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  • 23. September 2005, noch kein Kommentar

Ann Hampton Callaway wurde als Sängerin des Titelsongs der Sitcom "Die Nanny" berühmt. Wir stellen die starke Jazz-Sängerin und ihre CDs vor.

Von Jan Gebauer

"The Nanny Named Fran" - der Titelsong zu der Sitcom "Die Nanny" mit Fran Drescher machte Ann Hampton Callaway (46) Mitte der 90er Jahre schlagartig bekannt. Das von ihr selbst geschriebene Lied war ebenso quirlig und temperamentvoll wie die Hauptfigur in der Serie. Während Callaway in den USA eine respektable Jazz-, Musical- und Entertainment-Karriere aufbauen konnte, blieb sie in Deutschland weitgehend unbekannt. RTL ging sogar soweit, den Song auf Deutsch zu übersetzen und von einer anderen Sängerin interpretieren zu lassen – bei Wiederholungen der Sitcom entschied man sich aber wieder für das englische Original. In ihrer Heimat arbeitete Callaway mit vielen Größen der Showbranche zusammen. So nahm Barbra Streisand einige Songs von Callaway auf, die die Schwulenikone sogar auf ihrer Hochzeit mit James Brolin zum Besten gab ("I've Dreamed Of You"). 2000 gewann Callaway einen Tony Award (der amerikanische Theater-Oscar) als beste Schauspielerin für das Musical "Swing!". Aber auch auf CD ist sie regelmäßig in der Musikszene vertreten: Ihre letzten Alben waren bislang nur schwer in Deutschland zu bekommen – oft musste man horrende Import-Preise bezahlen.

Nun erschienen hierzulande erstmals zwei hochkarätige Werke aus den 90er Jahren: Bei "To Ella With Love" (1996) handelt es sich um ein Tribut an die Jazz-Legende Ella Fitzgerald, während "Easy Living" (1999) ein ungewöhnliches Live-Album ist. Zwar nicht vor Publikum aufgenommen, dafür aber ohne großen technischen Aufwand und die üblichen Studio-Bearbeitungen in einem Take eingespielt, klingt die Sängerin spontan und erfrischend direkt. Bis auf eine Original-Komposition von Callaway ("Come Take My Hand") sind die Stücke auf "Easy Living" bekannte Standards von Legenden wie Cole Porter ("Easy To Love", "All Of You"), Thelonious Monk ("'Round Midnight"), Johnny Mercer und Harold Arlen ("Come Rain Or Come Shine") oder George und Ira Gershwin ("Nice Work If You Can Get It"). Entgegen dem üblichen Trend im Studio nochmal alles glatt zu bügeln, klingen die "Easy-Living"-Aufnahmen homogen und manchmal "unperfekt". Doch gerade das macht den Reiz des Werkes aus. Als Gastmusiker verpflichtete Callaway übrigens Wynton Marsalis, dem vielleicht einflussreichsten Jazz-Trompeter der letzten 25 Jahre.

Marsalis ist auch auf dem Fitzgerald-Tribut "To Ella With Love" zu hören. Das 1999 erschienene Album versammelt mehr oder weniger bekannte Evergreens der Jazz-Ikone wie "Oh, Lady Be Good!", "Body And Soul", "Embraceable You", "A Fine Romance" oder "But Not For Me". Dabei kommt Callaways Liebe zu George und Ira Gershwins Kompositionen zum Tragen, denn gleich drei Titel stammen von dem unsterblichen Duo. Zur Freude der queer.de-Musikredaktion interpretiert die Callaway wie schon in der Vergangenheit galant einen Cole-Porter-Song: "Ev'ry Time We Say Goodbye". Ebenso gelungen und hörenswert ist ihre Interpretation von "How High The Moon", einem der bekanntesten Titel von Ella Fitzgerald. Hier zieht die Callaway alle Register ihres vokalen Könnens. Dabei kann sich die Sängerin stets auf ihre kongeniale Band verlassen. Die Orchester-Einspielungen wurden übrigens erstaunlicherweise im estnischen Rundfunk-Haus in Tallinn vorgenommen. Wenn das nicht originell ist!

Fazit: In den USA eine Nachtclub- und Musical-Größe, ist es langsam Zeit, dass man Ann Hampton Callaway auch in Deutschland etwas mehr Aufmerksamkeit schenkt. Die vorliegenden Alben sind jedenfalls reich an guter Musik.

Anspieltipps "Easy Living": "Blusette", "All Of You", "Skylark"
Anspieltipps "To Ella With Love": "How High The Moon", "Let's Fall In Love", "I'm Beginning To See The Light"

23. September 2005