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Erstmals ist die Vermutung, es würden sich wieder mehr Schwule anstecken, durch die Falllzahlen deutlich belegt.

Von Norbert Blech

Seit Jahren haben bundesweite Experten wie auch Mitarbeiter der örtlichen Aids-Hilfen gemutmaßt, es würden sich wieder mehr Menschen mit HIV anstecken. Doch die Zahl der neu gemeldeten HIV-Infektionen in Deutschland blieb die letzten Jahre über so gut wie konstant. Nun kann das Robert-Koch-Institut erstmals eine deutliche Steigerung der Neuinfektionen bei schwulen Männern melden.

550 neuinfizierte Schwule pro Halbjahr

Die letzten Jahre über gab es pro Jahr immer um die 2.000 Neuinfektionen - leicht unter 50 Prozent davon durch ungeschützten Geschlechtsverkehr zwischen Männern. Aufgrund der Zahlen des ersten Halbjahres 2005 wagt das rki nun die Prognose, dass die Neuinfektionen in 2005 insgesamt um 20 Prozent steigen, bei schwulen Männern sogar deutlich mehr. Innerhalb von vier Jahren habe es bei ihnen gar eine Steigerung von 80 Prozent gegeben - von rund 300 Neuinfektionen pro Halbjahr auf 550.

Zwar gibt es kleinere Ursachen für den allgemeinen Anstieg der Infektionen, etwa einen kürzeren Zeitraum zwischen Infektion und Diagnose oder sich Jahr für Jahr ändernde Auswertungsmethoden seitens des rki, ein Trend ist aber deutlich erkennbar: Schwule Männer stecken sich vermehrt an. Der Anteil des homosexuellen Geschlechtsverkehrs an den Gesamtinfektionen stieg von rund 38 Prozent auf rund 49 Prozent in 2005.

Die Zahlen zeigen, "dass die Zahl der Erstdiagnosen bei MSM (Sex zwischen Männern) in allen Altersgruppen deutlich ansteigt. Dabei nimmt in den letzten 12 Monaten im Vergleich mit den Vorjahren der Anteil der 25- bis 29-Jährigen sowie der 40- bis 49-Jährigen zu Lasten des Anteils der 30- bis 39-Jährigen leicht zu."

Besonders Schwule in Großstädten sind betroffen: in Berlin steckten sich zwischen dem 1. Juli 2004 und dem 30. Juni 2005 241 Männer durch ungeschützen Geschlechtsverkehr mit Männern an, 83 in Hamburg, 90 in Köln, 82 in München. Aber auch mittel-große Städte wie beispielsweise Münster sind mit 16 Fällen vertreten. NRW kommt in dem Zeitraum auf insgesamt 259 gemeldete MSM-Neuinfektionen.

Mehr Prävention, mehr Tests

"Diese Zahlen bestätigen leider eindrucksvoll, was unsere Präventionsmitarbeiter vor Ort seit langem in der Schwulenszene und darüber hinaus feststellen: das Schwinden von Aids in den Medien und die Heilungsphantasien aufgrund unterschiedlichster Faktoren - etwa der verharmlosenden Werbung der Pharmaindustrie - haben zu einer Präventionsmüdigkeit geführt", erklärte Guido Schlimbach von der Deutschen Aids-Hilfe und der Aids-Hilfe NRW. "Die Deutsche Aids-Hilfe sieht die Notwendigkeit, die zielgruppenspezifische Prävention bei schwulen und bisexuellen Männern zu verstärken. Hier müssen zusätzliche Mittel bereitgestellt werden!"

Das rki zieht aus den Beobachtungen den Schluss, "dass Neuinfektionen insbesondere verstärkt durch relativ frisch infizierte Personen weitergegeben werden, die entweder von ihrer Infektion noch nicht wissen oder die zwar von ihrer Infektion wissen, aber bisher weder eine antiretrovirale Behandlung erhalten noch in wünschenswertem Maße ihr Sexualverhalten im Sinne der Vermeidung von Übertragungsrisiken (Safer Sex) verändert haben." Daher sei eine "Ausweitung niedrigschwelliger Testangebote (kostenloser und anonymer HIV-Test) in Verbindung mit einer kompetenten Beratung" von großer Bedeutung, so das rki.

5. Oktober 2005, 15.20h



23 Kommentare

#1 Stefan K.Anonym
  • 05.10.2005, 16:12h
  • Man sollte die Preise für Kondome heruntersetzen und in Drogeriemärkten bzw. in anderen Geschäften, wo se Kondome verkaufen, darauf hinweisen, welche Gummis für den schwulen Sex geeignet sind, da ja manche reißen oder platzen, sobald se in den Anus gelangen.
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#2 Stefan K.Anonym
#3 Norbert BlechAnonym
  • 05.10.2005, 16:56h
  • IDVA: intravenös (u.a. bei Drogenabhängigen)
    HPL: Personen aus Hochprävalenzländern
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#4 seb1983
  • 05.10.2005, 19:52h
  • bei uns im Radio war sogar von 60% schwulen Männern bei Aidsinfektionen die Rede....

    wenn Heteros so einfach die Gelegenheit zum Partnerwechsel hätten würde es bei ihnen zwar auch nicht sooo anders aussehen mit Infektionen (hier droht ja auch immer eine Schwangerschaft und da hat man ja prinzipiell etwas Schiss, zumindest ich immer und "jaja ich nehm schon die Pille" hat mich net bei allen beruhigt *g*)

    über Aids wurden wir schon in der Schule informiert ( tja und das aufm Land....) allerdings auch erst in der Oberstufe, aber man wusste dass es das gibt und man aufpassen muss, dazu die volle Breitseite mit Schwangerschaft etc....

    wenn es tatsächlich noch Leute gibt die nicht Bescheid wissen dann sollte man das einfach in den Schulen anpacken, 16 sind die Leute bei mittlerer Reife ja nun auch!

    Beim großen Rest: viele gehen das Risiko einfach ein denke ich, man sieht ja wie grade Berlin und NRW als größter verstädteter Raum vorne liegt, jeder mit jedem, es macht ja Spaß, wo ist die nächste Szene Party, sonst interessiert mich nichts.

    Ich möchte Heteros hier nicht die Absolution erteilen, aber hier sind die selteneren Partnerwechsel und unwillige Frauen ein guter Übertragungsverhinderer:-)
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#5 LinkerCacheAnonym
  • 05.10.2005, 20:17h
  • Also, erstmal die (Berechtigte) frage, wieso es kondome nicht wie die Pille auf Rezept gibt. Zweitens ist zu viel darüber gelabert worden, wie toll doch die ganzen medikamente sind. Dadurch ist die Risikobereitschaft gestiegen(nach dem motto, es gibt jawas dagegen..) Es spricht aber keiner über die verherrenden Nebenwirkungen, wie z.bsp. Appetitlosigkeit, Leberschädigungen,.....

    Und letzten endes, Wenn in fast allen Bundesländern die Gelder für Präventionsarbeit gekürzt oder sogar gestrichen werden, wird sich an dieser Situation nichts ändern.

    Zum Schluss noch die Anmerkung, das es in Deutschen JVA`s nicht möglich zu sein scheint, wie z.Bsp. in den Niederlanden, Kondome und entsprechende gleitmittel an die häftlinge zu verteilen. Und das, obwohl JEDER weiss, das es unter häftlingen zu sexuellen Handlungen kommt.
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#6 Adrian AhlhausAnonym
  • 05.10.2005, 20:23h
  • Das schwule Männer desinrterssiert sind mit HIV und AIDs sich auseinander zu setzen, ist zuerst ein Zeugnis für die fehlende Effektivität der AIDS-Hilfen und deren Kampagnen. Wen interssiert das "Betroffenheitsgetue" dieser "Helfer", deren größte Sorge darin besteht gebraucht zu werden? Hatte es schon Ende der neunziger Jahre keinen Zweifel gegeben, dass die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfen generell in's Leere laufen, erlaubt man sich nun einfach das katastrophale Ergebnis der Zahlen und damit die der eigenen Bedeutungslosigkeit damit zu verschleiern, das es am Geld liege.
    Nein, die AIDS-Hilfen sind im wesentlichen bedeutungslos, weil ihre Tätigkeit nirgendwohin erfolgreich wirkt; weder in Schulen und auch nicht bei den Betroffenen.
    Die AIDS-Hilfen gaben nie und geben keine Antwort auf die Frage wie man erfreulich leben kann, mit und gegen HIV. Darin erinnern AIDS-Hilfen an moralinsaure Religionen: Lustfeinddlicher Verzicht als Antwort auf AIDS. Dasist einfach zu wenig.
    Es ist noch nicht so lange her da vertrat ein Sozialarbeiter einer AIDS-Hilfe die Meinung, dass, um ganz "sicher" vor HIV zu sein, auch das Küssen in Frage gestellt werden müsse.
    Diejenigen, die unbedarft sich dem Thema HIV und AIDS näern, werden durch solch bezahlte "Profi-Berater" sicherlich noch ratloser vor dem Problem stehen, als ohne jeden Rat.
    AIDS-Hilfen sind ein Teil des Problems mit ihren schuliscen Angeboten, ihren ehrenamtlichen "Helfern" und dem merkwürdigen Klüngel, dem als Dauergäste die Angebote zur Freizeitgestaltung nutzen.
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#7 egalAnonym
  • 05.10.2005, 20:52h
  • @LinkerCache
    Wenn Du wirklich Kondome wie die Pille auf Rezept haben willst, benutzt die niemand mehr. Auf Rezept heißt bei der Pille nämlich nur, daß man zum Kauf nachweisen muß, daß sie von einem Arzt abgesegnet ist und nicht etwa, daß frau dafür nichts zahlen muß! Jede bezahlt ihre Pille selber, kann die aber nicht mal eben so wie Kondome kaufen. Glaube kaum, daß Du sowas willst.
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#8 yibahAnonym
  • 05.10.2005, 21:45h
  • Na Super, das entlastet doch die Rentenkassen.

    Wenn die Schwulen sonst schon keine Trendsetter mehr sind, im Anstecken hängen sie ja wieder alle ab.
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#9 JanAnonym
  • 05.10.2005, 22:37h
  • Womit wir wohl wieder bei der leidigen Barebackdebatte wären. Es bleibt dabei: Alles Geschwätz von wegen "selber wissen was man tut" und "erwachsen sein" ist gequirlte Sch... . Barebackficker sind potentielle Mörder. Punkt.
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#10 TomAnonym
  • 05.10.2005, 22:45h
  • Also ich sehe dieses schlimme Ergebnis der steigenden Infektionsraten etwas grundsätzlicher. Vielleicht haben es Schwule einfach noch nicht geschafft, eine verantwortliche Beziehungs- und Lebenskultur zu installieren. Junge Schwule geraten doch heute in eine Szene, die total sexualisiert und kommerzialisiert ist. In Großstädten hat doch inzwischen fast jede Bar einen Darkroom, wenn Sie finanziell überleben will, die Ex-und-Hopp-Mentalität ist doch ganz neu in Mode-gerade auch in Gayromeo usw.. Ich denke, es sollte eine Wertediskussion gerade auch unter Schwulen neu initiiert werden. Dass es jetzt schwule Lebenspartnerschaften gibt, ist sicherlich prima. Nur sollte man auch versuchen, Werte wie Verantwortung, Treue, Aufrichtigkeit auch im schwulen Miteinander zu formulieren. Vielleicht ginge es dann endlich etwas menschlicher zu- in der Szene und auch an allen anderen Orten schwuler Kommunikation.
    Ich schließe mich darüber hinaus in meiner Interpretation der Zahlen dem schweizer Psychoanalytiker Peter Schellenbaum an, der schon in den 90ern gemutmaßt hat, dass es sich beim Phänomen AIDS auch um eine morbide Versuchung handelt, sich also Männer unbewust bewusst infizieren, weil sie mit ihrem Schwulsein nicht klar kommen. Ich denke, wir sollten neu über schwule (Sub-)kultur nachdenken, die Männer auf-leben lässt und sie nicht in verzweifelt gefährliche Muster konsumistischen Sexualverhaltens treibt.
    Also: was können wir in unserem gesamten Miteinander so verändern, dass unsere Kultur wieder Lebens-mut und Lebenslust vermittelt anstatt sich zunehmend hedonistischer Interaktionsmuster zu befleißigen?

    Tom
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