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1000 Bücher, die die Welt beweg(t)en – viele davon wurden von Schwulen geschrieben. Wir stellen "Das Buch der 1000 Bücher" vor.

Von Jan Gebauer

Platon war es, Oscar Wilde erst Recht, bei Shakespeare wird es vermutet und bei Truman Capote sprang es einem förmlich ins Gesicht. Sie alle haben "es" gemeinsam – sie waren schwul. Noch viel entscheidender ist aber die Tatsache, dass die genannten Herren in ihrer Zeit zu den herausragendendsten Literaten zählten und auch heute noch Weltruhm genießen. "Das Buch der 1000 Bücher" ist natürlich keine Sammlung von schwulen Literaten der Menschheitsgeschichte, sondern eine auf den ersten Blick sehr gewagte Zusammenstellung von "1000 Büchern, die die Welt bewegten", wie es so schön auf der Rückseite des Umschlags heißt. Berücksichtigt wurden nicht nur Romane, sondern auch bedeutende Novellen, eigenständige Lyriksammlungen und Kinderbuchklassiker, populäre Sachbücher, Reiseberichte und bedeutende Monografien. Selbst die großen "anonymen" Werke der Kulturgeschichte wie die "Bibel", der "Koran", das "Nibelungenlied" oder das "Gilgamesch-Epos" werden in der Enzyklopädie behandelt. Dass Schwule in der Geschichte der Literatur ihre unübersehbaren Spuren hinterlassen haben, steht außer Frage und so wird ihnen auch in dem "Buch der 1000 Bücher" gebührend Platz eingeräumt.

Das Hauptkriterium für den Herausgeber Prof. Dr. Joachim Kaiser war allerdings nicht etwa die Bedeutung des Autors, sondern die Geschichte und Wirkung des einzelnen Werks. Das "Buch der 1000 Bücher" enthält somit 1000 Werke, die die Welt bewegten und selbst zur Geschichte geworden sind. So sind unbestreitbare Klassiker wie Goethes "Faust" oder "Buddenbrooks" von Thomas Mann ebenso enthalten wie eher triviale Werke, wie die immens erfolgreichen "Harry-Potter"-Wälzer von Joanne K. Rowling oder "Vom Winde verweht" von Margret Mitchell. Genau wegen diesem großen Spagat wurde das Buch seit seinem Erscheinen 2002 immer wieder kritisiert. Die überarbeitete, 2. Auflage der Sammlung lebt aber gerade von dieser Diskrepanz. Die abenteuerliche Mischung (sortiert nach Autoren) bietet ein spannendes, verblüffendes und sehr lehrreiches Lesevergnüngen, dem man sich kaum entziehen kann. Einmal drin geblättert, liest man sich für Stunden fest – und entdeckt dabei viele erstaunliche Details über Werke, die man sonst vielleicht in seinem ganzen Leben nie kennen gelernt hätte. Besonders gelungen ist die Aufteilung zu jedem Buch in die Bereiche Hintergrund, Inhalt, Aufbau und Wirkung. Kurze Biografien der Autoren und zahllose Bilder und Cover-Scans runden den Gesamteindruck einer jederzeit faszinierenden Sammlung ab.

Prof. Dr. Joachim Kaiser: Das Buch der 1000 Bücher, 1250 S., ISBN 3411761156
Harenberg, 50,00 Euro


30. September 2005