen seiner Homosexualität verhaftet worden. Zusammen mit 25 anderen schwulen Jugendlichen wurde er bei einer Party aufgegriffen, nachdem ein Teilnehmer die Gruppe verraten hatte. Die Polizei ging bereits bei der Verhaftung mit Schlägen und Pfefferspray auf die Jugendlichen los, beim Verhör in einem Gebäude des Innenministeriums seien die Jugendlichen misshandelt worden.

Nach einem Verhör, bei dem Amir mit zugebundenen Augen geschlagen wurde und die Auspeitschung seiner Füße mithilfe eines Kabels erdulden musste, durchsuchten die Behörden seine Wohnung, zeigten homoerotische Fotos von seinem Computer seiner Mutter und outeten ihn damit. Mit dem Material setzten sie zudem eine richterliche Verurteilung zu einer hohen Geldstrafe durch. Der Richter sagte bei der Urteilsverkündung, sollte ein Arzt im Auftrag des Gerichtes erfolgten Analverkehr bei Amir feststellen, drohe ihm die Todesstrafe.

Blind Date mit der Polizei

Als Amir ein Jahr später über einen schwulen Chat-Raum bei Yahoo ein Treffen mit einem Unbekannten vereinbart, wird er bei diesem verhaftet - die Polizei hatte die Anonymität des Internets genutzt, um Schwule aufzuspüren. Sein Chatpartner stellte sich als Polizist heraus. Im Innenministerium sei es erneut zu Folter gekommen, berichtet Amir in dem Interview.

Der damals 21-Jährige habe auf einem metallischen Stuhl sitzen müssen, der von einem Bunsenbrenner von unten erhitzt wurde. Ihm wurde Vergewaltigung im Gefängnis angedroht ebenso wie das Einführen einer Softdrinkflasche. Irgendwann gesteht Amir seine bis dahin abgestrittene Homosexualität, landet in einer Zelle mit mehreren anderen Schwulen. Einer erzählt, die Polizei habe ihn gezwungen, Kontakt zu anderen Schwulen im Internet herzustellen.

Vor Gericht wurden die Jugendlichen und jungen Männer zu einer öffentlichen Prügelstrafe verurteilt, Amir erhielt 100 Peitschenhiebe, wurde jedoch deutlich vorher bewusstlos. Als er aufwachte, war sein Körper rot: "Sie hatten mir gesagt, wenn ich geschrien hätte, hätten sie noch fester geschlagen. So habe ich so hart in meine Arme gebissen, dass ich jetzt tiefe Wunden in beiden Armen habe", erzählt Amir in dem Interview. Eine Lokalzeitung berichtete von den Verurteilungen in Shiraz und outete die jungen Männer in der ganzen Stadt.

Nach der Hängung zweier Jugendlicher im Juli in Mashad hätten die Behörden den Druck noch verschärft: Amir berichtet, Polizisten seien täglich in sein Haus gekommen und hätten ihn bedroht, ihn teilweise auf Schritt und Tritt verfolgt, einen Freund von ihm vergewaltigt, ihm Hausarrest auferlegt oder gedroht, ihn zu hängen "wie die Jungen in Mashad".

Amir glaubt nicht, dass in dem Fall, der weltweit für Entsetzen sorgte, die Jugendlichen einen Jungen vergewaltigt haben, wie ihnen vorgeworfen wurde: "Wir wissen alle, dass die Jungen schwul waren - die Vergewaltigungsvorwürfe waren erfunden (...) Wenn Du verhaftest wirst, zwingen sie dich mit Schlägen, Folter und Drohungen, Kriminelles einzugestehen, dass du nicht begangen hast", so Amir in dem Interview mit den "Gay City News". "Das passiert andauend, es ist schon meinen Freunden passiert."

Da Amir mit solchen Schikanen andauernd rechnen musste, zudem aufgrund des Outings keine Aussicht auf einen Arbeitsplatz mehr hatte, flüchtete er über die Grenze in den Iran und von dort mit Bus in die Türkei. Dort nahm sich die Persian Gay and Lesbian Organisation seinem Fall an und will für ein Bleiberecht kämpfen. Zurück in den Iran will Amir nicht: "Die werden mich dort töten". Die Schwulen im Iran seien auf Druck und Hilfe des Auslands angewiesen, der Druck des Regimes auf Schwule sei nicht auszuhalten. Ein guter Freund von ihm, Nirma, habe sich erst im letzten Jahr in Shiraz das Leben genommen.

Outrage fordert Aufwachen

Die britische Homogruppe hat nach Bekanntwerden von Amirs Geschichte ein "Aufwachen" von Homo- und Bürgerrechtlern weltweit gefordert. Der Fall der beiden in Mashad gehängten Jugendlichen habe gezeigt, dass viele eher den offiziellen Verlautbarungen des Regimes getraut hätten als protestiert. "Wo sind die Kampagnen von linksgerichteten Aktivisten im Westen, um den Friedenskampf der iranischen Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen, Frauen, Demokraten, Sozialisten und Arbeiter zu unterstützen?", fragt Outrage.

22. September 2005, 16.25h



16 Kommentare

#1 LinkerCacheAnonym
  • 22.09.2005, 17:56h
  • Solange das Öl noch kräftig sprudelt(also mindestens noch 30 Jahre) wird sich wohl an der Situation von Homosexuellen im Iran nicht viel Ändern. Selbst dann nicht, wenn Andere Staaten ihr Veto dagegen einlegen. Leider ist es ja für viele Menschen, die ausserhalb der EU von Folter und Tod bedroht sind, sehr schwer geworden, in die "Festung Europa" einzureisen. Obwohl es auch in Europa Staaten gibt, die nicht ein solch Menschenverachtendes Asylrecht wie die Bundesrepublik haben....
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#2 andyAnonym
  • 22.09.2005, 18:18h
  • hi , wozu führt das religiöse fundamentalismus ! wenn die katholische kirche mit dem papst an der spitze würde uns, schwule auch im namen jesus und im namen der liebe und fürsorge um unsere seele , töten . das war schon einmal in der geschichte-hilige inkvisition!
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#3 seb1983
  • 22.09.2005, 20:15h
  • Folter ist gegen niemanden zu dulden. egal gegen wen und wo auf der Welt! Das ist in vielen Teilen der Welt allerdings noch heute an der Tagesordung....

    zum thema Öl: das bekommen wir nur zu einem Bruchteil aus dem Iran sondern zum Großteil aus der Nordsee sowie Russland.

    Adoptionsrecht: KEIN Land der Welt außer der BRD hat ein im Grundgesetz verankertes Asylrecht! ( was man nicht denkt: auf die Einwohner gerechnet liegt sogar die Schweiz hier weit vorne)

    Und für Scheiterhaufen und Verfolgung steht ja wohl keine große Weltreligion, egal ob Christentum oder Islam! Für die Auslegung im "Gottesstaat" sind die Mullas verantwortlich
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#4 StefanAnonym
  • 23.09.2005, 07:23h
  • Ich finde sowas grausam. Kann man sich eigentlich garnicht mehr vorstellen das es auf der Welt noch solche Orte gibt in denen sowas an der Tagesordnung ist.
    Es ist schwierig hier jemandem die Schuld zuzuweisen. Zum Einen liegt hier die Schuld wiedermal im Glauben tief verwurzelt, wie in anderen Religionen auch. Zum Anderen haben die Iraner ihr Wahlrecht genutzt und man hat gesehen was dabei rausgekommen ist. Ich kann nur allen Schwulen dort empfehlen dieses Land zu verlassen und versuchen nach Europa zu kommen. Denn ändern wird sich da warscheinlich nichts. Es traut sich ja auch keiner was zu sagen, würden wir in diesem Land auch nicht. Das wäre meine Meinung dazu.
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#5 Uli aus NRWAnonym
  • 23.09.2005, 07:47h
  • Ich ja nicht für das Einmarschieren wegen des Öl´s,
    Aber hiergegen wäre ich es !!!!
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#6 LinkerCacheAnonym
  • 23.09.2005, 12:40h
  • @Uli: Ein Einmarsch von Truppen in ein solches Land ist der Falsche Weg, um etwas zu verändern.

    Das sollte dir aber klar sein, wenn du regelmässig die Nachrichten über den Irak verfolgst.

    Zwar haben die Informationen über den Irak im Fehrnsehen stark nachgelassen, allerdings empfehle ich hierzu, den vom ZDF untersützten Sender "ALJAZEERA" auf zu suchen. Im Internet unter www.aljazeera.com

    Englischkenntnisse vorrausgesetzt
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#7 yibahAnonym
  • 23.09.2005, 14:00h
  • Wenn das, und ähnliche Verbrechen, ein Grund sind in Länder einzumarschieren, dann kämen wir aus den Marschieren nicht mehr heraus. Aber das hatten wir doch schon - wenn auch für böse Ziele.

    In der Zeitung BOX stand ja ein Interview mit einem Iraner drin, der sagt klar, dass die Menschen mehrheitlich gegen das Regime sind, aber auch gegen einen "Befreiungskrieg".

    Und schaut man in den Irak, kann man ihm nur Recht geben.

    Wegen Fundamentalismus: Das kann man in allen Religionen haben, der Papst wirft ja gerade die Schwulen als Kinderschänder aus der Kirche. Wenn die noch könnten, wie sie wollten, dann würden auch wieder die Scheiterhaufen brennen.
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#8 antosAnonym
  • 23.09.2005, 18:26h
  • @ LinkerCache: Verrat doch bitte mal, was die iranische Ölwirtschaft so direkt mit der Situation der Schwulen und Lesben im Land zu tun hat?

    @seb1983: So sehe ich das auch: Für die Auslegung des Islam sind die Mullahs verantwortlich, und zwar genau genommen diejenigen, die eine autoritär-islamistische Linie verfolgen. Daneben gibt es schiitische Geistliche bis hin zu Ajatollahs, die für eine tolerantere Auslegung von Koran und Sunna eintreten und sich sogar für eine laizistisch angelegte Republik Iran ausprechen (was nach der iranischen Verfassung allerdings unmöglich ist). Die werden dann von der herrschenden Clique unter lebenslangen Hausarrest gesetzt oder sonstwie mundtot gemacht.

    Mit dem gut vorbereiteten 'Wahlsieg' (es war keine 'Wahl', es war eine Farce) des linientreuen Simpels Ahmadi'Nejad hat die autoritär-islamistische Machtclique rund um Führer Chamenei die passende Marionette, um die Innenpolitik wieder wie zu Irak/Iran-Kriegszeiten auf Hardcore-Kurs zu bringen, sich außenpolitisch schon mal mit markigen Worten (Ahmadi'Nejads UN-Rede – eine einzige „aggressiv-monotheistische“ Unverschämtheit!) als größte Regionalmacht zu profilieren und erneut von einem Export der 'islamischen Revolution' zu träumen. Dabei war diese iranische Revolution gegen den Shah zu Beginn ein verzweifelt-freiheitlicher Aufstand für Demokratie und Liberalität – erst im Verlauf der Kämpfe haben die islamistischen Gegenrevolutionäre die Macht an sich gerissen und schließlich TAUSENDE von freiheitlich Gesinnten verhaftet, gefoltert und ermordet. - Die Geschichte der iranischen Revolution ist – gerade wegen ihrer Tragik – äußerst lesens- und lernenswert.

    Das Marionettenhafte des neuen Präseidenten Ahmadi'Nejad jedenfalls wird auch von iranischen Bloggern regelmäßig vermerkt – ein Mensch aus einfachsten Verhältnissen halt, der während seiner Amtszeit als Tehraner Bürgermeister (gewählt von fast keinem, die Tehraner hatten die Wahl mehrheitlich verweigert) nichts besseres zu tun hatte, als die Apartheid von Männern und Frauen in der Öffentlichkeit wieder voranzutreiben und sich für Märtyrerdenkmäler auf allen Plätzen der Stadt einzusetzen. Das war dann sogar dem rechten Klerus zu doof. Und genau diese Marionette Ahmadi'Nejad sorgt jetzt als verlängerter Arm des Führers Chamenei dafür, dass sich das öffentliche Klima wieder verschärft, dass die Menschen wieder weiter gegeneinander aufgehetzt werden und die jugendlichen Schläger der Basij (paramilitärische Revolutions- und Sittenwächter, die schon mal in Studentenheime eindringen und alles blutig hauen). Einen Eindruck dieses sich verändernden Klimas gibt ein offener Brief, den einige iranische Studentinnen vor wenigen Wochen an deutsche Politiker und Medien gemailt haben. Nur die EMMA hat ihn schließlich abgedruckt:

    www.emma.de/05_5_hilferuf_iran.html

    @LinkerCache: Natürlich ist ein Truppeneinmarsch kein Weg zur Demokratisierung Irans und natürlich (@yibah) plädieren nur wenige Iraner für einen 'Befreiungskrieg' (in der Tat gibt es allerdings auch welche, die dafür plädieren). Krieg ist das eine, aber es gibt doch auch andere Druckmittel. Ich finde die Vorschläge aus dem Brief der iranischen Studentinnen jedenfalls ok: Europäische Presse mobilisieren, den Blick für die iranische Dikatur bei allen relevanten Gruppen schärfen, wirtschaftliche Verhandlungen an Menschenrechtsforderungen koppeln usw.

    Eben erst mal Öffentlichkeit schaffen! Wie Outrage zu Recht fragt: „Wo sind die Kampagnen von linksgerichteten Aktivisten im Westen, um den Friedenskampf der iranischen Schwulen und Lesben, Bisexuellen und Transexuellen, Frauen, Demokraten, Sozialisten und Arbeiter zu unterstützen?“

    PS: Ein denkwürdiges Treffen mit einem schwulen Iraner kann man in diesem Blog lesen:

    iran-votes-2005.blogspot.com/
    [engl.; Eintrag von Freitag, 16. September]
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#9 Stefan K.Anonym
  • 23.09.2005, 18:30h
  • Im Bezug auf Fundamentalismus kann ich lautstark Wladimir Illietsch Lenin zitieren: "Religionen sind Volksverdummung." Das ist für mich eine klare und realistische Aussage.
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#10 LinkercacheAnonym
  • 23.09.2005, 18:49h
  • @StefanK.: sehr gutes zitat, passt echt gut.

    @antos: warum das was miteinander zu tun hat? denk doch mal nach.. solange diese staaten den weltweiten ölpreis bestimmen(schonmal was von OPEC gehört?) wird sich an der situation nichts ändern. zumindest hat das eine mit dem anderen was zu tun. wenn du nämlich als käufer den preis drücken könntest, hätten diese staaten nicht mehr das geld, um ihre totalitären systeme am leben zu halten. womit wir auch bei dem thema krieg wären: dann gäbe es warscheinlich eine revulotion durch das volk selber...
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