Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?3676

Christian Bruhn, einst Mann von Katja Ebstein, hat für die meisten Schlager-Ikonen Songs geschrieben. Nun gibt es seine Memoiren.

Von Jan Gebauer

Dieser Mann hat Schlager-Geschichte geschrieben: Christian Bruhn (71) schrieb für eine beeindruckende Riege von Stars und Sternchen unvergessliche Hits: Cornelia Froboess ("Zwei kleine Italiener"), Katja Ebstein ("Wunder gibt es immer wieder"), Siw Malmkvist ("Liebeskummer lohnt sich nicht"), Roberto Blanco ("Ein bisschen Spaß muss sein"), France Gall ("Ein bisschen Goethe") und über 100 Titel für Mireille Mathieu – kitschige Perlen à la "Akropolis adieu", "Hinter den Kulissen von Paris" und "Pariser Tango" waren das Resultat. Mit seinen Memoiren "Marmor, Stein und Liebeskummer" zieht der Meister der leichten Muse, der auch unzählige TV-Melodien ("Heidi", "Timm Thaler", "Captain Future", "Silas", etc.) schrieb, Bilanz. Genug erlebt hat er ja dank seiner langen Karriere, die in den frühen 60er Jahren begann – ein Buch über die ganze Zeit macht also Sinn. Außerdem hatte er auch ein bewegtes Privatleben – seine fünf Ehen sprechen eine deutliche Sprache. Unter seinen Ex-Frauen sind so prominente Schlager-Ladys wie Katja Ebstein oder auch Erika Götz, Teil des "Heidi"-Duos Gitti & Erika. Er traf unglaublich viele Prominente und arbeitete mit den besten Musikern der deutschen Musik-Szene zusammen. Außerdem war er auch lange Jahre Aufsichtsratsvorsitzender der GEMA (Gesellschaft für Musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte).

Bruhn hat somit jede Menge Geschichten zu erzählen – mit Warmherzigkeit und netten Anekdoten weiß er auch seine Erzählungen geschickt zu verpacken. Sprachlich und stilistisch kann es auf Dauer aber anstrengend werden. Zum einen belobhudelt sich der Meister ständig selber – was ihm natürlich zu einem gewissen Grad zusteht. Wenn er aber in einem Kapitelabschnitt in ironischer Form Ralph Siegel genau das zum Vorwurf macht, beschleicht einen doch ein wenig der Verdacht, dass Bruhn nicht besser ist. Auch sein Witz ist nicht immer leicht zu verstehen, was er manchmal sogar indirekt zugibt, den Leser aber ratlos zurücklässt: "...zu ironisch? Lassen Sie sich’s von jemanden erklären..." (Seite 163). Auch die immer wiederkehrenden Sätze wie "Nur Geduld, lieber Leser, die beiden nächsten Kapitel folgen unweigerlich." (Seite 188) irritieren eher und unterbrechen das Lesevergnügen manchmal harsch. Dennoch bietet "Marmor, Stein und Liebeskummer" einen interessanten Blick hinter die Kulissen von einem der erfolgreichsten deutschen Schlager-Komponisten und -Produzenten und überzeugt immer dann, wenn der Meister auch erklärt, wie der ein oder andere Evergreen im Detail entstanden ist. Die Stimmung und Arbeit hinter den Aufnahmen, machen ebenfalls einen Teil des Unterhaltungswertes aus.

Christian Bruhn: Marmor, Stein und Liebeskummer, ca. 430 S., ca. 50 schwarz-weiße Abbildungen, Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2005, ISBN 3896026674, 19,90 Euro

23. Oktober 2005