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Der wahrscheinlich nächste Ministerpräsident will "Infektionen" mit Homosexualität stoppen.

Von Norbert Blech

Der wahrscheinlich nächste Regierungschef Polens, Kazimierz Marcinkiewicz, hat in einem Interview Homosexualität abgelehnt. Marcinkiewicz geht als Kandidat der nationalkonserrvativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) für den Posten in die Koalitionsverhandlungen mit der liberalkonservativen Bürgerplattform (PO), nachdem der PiS-Vorsitzende Jaroslaw Kaczynski am letzten Dienstag überraschend auf das Amt verzichtet hatte. Sein Zwillingsbruder Lech, der homophobe Burgermeister von Warschau, kämpft am Sonntag um das Amt des Präsidenten. Die PiS kam bei der Wahl vor einer Woche auf 27 Prozent der Stimmen und 155 Sitze, die PO auf 24 Prozent und 133 Sitze. Damit verfügen beide Parteien über eine klare Mehrheit im 460 Sitze zählenden Sejm.

Staat sollte Familie schützen

Der polnischen Ausgabe des Magazins "Newsweek" sagte Marcinkiewicz am Wochenende, die "Propagierung der Homosexualität" sei ein Verstoß gegen die Freiheit anderer. Homosexualität sei "unnatürlich". "Familie ist natürlich und der Staat sollte die Familie schützen".

In dem Interview sagte der Wirtschaftsexperte über Homosexuelle weiter: "Wenn eine solche Person versucht, andere mit seiner Homosexualität zu infizieren, dann hat der Staat bei diesem Versuch des Missbrauchs der Freiheit zu intervenieren". Er wolle Menschen nach ihrem Handeln beurteilen und nicht nach ihrer sexuellen Orientierung, aber Paraden oder Kampagnen von schwul-lesbischen Gruppen werde er nicht dulden.

CSDs unter Polizeischutz

Zuvor waren bereits die Kaczynski-Brüder aufgrund ihrer Haltung zur Homosexualität bekannt geworden. Während Jaroslaw selbst homophile Neigungen unterstellt wurden, kämpfte sein Bruder Lech lautstark gegen Homosexuelle an. Im Wahlkampf nutzte er Bilder vom CSD für seine Zwecke: "Statt den provokativen Paraden der Homosexuellen wollen wir Hilfen des Staates für polnische Familien", lautete der Slogan in einem TV-Spot. Als Bürgermeister von Warschau verbot er zweimal den CSD, um die "Propagierung homosexueller Orientierung" zu unterbinden - eine rechtsextreme Gegendemonstration erlaubte er jedoch.

Der CSD in Warschau fand trotzdem statt - auch deutsche Politiker beteiligten sich daran. Rund 300 Gegendemonstranten trafen auf die gut 2.500 Teilnehmer - und zahlreiche Eier. Auch in Krakau hatte es im April Eierwürfe auf Demonstranten gegeben. Rund 80 Schwule und Lesben demonstrierten damals "spontan", nachdem die geplante Parade nach Gewaltandrohungen und Papsttot zunächst abgesagt worden war. Im Jahr zuvor hatte es in Krakau regelrechte Randale gegeben: 300 Gegendemonstranten bewarfen rund 1200 Schwule mit Eiern und Steinen.

Koalitionsgespräche gehen weiter

Ein Klima, an dem die neuen Regierunsparteien offenbar nichts ändern wollen. Die Koalitionsgespräche sollen nach mehrtägigem Stillstand noch an diesem Dienstag fortgesetzt werden. Marcinkiewicz kündigte im polnischen Rundfunk an, er habe mit seinem künftigen Stellvertreter Jan Rokita von der PO vereinbart, das Programm der gemeinsamen Regierung zu erörtern. Marcinkiewicz zeigte sich zuversichtlich, dass die Regierungsbildung bis "Ende Oktober" zustande kommt. Die Bildung einer Koalitionsregierung von PiS und PO wird durch die Präsidentenwahl am kommenden Sonntag kompliziert. Der PO-Vorsitzende Donald Tusk und Lech Kaczynski, der Zwillingsbruder des PiS- Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski, sind Umfragen zufolge die aussichtsreichsten Kandidaten.

4. Oktober 2005, 16.45h



28 Kommentare

#1 Stefan K.Anonym
  • 04.10.2005, 16:51h
  • Ich weiß nicht mehr, was ich dazu noch sagen soll. Wenn's nach der Jugend in Polen ginge, dann würde Kaczynski nicht ins Amt kommen, da bin ich mir sicher. Wenn der sich weigert, was FÜR Homosexuelle zu unternehmen, dann kriegt der Ärger mit der EU, das ist schon mal sicher. Fragt sich nur, wie lang?
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#2 wolfAnonym
  • 04.10.2005, 16:52h
  • sofort und kommentarlos, raus aus der eu !!!!
    wer solche politischen kräfte gewähren lässt, kann nicht eu-fähig sein .
    vor allem, wir sind kein schulschiff für politisch behinderte, schon garnicht auf unsere kosten !
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#3 ManuAnonym
  • 04.10.2005, 17:21h
  • typisch Polen...

    Bloß gut das es noch andere Staaten im ehem. Ostblock gibt die weiter sind. In Slowenien gilt die Homo-Ehe z.B. bereits und Tschechien plant sie ab Januar 2006.
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#4 madridEUAnonym
  • 04.10.2005, 17:57h
  • Polen steht nun mal mit seiner aus der kommunistischen Ära gefestigten katholischen Protest-Identität dem Vatikan näher als einer liberalen Gesellschaftspolitik. Auch nach jahrzehntelanger EU-Mitgliedschaft haben sich z.B. erzkatholische Staaten wie Irland und Italien auch noch nicht so stark gemausert. Was wollen wir denn machen, wenn die Bevölkerung nicht die fortschrittlichen Parteien wählt,die für schwule Rechte eintritt ? Besonders in Polen ist mir aufgefallen, wie verklemmt besonders Ältere auf Homosexualität reagieren. Da überlassen wir die Aufklärung besser den Polen selbst, wozu wir nur solidarischen Beistand leisten können. Es wird schon werden.......
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#5 knausAnonym
  • 04.10.2005, 19:53h
  • Na, dann wartet mal ab was los ist, wenn erst mal die Türkei in die EU aufgenommen wird. Dann werden die erzkonservativen Christen und Muslime uns Schwulen schon noch zeigen wo's langgeht. Mir ist die (Wieder-) Auferstehung und Erstarkung der Fundamentalisten in den Glaubensgemeinschaften nicht geheuer.
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#6 SKYAnonym
  • 04.10.2005, 19:57h
  • Was wollen die bitte in der EU??
    Warum haben wir so welche überhaupt aufgenommen?
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#7 ÜwchenAnonym
  • 04.10.2005, 20:15h
  • Was hat das mit der Türkei zu tun? Wie oft liest du negative Nachrichten aus der Türkei? Wieso sucht ein Homosexueller Iraner politisches Asyl in der Türkei wenn das Land doch so schlimm ist? Vorallem wieso bekommt er politisches Asyl wenn die Türkei so massiv gegen Homosexualität ist? Erst denken und dann schreiben. Verglichen mit Polen leben die Schwulen in der Türkei wie im Himmel auf Erden
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#8 bäume-freundAnonym
  • 04.10.2005, 21:03h
  • Die Lehre des Islam gibt zur Frage der Homosexualität keine Auskunft. Im Koran wird dieser "Tatbestand" nicht erwähnt.

    Trotzdem wäre ich vorsichtig und würde allerhöchstens behaupten, dass der Islam Homosexualität "duldet", nicht aber ausreichend schützt.
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#9 LinkerCacheAnonym
  • 04.10.2005, 22:34h
  • Also, um es gleich einmal vorweg zu nehmen: In der Türkei war homosexualität nie verboten. Im Osmanischen Reich, das auf diesem Teritorium vor der Gründung der Türkei bestand hatte, war es üblich, das es Homosexuellen Kontakt gab. Und heute ist es auch nicht viel anders, lief neulich auch ein sehr interessanter Themenabend auf ARTE.

    So, nun zum Thema Polen: diese extreme schwulenfeindlichkeit hat doch definitiv ihren Ursprung in der nach 1990 sehr stark gewordenen Ortodoxen Kirche. In einem Land, in dem in manchen Regionen 65% der Bevölkerung Arbeitslos und damit auch ARM sind, hat die Kirche schon seit je her einen großen Einfluss. dies Beweist uns auch Palästina: Woher kommen denn wohl die ganzen "Selbstmord"- Attentäter?? Wenn eine Jugend keine Zukunft sieht, lässt sie sich leichter von Scharlatanen beeinflussen, ob diese nun Religiöse Fanatiker sind oder Politisch gesehn Nazis. War in Deutschland vor 1933 auch nicht anders...
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#10 senzazuccheroAnonym
  • 05.10.2005, 00:16h
  • @wolf: raus aus der eu ist gut. im gegenteil stehen dank 24 geschäfts-und nato-geiler länder die nächsten homophoben vor der tür und niemand ist österreich beigestanden bei deren protest. wohl eher im gegenteil.
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