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  • 28. Oktober 2005, noch kein Kommentar

Auch mit grauen Haaren macht Nino De Angelo immer noch eine gute Figur. Sein aktuelles Album heißt schlicht "Nino".

Von Jan Gebauer

Einst war er "Jenseits von Eden", ritt auf "Samuraj" und hatte die Zeit nie ganz vergessen, als er und seine Liebste noch "Flieger" waren. Mit letztgenanntem Titel war er einer der wenigen männlichen Solisten, die Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten durften. Als Favorit gehandelt, stürzte er auf Platz 14 ab – Komponist Dieter Bohlen war gar nicht begeistert, lobt aber noch heute De Angelos ausdrucksstarke Stimme. Die ist nun präsent wie selten zuvor. Schaltete man in den letzten Wochen das Frühstücksfernsehen ein, dann kam man an dem in Ehren ergrauten Sänger nicht vorbei: Ob ZDF, RTL oder SAT1 – De Angelo scheint ein Frühaufsteher zu sein oder zumindest das Sprichwort "Der frühe Vogel fängt den Wurm" zu beherzigen. Dass seine Platte auch bestens dazu geeignet ist, morgens gut aus dem Bett zu kommen, könnte ein Vorteil sein, wenn es um die Verkäufe im Plattenladen geht. "Nino" strotzt anfangs vor Optimismus, als wenn uns De Angelo seinen persönlichen Beitrag zum Thema "wir brauchen eine bessere Stimmung in Deutschland" liefern wollte.

"Mach dir keine Sorgen" ist ein gutes Beispiel für die positive Stimmung des Sängers: "Mach dir keine Sorgen, verliere nicht den Mut ... glaub fest an dein Glück ... und vielleicht kommt es schon morgen." Die erste Single "Wie der Wind" strahlt Freiheit aus. Dazu sanfte E- und Akustik-Gitarren – mit Schlager hat das wenig zu tun. De Angelos Stärke sind natürlich immer noch emotionale Balladen, bei denen er dann auch nachdenkliche, vielleicht sogar traurige Momente zulässt: "Ohne dich" lässt den Sänger aufs Herzlichste schmachten. "Im Arm eines Engels" ist eine gelungene deutsche Adaption des Sarah-McLachlan-Tränendrückers "Angel". "Wenn du liebst" geht dann richtig ans Eingemachte: "Wenn du liebst, warum kannst du nicht verzeihen, wenn du liebst, warum bin ich jetzt allein. Wenn du glaubst, dass das alles nicht mehr geht, sag mir was bleibt, wenn eine Liebe nicht mehr verzeiht." Vielleicht ist das Lied auch eine Art Bestandsaufnahme, denn schließlich ging erst kürzlich durch die Medienlandschaft, dass De Angelo anderthalb Millionen Euro Schulden hat, seine Wohnung gekündigt wurde und seine Frau auf und davon ist. Dabei hatte er doch vor ein paar Jahren erst erfolgreich seine Krebs-Erkrankung besiegt.

Fazit Im Pressetext steht etwas von Deutsch-Rock – das ist zwar eine charmante, wohlwollende Übertreibung, aber als Schlagersänger mag man Nino De Angelo auch nicht bewerten. Deutscher Pop mit ernsthaften, aufrichtigen Texten trifft es wohl besser. Aber immer noch so sympathisch und freundlich, dass er damit auch die Hörer von WDR4 nicht verschreckt.

Anspieltipps: "Wenn du liebst", "Mach dir keine Sorgen", "Wenn du mich suchst", "Im Arm eines Engels"

28. Oktober 2005