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  • 23. September 2005, noch kein Kommentar

Didi Zill, einst Fotograf bei der "Bravo", öffnete erneut sein Archiv: Heraus kam der neue Bildband über Pop-Legende Neil Diamond.

Von Jan Gebauer

"Bravo"-Fotograf Didi Zill (Boy George, Depeche Mode) hatte Anfang der siebziger Jahre die Gelegenheit zu zahlreichen Shootings mit Neil Diamond – sowohl auf Konzerten und Tourneen als auch im Studio und sogar bei einer ausführlichen Homestory. Neil Diamond gehörte in dieser Zeit zu den größten Pop-Stars der Welt und stand auf dem Höhepunkt seiner Karriere. In den USA hatte er zwischen 1966 und 1971 bereits über 20 Hits in den Charts platziert, darunter der Nummer-eins-Hits "Cracklin’ Rosie" (1970), der auch in Deutschland sein Durchbruch bedeutete. Hits wie "Solitary Man", "Cherry, Cherry" (1966), "Kentucky Woman" (1967), "Red Red Wine" (1968), "Sweet Caroline", "Holly Holy" (1969) und "I Am...I Said" (1971) gingen entweder in seinen Versionen oder in den unzähligen Cover-Fassungen um die Welt. So ist zum Beispiel auch der Evergreen "I’m A Believer" von den Monkees eine Neil-Diamond-Komposition. Selbst das deutsche Jugendmagazin "Bravo" riss sich um den 1941 in Brooklyn geborenen Amerikaner. Zill traf Diamond erstmals 1971 – das erste Fotoshooting fand in München statt. Des weiteren begleitete er ihn auch bei seinen Deutschland-Tourneen 71 und 72, begleitete ihn aber auch bei Auftritten in den USA.

In seinem Bildband "Neil Diamond – Photos 1971-1974" verarbeitete Zill erstklassige Aufnahmen des Superstars – zum großen Teil unveröffentlichte Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos. Mal zeigt sich Diamond als lässiger, cooler Typ auf einem thronartigen Stuhl, dann wieder gibt er den großen Poser auf der Bühne oder strahlt in Großaufnahmen Verwundbarkeit jenseits des Starrummels aus. Ob als Träumer oder großer Songpoet – Zill gelingt es stets neben der Weltstar-Aura oder auch den Mann hinter der Fassade einzufangen. Das gelingt ihm besonders, wenn Zill Diamond außerhalb des Show-Zirkuses ablichtet. So lud die Showgröße den Fotografen auch zu sich nach Hause ein: Bei der Besichtigung des riesigen Anwesens öffnete er für ihn auch den Kleiderschrank, zeigte ihm stolz seine Hemdensammlung (150 Stück!) und führte ihn sogar in die Kellerräume hinab, die sonst nur der Künstler selbst betreten durfte: Hier bewahrte er seine Instrumente auf, komponierte tagelang und kam oftmals nur zum Essen heraus.

Studios-Sessions fanden aufgrund der vielen Live-Auftritte – Neil Diamond ist auch heute noch eine Attraktion auf diesem Gebiet – nur selten und oft unter Zeitdruck statt. Um den nachdenklichen und etwas schüchternen Sänger davor etwas zu lockern, spielte Zill mit ihm oft eine Partie Fußball. So entstand ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Sänger und Fotograf, das sich auch in den Bildern widerspiegelt. Neil Diamond zeigt sich oft gelöst und fröhlich wie selten. Ein sehr persönlicher Bildband über einen einmaligen Musiker, der spätestens 1978 auch bei Schwulen unsterblich wurde, als er mit keiner Geringeren als Barbra Streisand "You Don’t Bring Me Flowers" sang und zum letzten Mal auf Platz eins der US-Charts landete.

Didi Zill: Neil Diamond – Photos 1971-1974, 160 S., ISBN 3896026488
Schwarzkopf & Schwarzkopf, 39,90 Euro


23. September 2005