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Gottfried Würcher vom Nockalm Quintett über Schwule und Volksmusik, Homoehe und den Papst.

Von Jan Gebauer

Die volkstümliche Schlager-Szene ist nicht gerade für schwule Interpreten bekannt, sieht man mal von Patrick Lindner ab. Gottfried Würcher vom Nockalm Quintett ist zwar hetero, kennt aber keine Berührungsängste und traf sich mit queer.de, um mit dem alten Klischee aufzuräumen, dass Musiker seiner Prägung konservativ und unmodern sind. Der stets gut gelaunte Frauenschwarm machte sich dafür sogar erstmals Gedanken, wie er doch noch schwul werden könnte.

Jetzt mal ehrlich Her Würcher, haben sie selbst schon homoerotische Erfahrungen gesammelt?

Nein, das habe ich nicht. Aber wenn ich jetzt zum Beispiel auf einer Insel leben würde, mit 20 Männern und das über fünf bis zehn Jahre – na, ich weiß nicht – vielleicht ginge es dann irgendwann los…! (lacht)

Klingt ein wenig nach der Gefängnis-Theorie.

(lacht) Ja, da ist was dran. Irgendwann muss man wieder. Aber da fällt mir was ein. Ich habe zum Album "Die kleine Insel Zärtlichkeit" (2003) mal Nackfotos gemacht, die unter anderem für einen dazugehörigen Kalender verwendet wurden. Natürlich vorne herum bedeckt, aber ansonsten richtig nackt. Und die Jungs, die mich gestylt haben, die waren auch schwul. Die kamen mir auch sehr nah und mussten mir zum Beispiel am Körper ein aufgezeichnetes Tattoo abwaschen. Und sie haben auch nicht gerade weg geschaut – aber das war völlig okay! (lacht) Es war sehr lustig, aber angemacht hat es mich nicht.

Damit haben Sie keine Probleme? Auch nicht wenn zum Beispiel ein flotter Spruch käme?

Nein, überhaupt nicht. Ich war auch schon mit Schwulen in der Sauna. Es geht auch nicht jeder direkt aufs Ganze, wenn er einen nackt sieht. Zumindest nicht die, die ich kenne. Die haben sich ganz normal benommen. Die haben sogar Schwulenwitze erzählt. Da war total genial.

Sind Nacktfotos nicht schwierig bei Ihrem "normalen" Publikum.

Naja, die wollten mehr sehen. (lach) Aber so etwas kann man natürlich in unserer Branche nicht machen. Diese Fotos waren die absolute Grenze. Ich bin aber stolz darauf, denn wir mussten nichts retuschieren. Das war auch meine Bedingung. Mein Hauptgrund für die Fotos war unter anderem, dass ich vor fünf Jahren rund 20 Kilo abgenommen habe. Ich wollte zeigen, dass ich meinen Körper im Griff habe. Dazu ein bisschen Provokation – fertig waren die Fotos.

Welche Art Mann würden Sie sich aussuchen, wenn sie schwul wären?

Ich habe mich mit der Frage noch nie richtig beschäftigt, aber ich glaube, ich wäre wahnsinnig eitel. Ich würde wahrscheinlich diese Schauspielertypen auswählen. Aber fragen Sie mich nicht nach einem Namen. Aber nur weil ich hetero bin, heißt das nicht, dass ich nicht mehr weiß, welcher Mann gut aussieht.

Schwule gelten als sehr treue Fans besonders im Schlager. Gibt es überhaupt schwule Fans des Nockalm Quintetts?

Es gibt einige. Da fallen mir zwei Freunde aus der Schweiz ein. Ein schwules Pärchen, die ich total vergöttere, weil sie einfach total lieb sind. Die kommen immer zu uns, mögen unsere Musik und tanzen kräftig mit. Alleine das anzuschauen ist eine Pracht. Wir verstehen uns besser als so manches Pärchen. (lacht)

Sollte die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet werden?

Ich finde das völlig okay. Wenn zwei Menschen zusammen leben, ihr Geld ehrlich verdienen und sich lieben, dann haben sie auch ein Recht darauf das offiziell zu machen. Man sollte den Menschen die gleiche Möglichkeit geben sich abzusichern.

Und Adoption?

Na, das ist wieder eine ganz andere Sache. Das Kinder kriegen ist von der Natur nun einmal Mann und Frau vorbehalten – wahrscheinlich sollte man es vorerst dabei belassen. Da habe ich wahrscheinlich eine etwas konservative Meinung. Ich würde es nicht befürworten, da Kinder doch einen schweren Stand haben, wenn sie zum Beispiel in der Schule sind und dort damit umgehen müssen, dass sie gleichgeschlechtliche Eltern haben. Vielleicht ist die Zeit auch einfach noch nicht reif genug. Das Konservative muss erst noch aus unseren Köpfen verschwinden. Wobei, dem Sohn von Patrick Lindner mangelt es an nichts. Dem geht es super. Na, es ist schon ein für und wieder. Schwierig!

Der Papst würde ihnen im Punkt "Kinder kriegen" wahrscheinlich zustimmen.

Ich finde seine letzte Reden gegen Schwule und vor allen Dingen gegen Kondome so daneben! Schwule stehen offen zu ihrem Leben. Wenn ich mir überlege, was da alleine schon an Kindesmissbrauch vorgekommen ist. Furchtbar. Und wenn ein Papst Kondome ablehnt, dann ist er einfach für die Vermehrung einer immer noch nicht heilbaren Krankheit verantwortlich. Soll er sich etwas einfallen lassen, mit der er diese Krankheit besiegt.

Gottfried Würcher ist Leadsänger des Nockalm Quintetts, aktuelles Album: "Amadeus in Love". In Österreich zählt das Quintett zu den Topstars und landet regelmäßig in den Top-3 der Alben-Charts.

19. Oktober 2005



#1 madridEUAnonym
  • 20.10.2005, 12:28h
  • Setzen wir mal voraus, dass die meisten stinknormalen Menschen in unseren Breiten diese lobenswerten Ansichten des mir unbekannten Volksmusikinterpreten über Schwule vertreten.Dann wäre die Gesellschaft aber allgemein fortschrittlicher als ihre Politiker.
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#2 Klaus aus EssenAnonym
  • 20.10.2005, 13:27h
  • Volksmusik ist nun mal absolut nicht meine Richtung, obwohl sie in den letzten Jahren wesentlich moderner geworden ist.
    Ich finde es Klasse, daß sich ein Star der Volksmusikszene so positiv über Schwule äußert; und --- so denke ich doch --- er auch wirklich dazu steht!
    Ein Beispiel, dem andere Promis ruhig nacheifern können!!!
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#3 markusAnonym
  • 20.10.2005, 14:37h
  • wen zum henker interesiert das?
    ich denke queer tut zuviel damit die seite auch für heteros interesant wird!
    ist doch blos werbung für den typen
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#4 SvenAnonym
  • 20.10.2005, 15:31h
  • Markus: Jedes Interview, jede Nachricht ist eine Art Bekanntmachung und somit auch das, was Werbung will.
    Aber es wirkt natürlich in beide Richtungen, bei "uns Homos" wir ein Schlagerstar vorgestellt und queer.de kennt er nun, verweist vielleicht auch auf seiner HP auf dieses Interview.

    Zum Thema: Ich find's gut, wie er damit umgeht, so müsste es normal sein.
    Naja, bis auf das mit den Kindern.
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#5 antosAnonym
  • 22.10.2005, 15:05h
  • "Ich war auch schon mit Schwulen in der Sauna. Es geht auch nicht jeder direkt aufs Ganze, wenn er einen nackt sieht. Zumindest nicht die, die ich kenne. Die haben sich ganz normal benommen. Die haben sogar Schwulenwitze erzählt. Da war total genial."

    'So müsste normal sein':

    members.aol.com/theseawall/images/16ton.jpg
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#6 SchlomiAnonym
  • 26.10.2005, 16:23h
  • Ein paar von diesen Bildern über die im Interview gesprochen wurde wären nicht schlecht...
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