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  • 21. Oktober 2005, noch kein Kommentar

Mit "Unausgesprochen" präsentiert der Shooting-Star 2004 seine neue CD. Darauf wieder kleine feine Geschichten mit viel Ironie und Witz.

Von Jan Gebauer

Journalisten werfen gerne mit Adjektiven um sich: Im Falle von Annett Louisan (26) und ihrem letztjährigen Debüt "Boheme" bemühte man gerne Worte wie "süß", "niedlich" oder "verspielt" – die Optik der Sängerin ließ Benennungen wie "Lolita", "Kindfrau" oder "Püppchen" aufkommen. Louisan hat sich daran gewöhnt und hakt sie als Schubladen ab, die man in Kauf nehmen muss, wenn man im Musikgeschäft erfolgreich sein will. "Das Spiel", ein emanzipiertes Verführungslied, stand 2004 etliche Wochen in den Top-Ten der Charts. Louisan sieht sich allerdings eher als Album-Künstlerin und wollte vom Debüt gar keine Single auskoppeln. "Das Spiel" sei als Single zwar erfolgreich gewesen, aber "aus dem Zusammenhang gerissen worden, und so ist auch dieses Lolita-Image entstanden, was nicht gewollt war. Meine Musik hat einen durchgehenden Faden, man muss sich das Ganze anhören", betont Louisan unlängst in einem Interview mit der "Saarbrücker Zeitung". Mit dem neuen Album "Unausgesprochen" setzt die Sängerin ihren Weg konsequent fort. Noch mehr Chanson und Jazz haben sich in ihre Musik gemischt – ihre Stimme klingt genauso verführerisch und eben so "süß" wie schon auf ihrem Debüt. Für die teilweise stark ironischen Text haben sich wieder Frank Ramond und Matthias Haß eingefunden, die schon auf "Boheme" nicht nur den richtigen Ton, sondern auch die richtigen Worte fanden. Allerdings hat auch Louisan selbst als Texterin bei dem ein oder anderen Lied mitgewirkt.

Da beschwert sie sich, dass ihr Gegenüber sie an "Torsten Schmidt" erinnert, den sie schon immer für einen Arsch gehalten hat. Ebenso kompromisslos ist auch ihre Kampfansage an "Eve", die meistgehasste, überdrehte Freundin: Hier geht es mit Hilfe von zahlreichen Adjektiven noch sarkastischer zur Sache: Der milde Blick verfinstert sich zur ätzenden Satire, distanziert und scharf geschossen: "Seh’ ich Eve, macht mich das aggressiv, treff’ ich Eve wechsle ich die Straßenseite und zwar demonstrativ." Ganz anders dagegen "Wo ist das Problem?": Klarinette, Kontrabass, Piano und Tango-Noblesse versetzen einen mit minimalen Gesten in ein verrauchtes Café. Und man wird Zeuge einer intimen Beziehungs-Tristesse, in der sich eine Frau so intensiv die Untreue ihres Partners vorstellt, bis sie schließlich wahr wird. Oder "Die Lösung", die eigentlich von Louisan gar nicht gewünscht wird, da sie ja sonst der Tod für ihr Problem wäre. Den facettenreichen Umgang mit Worten wird von der ebenso vielfältigen Musik untermalt, die Louisan sanft dahingleiten lässt.

Ab dem 1. Februar 2006 wird die Sängerin auch wieder live auf der Bühne stehen und eine Tournee quer durch Deutschland starten.

Fazit: Annett Louisan betreibt musikalische Studien zwischen Chanson und Jazz, Tango, Walzer und Pop. Die Instrumentierung mit Akkordeon, Kontrabass, Piano erzeugt Kaffeehaus- und Varieté-Atmosphäre. Dazu schmeichelt sich sanft die Stimme der Sängerin in die Gehörgänge, um die pointierten Texte genau dahin zu transportieren, wo sie hingehören: In Herz und Verstand.

Anspieltipps: "Eve", Torsten Schmidt", "Das große Erwachen", "Die Lösung", "Ausgesprochen unausgesprochen"

21. Oktober 2005