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  • 07. November 2005, noch kein Kommentar

2.000 Schwule gerieten bei "Nation.V" drei Tage und Nächte lang in zuckende Bewegungen. Ein Bericht direkt vom Dancefloor in Thailand.

Von Christian Scheuß und Micha Schulze

Stuart Koe ist nass geschwitzt, als er zum Interviewtermin kommt. Gerade eben tanzte er noch wild auf der Empore vor dem Swimmingpool und wirbelte dabei geschickt bunte Tücher durch die Luft. Wie lange er in den vergangenen drei Tagen geschlafen habe? "Drei Stunden", grinst er. Als einziges Zeichen von (kaschierter) Müdigkeit kann man seine dunkle Sonnenbrille werten, die er extra zum Gespräch trägt. Stuart ist Betreiber der Community-Website fridae.com, einer Art gayromeo für Asien. Seit fünf Jahren organisiert der Singapurer mit seinem fridae-Team die Nation-Partys. "Das ist meine Leidenschaft". Eine Leidenschaft, die im vergangenen Jahr nach der "Nation.IV" von der Regierung in Singapur verboten wurde. Der Erfolg dieses Events mit 8.000 Besuchern wurde den heimischen Politikern wohl unheimlich. Der Partymacher wich deshalb erstmals nach Thailand aus, das die schwulen Touristen willkommen hieß.

Freitagnachmittag, 4. November. Die ersten Bässe wummern über das weitläufige Areal des Crowne Plaza in Karon Beach, einige Kilometer entfernt vom schwulen Hotspot in Patong Beach. Das luxuriöse Resort (Preise zwischen 100 und 200 Euro pro Nacht) war im vergangenen Dezember vom Tsunami schwer getroffen worden und hat gerade erst wieder neu eröffnet. Ein glücklicher Umstand für Stuart Koe. "Es war kein Problem, das komplette Hotel für diese Veranstaltung zu bekommen, denn wir konnten für drei Tage ein volles Haus garantieren. Nicht nur das Crowne Plaza, auch umliegende Herbergen profitieren von den vielen Gästen, von denen die meisten aus Singapur, Hongkong, Japan und den USA angereist waren.

Freitagnacht. Das Partytreiben hat sich aus der Pool-Area in den großen Saal verlegt. Wer mitmachen will, muss gleich dreimal strenge Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen. "Es gibt keinen konkreten Anlass zur Sorge, keine Drohungen oder etwas Ähnliches. Aber wir wollen unseren Gästen unbedingt das Gefühl von Sicherheit geben", erklärt Stuart Koe den Aufmarsch der sonnenbebrillten Herren mit den Metalldetektoren in den Händen. In der "Arena", wie der Saal heißt, wird nach dem Motto "God is a DJ" gehandelt. Das Pult mit den Turntables steht hoch über der Menge, die ihren Musikgöttern zujubeln. Wenn er denn die Beats richtig hochjagt. Neben den Videoprojektionen gibt es zwischendurch Bewegung in Fleisch und Blut. Muskulöse Go-Go-Boys aus Japan heizen nochmal richtig ein. Unaufdringlich, aber unübersehbar ist Safer Sex ein wichtiges Thema hier. Eine Kondomfirma verteilt Gummis. Wer will, kann zum HIV-Schnelltest gehen. Oder eine Umfrage zu HIV und Aids mitmachen.

Samstagnacht, 5. November. Auch im Paradise Complex in Patong Beach gibt man sich an diesem Wochenende richtig Mühe. Über der Straße mit den schwulen Bars hängen Trauben von Luftballons. Für die traditionelle mitternächtliche Show in der Boat-Bar wurde extra der gewichtige Travestiestar Meng aus Bangkoks "DJ Station" eingeflogen. Die übliche Sperrstunde von zwei Uhr interessiert heute niemanden - im Crowne Plaza geht die Party schließlich auch bis acht Uhr morgens. Hatte man in Patong anfangs die Vorbereitungen der Nation-Partymacher mit Argwohn betrachtet, so hat man inzwischen hier auch begriffen, dass man ebenfalls von 2.000 zusätzlichen schwulen Gästen auf der Insel profitiert: Viele Bars füllten sich schon am Nachmittag, vor der Aquarius-Sauna bildeten sich sogar Schlangen…

Sonntagnachmittag, 6. November. Stuart Koe sitzt schwitzend, aber glücklich auf dem Sofa in der Hotel-Lobby. Gerade eben hat ihm der Eigentümer des Crowne Plaza angeboten, sein Haus im nächsten Jahr wieder nutzen zu können. Auch die Stadtverwaltung, die anfangs Bedenken hatte, ist vollauf begeistert. Ob "Nation V" nun ein Event mit Gewinn oder Verlust war, dazu will der Betreiber der fridae-Plattform keine konkreten Angaben machen. "Wir wollen erst einmal nur die Leute zusammen bringen, die sich meistens bereits über unsere virtuelle Community kennen. Unser Geld verdienen wir mit der Website. Aber Nation ist natürlich ein gutes Marketinginstrument für fridae.com", erklärt er. Gerne kommt er nächstes Jahr wieder nach Phuket. Dass der Event wieder seine angestammte Heimat in Singapur findet, das – so schätzt er – werde noch fünf Jahre dauern. Aber so weit macht sich Stuart Koe erst einmal keine Gedanken. Jetzt steht die letzte Partynacht an, bis Montagfrüh. Und dann wird erst einmal richtig geschlafen…

7. November 2005