Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?3513

Eine Hetero- Homo-Dreierbeziehung auf Russisch. Die witzig inszenierte Story zeigt das verrückte Liebesleben moderner Moskauer.

Von Christian Scheuß

Das Moskau von heute ist ein anderes, als wir es im Kopf haben. Kein dauerdepressiver Moloch mit grauen Hausfassaden, Plattenbauten und darin lauter verhärmte verarmte Menschen. Das neue Moskau ist eine Metropole, in der die gleichen Regeln gelten, wie in Paris, London oder Berlin. Alle wollen das schnelle Geld, besonders die jüngeren. Sie wollen sich Dinge leisten können, glücklich sein, eine gewisse Position erreichen. Sie arbeiten lange, gehen zum Fitness-Training, speisen in Restaurants, genießen Sex, Drugs & Rock'n'Roll. Genau in diese neue Mittelschicht führt uns "You I Love", der erste Spielfilm des Regisseur- Produzenten- und Autorenduos Olga Stolpovskaya und Dmitry Troitsky. Zugleich ist es der erste Kinostreifen Russlands, der offen und unbefangen Homosexualität darstellt.

Aber zunächst beginnt es sehr heterosexuell. Vera ist eine gut aussehende TV-Nachrichtenmoderatorin. Timofei ist ein kreativer Gestalter für Anzeigenkampagnen. Als sich beide kennen lernen, funkt es schnell zwischen Ihnen. Sie verlieben sich und der Sex erweist sich nicht nur als sportlich, sondern auch als sehr vitaminreich. Denn Vera steht auf Obst beim Liebesspiel. Alles könnte so lustvoll weitergehen, wenn nicht plötzlich ein junger Mann des Nachts auf der Motorhaube von Timofeis Auto landet. Ein Unfall, der für den Mongolen Uloomji glimpflich abgeht. Der junge Mann, der aus seinem Heimatdorf nach Moskau gereist ist, um dort seinen Wunschtraum Artist zu werden, wahrzumachen, wacht in Timofeis Wohnung aus seiner Ohnmacht auf. Und verliebt sich auf der Stelle in den großen blonden Lebensretter.

Nicht nur die Bisexualität, die Timofei an sich entdeckt, irritiert ihn. Auch Uloomjis Leichtigkeit und unverblümte, einfache Sicht der Dinge beeindruckt den beherrschten und kontrollierten Mann. Zunächst geschockt reagiert Vera, als sie merkt, was zwischen den beiden abläuft. Doch als sie merkt, das sie nichts zu verlieren hat, wenn sie sich auf die neue Konstellation einlässt, spielt sie mit. Mit der Dreierkonstellation sind alle zufrieden.

"You I Love" hat ein halbes Happy End. Aus der flott und stilsicher erzählten Komödie wird zum Ende ein Melodram. Wie es endet, sei hier noch nicht verraten. Nur soviel: Als Uloomjis Verwandtschaft aus der Mongolei anreist, prallen Tradition und Moderne heftig aufeinander. Und Homosexualität darf es in den Augen der Familie schon gar nicht geben.

Das Regisseur- Produzenten- und Autorenduo Olga Stolpovskaya und Dmitry Troitsky hat bei der Vorbereitung seines ersten Spielfilms deutlich zu spüren bekommen, welch heißes Eisen sie da trotz aller zunehmenden Toleranz in Russland angefasst haben. Geldgeber waren skeptisch bis ablehnend und Schauspieler zu finden, die einen Bi- beziehungsweise Homosexuellen spielen sollten, das war Sisyphusarbeit. "Tatsächlich ist unser Film so etwas wie eine kleine Revolution für das russische Kino," betonen die Beiden. Sowohl auf der Berlinale 2004, bei diversen Filmfestivals in den USA und Kanada, beim Verzaubert-Filmfestival im vergangenen Jahr, wie auch zuletzt in Turin sorgte "You I Love" für durchweg positive Reaktionen beim Publikum. Und das eben nicht nur wegen der beiden knackigen Darsteller.

"You I Love", Russland 2004, 83 Min., russische OF m. dt. UT, im Verleih von Pro-Fun Media, Kinostart: 29. September

29.09.2005



#1 LinkercacheAnonym
  • 29.09.2005, 15:03h
  • Naja, gabs schon mal vor ein paar jährchen... In Form des Amerikanischen Films Einsam, Zweisam, Dreisam
  • Antworten » | Direktlink »
#2 madridEUAnonym
  • 29.09.2005, 16:47h
  • Doch, in Russland muss dieser Film eine kleine "Revolution" sein. Auch wer in Moskau war, weiss um die Alltagssorgen der Bürger und das Interesse an Dingen, wo Homo- oder Bisexualität gar nicht vorkommt.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 SaschaAnonym
  • 30.09.2005, 01:03h
  • Dieser Streifen ist ja unglaublich progressiv, aber scheinbar nicht progressiv genug, um von einer homosexuellen Beziehung ohne Beteiligung einer Frau (das wäre wohl eher der "Normalfall") zu erzählen... Na ja, so werden einmal wieder gängige Klischees bedient (In den meisten Filmen über Schwule müssen diese ja fast immer bei irgendeiner Tussi schwach werden...).

    Vielleicht hätten sich die Macher des Filmes mal eine aktuelle sozialpsychologische Studie zum Thema Bisexualität angesehen. Aus ihr geht überraschend deutlich hervor, dass Männer, die sich als bisexuell bezeichnen (und auch so leben) in Wahrheit immer nur von einem der beiden Geschlechter körperlich messbar erregt werden. Und welche Überraschung: in der überragenden Zahl der untersuchten Fälle war dies das männliche Geschlecht. Fazit der Forscher in meinen eigenen, etwas schärfer gefassten Worten: Bisexualität ist keine eigene sexuelle Orientierung (wie Homo- und Heterosexualität, die nach allem, was wir wissen, zu einem großen Teil genetisch bestimmt sind), sondern vielmehr das Ergebnis der Manipulation und Unterdrückung Homosexueller in einer nach wie vor heterozentrischen und homophoben Gesellschaft...

    Na ja, aber natürlich ist "Bisexualität" immer noch viel "besser" und akzeptabler für kommerzielle Streifen, als über selbstbewusste Homosexuelle zu sprechen, die nicht auch noch Röcken hinterherschauen müssen, um sich als Mann zu fühlen!!!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 madridEUAnonym
  • 30.09.2005, 09:58h
  • @Sascha: Trotzdem halte ich den Streifen für russische Verhältnisse schon mal für einen Anfang,denn einen Almodóvar würde die Öffentlichkeit dort nun wirklich noch nicht verkraften. Deine Analyse zur Bisexualität halte ich übrigens für ausgezeichnet, weil ich sie voll und ganz unterstütze. Aber sicher gibt es auch hier wieder Gegenstimmen. Wir werden sehen....
  • Antworten » | Direktlink »
#5 SaschaAnonym