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  • 12. Oktober 2005, noch kein Kommentar

Kurios, eigenwillig und nicht immer verständlich: Jens Friebe und sein Album "In Hypnose".

Von Jan Gebauer

Ich bin ehrlich: Verklausulierte Musik ertrage ich nur in Maßen – Kate Bush kann es, Tori Amos auch – Jens Friebe (30) hat mit den genannten Damen sicher muskalisch wenig gemeinsam, bleibt aber textlich manchmal ebenso schwer verständlich. Er entführt zwar kaum in Märchenwelten à la Bush, scheint aber dennoch eine ganz eigene Gedankenwelt zu haben. Kostprobe gefällig? "Messer von hinten bringt Unglück, Schizophrenie macht uns verrückt. Und die Venus rockt das dritte Haus. Und im Löwen steht der Mond. Mars und Pluto sehen super aus. In ihrer neuen Konjunktion" (aus dem Lied "Messer von hinten"). Vielleicht hätte ich doch nicht soviel "Bunte" lesen sollen, dann würde sich mir wahrscheinlich auch auf Anhieb der Sinn dieses Textes erschließen. Aber was soll's schließlich machen selbst die etwas sinnfreien Lyrik-Ergüsse von Andreas Dorau nach mehrmaligem Hören Spaß. Der Opener "Kennedy" überrascht mit einer prägnanten Gitarren-Arbeit – die irgendwie an gute alte Roy-Orbison-Platten erinnert. Danach geht es rotzig mit dem "Lawinenhund" weiter – bevor unter anderem "10.000 Zeichen" und "Rauch ohne Feuer" erklingen.

Über mangelnden Hype kann sich Friebe jedenfalls nicht beklagen: "Der einzige richtige Popstar in Deutschland", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", "unser Lawinenhund gegen die grassierende Mittelmäßigkeit von Popmusik und Poptexten", legt die Konkurrenz von der "Frankfurter Rundschau" nach. "Ungeschliffen schön", meint die "Berliner Zeitung". Sein androgynes Aussehen kommt an, ebenso wie sein kaltschnäuziger Mix aus Pop, Rock, Elektro und Chanson. Seine stimmlichen Fähigkeiten sind jedoch beschränkt. Aber solche Mängel haben schon ganz andere Künstler im Laufe ihrer Karriere geschickt umgehen können.

Fazit: Gewöhnungsbedürftig: Stimme, Musik und besonders die Texte sind sehr eigen und erfordern entweder viel Toleranz oder bewusstseinserweiternde Drogen.

Anspieltipps: "Kennedy", "Lawinenhund", "10.000 Zeichen", "Jede Menge Ziele"

13. Oktober 2005