Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?3639

"Mary – Mein Leben in ihrem Schatten" heißt die neue Autobiografie von Georg Preuße. Munter erzählt der 1950 Geborene darin über seine Jahre mit Gordy, die schwierigen Anfänge als Travestie-Künstler und seine Schauspielerlaufbahn ohne das Alter Ego Mary. Im Interview mit Jan Gebauer sprach Preuße über Stars und Sternchen und den vergänglichen Ruhm.

Ist das Buch eine Zwischenbilanz, oder naht schon das Ende Ihrer Karriere?

Über mein Ende habe ich noch nicht nachgedacht, aber auch ich lebe nicht ewig. Darüber zu spekulieren ist aber Blödsinn. Mein Terminkalender ist voll. Noch gibt es mich – wenn das beruhigt, oder besser, aufregt. Was das Buch betrifft: Der Verlag kam einfach auf mich zu und fragte mich, ob ich zu einer Autobiografie Lust hätte. Da habe ich gedacht, bevor es jemand anderer schreibt, mache ich es lieber selber. So habe ich es wenigstens unter Kontrolle. (lacht)

Ein Zitat aus Ihrem Buch: "Bei der Dietrich ging es darum, dass man Künstler immer auf die Bühne zerrt, bis sie auf dem letzten Loch pfeifen. Nach dem Motto: Lass uns hingehen, vielleicht fällt sie in den Orchestergraben?" Wann wäre für Mary bzw. für Georg Preuße der Punkt erreicht zu sagen: "Adieu, ich höre auf"?

Ganz einfach: Wenn ich bzw. Mary aus dem letzten Loch pfeift! Aber eigentlich steckt Folgendes dahinter: Manche Künstler können sich nicht von der Bühne trennen und finden keinen Punkt, an dem es besser ist aufzuhören. Es geht einfach nur um einen Werbegag für die kommende Tournee: Ein ewiger Abschied.

Aber sind manche Künstler nicht selbst schuld, wenn sie den Punkt nicht finden?

Nein, ich glaube eher, dass dahinter Agenturen und Manager stecken, die den Künstler immer noch pushen und dazu überreden weiterzumachen. Schließlich kann man noch die letzte Kohle rauspressen, anstatt den Künstler zu schonen. Und wenn man von allen Seiten hört: "Och, das geht doch. Du bist doch immer noch toll", dann macht man weiter. Und viele brauchen natürlich das Geld. Zum Beispiel die Dietrich, die sogar im hohen Alter noch ihre Familie versorgen musste.

Muss man wie die Dietrich in einem bestimmten Alter abdanken, um als "perfekte Diva" in Erinnerung zu bleiben?

Ich denke, die Dietrich ist zur rechten Zeit von der Bildfläche verschwunden. Allerdings finde ich nicht, dass man sich ganz zurückziehen muss. Wenn man durch Paparazzis verfolgt wird, ist das natürlich eine ganz andere Geschichte. Die Dietrich hat man ja auch verfolgt und bei ihr eingebrochen, nur um noch den letzten Schuss von ihr machen zu können. So etwas ist menschenverachtend.

Wie bezeichnen Sie eigentlich selber "Mary"?

Ich würde sie schlicht als Rolle bezeichnen.

Und wenn "Mary" in eine andere Rollen schlüpft, beispielsweise am Anfang ihrer Karriere.

Sie meinen die Parodien? Das habe ich wirklich nur am Anfang gemacht. Es war eine Phase, in der ich mich erst finden musste. Man probiert etwas aus und merkt nach einer bestimmten Zeit, ob es passt oder nicht.

Marikka Rökk gehörte zu Ihrem Parodie-Repertoire. Kürzlich starb eine andere Ikone, Ilse Werner, völlig verarmt und einsam.

Ja, eine sehr erschreckende Geschichte, genauso wie vor kurzem Maria Schell. Das sind Beispiele, bei denen ich mir insgeheim denke, ich muss aufpassen, dass es mir es nicht auch so geht. Schließlich ist es ein Los, das viele Menschen im Alter trifft – das Alleinsein. Bei berühmten Persönlichkeiten ist das besonders extrem, weil sie einst gefeiert wurden und sich plötzlich keiner mehr um sie kümmert. Die Diskrepanz zwischen Rummel und Einsamkeit ist riesig. Ich könnte nie behaupten, mir passiert das nicht, aber ich versuche es so gut es geht zu verhindern, indem ich zum Beispiel das Bühnenleben mit Abstand betrachte. Und Freunde natürlich mit Bedacht auswähle.

Was bedeutet ein richtiger Freund für Sie?

Ganz unterschiedliche Dinge. Grundsätzlich gilt für Freunde dass sie nicht mit mir im Scheinwerferlicht stehen wollen. Diejenigen, die nicht mit "Mary" befreundet sein wollen, sondern mit Georg. Dass sie aber auf der anderen Seite auch bereit sind, mich mit dem Publikum zu teilen und für mich da sind, wenn ich nachts anrufe.

Im Idole-Kapitel sprüht es förmlich vor Künstlern, die besonders bei Schwulen beliebt sind. Was ist das Geheimnis von Liza Minnelli, Shirley Bassey oder auch dem Rat-Pack?

Dass sie auf ihre Art und Weise etwas ganz Besonderes und Einzigartiges darstellen. Und etwas "Gebrochenes", das immer durchschimmert. Bei der Minnelli ist das ganz klar. Die Frauen, die Sie genannt haben, strahlen noch etwas anderes aus: weibliche Wärme. Damit lösen sie vielleicht sogar Muttergefühle aus.

Bei Sinatras "My Way" ("So leb dein Leben") machen Sie die berühmte Abschmink-Nummer. Warum?

Es ist mir wichtig, dem Publikum zu zeigen, wer hinter der Rolle "Mary" steckt. Dass es nur eine Illusion ist und sich ein echter Mensch dahinter verbirgt: Georg Preuße. Mary ist eine "schöne Lüge" – mit der ich mein Publikum nicht nach Hause schicken will. Das Zerstören der Illusion hat mich immer fasziniert.

Trotzdem haben sicher viele Leute gedacht, Sie wären auch privat gerne eine Frau.

Sicher, aber das Bedürfnis habe ich nie gehabt. Ich war immer froh, als Mann nach dem Auftritt nach Hause zu gehen. Bei mir hatte das nie etwas mit einer transsexuellen Neigung zu tun. Ich bin Schauspieler. Wenn ich einen Mörder spiele, macht es mir privat auch keinen Spaß, das fortzuführen. Für mich war die Travestie stets ein Transportmittel – zum Beispiel um etwas gegen Schwulenhass zu tun oder gegen Rechtsradikalismus. Gegen Intoleranz und Dummheit!

Im Buch steht, dass sich die Presse in der Regel immer mehr für Mary als für Georg interessierte. War Ihnen das recht?

Auf jeden Fall! Georg hat immer nur gearbeitet – es drehte sich rund um die Uhr nur um den Beruf. Vielleicht war die Person damit zu uninteressant. Die hat nie so geglänzt und "geglamourt" wie Mary. Aber so hatte ich immer mein Privatleben – worauf ich auch sehr geachtet habe. Vielleicht war es aber auch Respekt von der Presse – heute unglaublich selten.

Sie haben sicher von den Auftritten der drei Schlager-Diven Gitte, Wencke und Siw gehört. Wäre das auch was für Sie, vielleicht mit Lilo Wanders und Georgette Dee?

Ich habe jahrelang als Duo mit Gordy auf der Bühne gestanden und, wie ich im Buch erwähnte, will ich so etwas heute nicht mehr. Aber ich finde das Trio großartig, da ich schon seit meinem 16. Lebensjahr ein Riesenfan von Gitte und Wencke bin. Ein schönes weibliches Rat-Pack! Und sie stehen über ihrem alten Repertoire, ohne es zu verleumden oder sich dafür zu schämen. Sie stellen sich nicht hin und sagen: "Das was ich früher gemacht habe, ist alles Scheiße."

Georg Preuße: Mary - Mein Leben in ihrem Schatten, ca. 300 S., ca. 50 Abbildungen, Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2005, ISBN 3896026607, 19,90 Euro

18. Oktober 2005



#1 madridEUAnonym
  • 18.10.2005, 17:38h
  • Intelligente und souveräne Stellungnahmen von Mary/Georg. So etwas hört man mit Vergnügen ! Ich habe sie/ihn aber leider immer nur als Mary erlebt und finde und fand sie hinreissend wie kaum eine andere aus diesem Fach.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 StefanieAnonym
  • 19.10.2005, 00:39h
  • Das Buch von Georg ist ausgsprochen gut, kann es nur empfehlen, Georg ist ein super netter Typ.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 wolfAnonym
  • 20.10.2005, 02:12h
  • meine hochachtung vor diesem künstler, kenne mary und gordy seit den anfängen in berlin und kann nur sagen : schmerzhaftes, tolles amüsement 1. güte !!!!!!!!
    hoffentlich bis zum umfallen !!!!!!
    wir haben nicht viel davon.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 ingeborg MüllerAnonym
  • 20.10.2007, 19:48h
  • "mary ist eine schöne lüge" - ein fantastisches und interessantes buch - und ein wunderbarer, einmaliger star auf seinem gebiet. und privat ein lustiger lebensfroher mensch. ich wüsste nicht, wer sich mit ihm messen könnte und hoffe, dass wir ihn bald wieder in münchen sehen können. georg, komm bald wieder !
  • Antworten » | Direktlink »