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  • 26. Oktober 2005, noch kein Kommentar

Er schrieb Klassiker für Dionne, Cher und Barbra – alle nahmen seine Songs auf. Die Dietrich begleitete er viele Jahre auf Tour: Burt Bacharach.

Von Jan Gebauer

Dieser Mann ist ohne Übertreibung eine lebende Legende: Burt Bacharach (77) hat für fast alle großen Namen im internationalen Show-Business Songs geschrieben – oder die großen Namen haben seine Songs ohne mit der Wimper zu zucken in ihr Repertoire aufgenommen. Seine komplexen, melodramatischen Melodien waren einzigartig und sicherten ihm seit den 50er Jahren einen festen Platz in den Charts der Welt. Er machte aus der unbekannten Dionne Warwick Mitte der 60er Jahre einen Weltstar, begleitete Marlene Dietrich viele Jahre als Arrangeur, Pianist und Bandleader auf Tour und die Stars die seine Songs aufnehmen wollten, rauben einem den Atem: Cher, Barbra Streisand, Nancy Sinatra, Johnny Mathis, Gene Pitney, Astrud Gilberto, Aretha Franklin, The Carpenters, Tom Jones, Elvis Costello, Dusty Springfield, Neil Diamond, Perry Como, Sandie Shaw, The Shirelles, Herb Alpert, Christopher Cross, Diana Ross, usw.

Die Liste seiner Evergreens und Welthits liest sich schier endlos: "Raindrops Keep Falling On My Head", "On My Own", "Walk On By", "I Say A Little Prayer", "Alfie", "That's What Friends Are For", "What's New Pussycat", "The Look Of Love", "(They Long To Be) Close To You" - Seiten könnte man mit seinem Oeuvre füllen. Auch unter seinem Namen erschienen einige Platten, darunter auch Soundtracks zu Filmen wie "Butch Cassidy und Sundance Kid" (1969). 1979 erschien mit "Woman" seine bis heute letzte Studio-LP. Der Meister konzentrierte sich lieber wieder auf die Arbeit für andere Künstler.

Erst jetzt, nach 26 Jahren hat Bacharach wieder ein Album unter seinem Namen veröffentlicht – sieht man von seinen Duo-Projekten mit Elvis Costello (1998) und Ronald Isley (2003) mal ab. Hauptsächlich instrumental, manchmal mit Star-Gästen oder selbst am Mikrofon – der Kaiser des gehobenen amerikanischen Liedgutes ist zurück. Ein großer Sänger war er ja nie (eher das Gegenteil), allerdings kann man das angesichts seiner brillanten kompositorischen Talente, die noch immer vollkommen intakt sind, getrost verschmerzen. Ein Auszug aus der Liste der prominenten Namen lässt ebenfalls aufhorchen: Bei "Go Ask Shakespeare" trällert der schwule Singer/Songwriter Rufus Wainwright während Dr. der die Drum-Loops verantwortete. Das tat er auch bei "Danger" (inklusive der Drums) und "Is Love Enough?".

Elvis Costello ist ebenfalls wieder mit von der Partie und er trägt einen überraschend politischen Text bei "Who Are These People?" vor: "Wer sind all die Menschen, die uns weiterhin Lügen erzählen? Und wie haben diese Menschen die Kontrolle über unser Leben erhalten? Und wer stopft die Gewalt, denn ist außer Kontrolle." Zum ersten Mal schrieb Bacharach die Texte der Songs fast komplett allein: "Ich wollte mich nicht nur musikalisch, sondern auch lyrisch ausdrücken", so der Meister dazu. "Ich kam zu dem Punkt, an dem ich mich fragte: 'Wer sind diese Menschen, die unser Leben kontrollieren und wie können wie die Gewalt stoppen?!' Ich habe zwei kleine Kinder und einen 19 Jahre alten Sohn und ich frage mich, was sie mit ihrem Leben anstellen werden. Ich wollte aus persönlichen Gründen ein paar Songs singen."

Fazit: Das Album pendelt zwischen Easy Listening, Pop und Jazz – diesen stimmungsvollen Wechsel der Stile beherrscht Burt Bacharach wie im Schlaf. Seine Melodien sind so komplex und reich wie eh und je – es klingt nur alles moderner und frischer.

Anspieltipps: "Who Are These People?", "Go Ask Shakespeare", "In Our Time", "Please Explain"

26. Oktober 2005