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  • 07. November 2005, noch kein Kommentar

Zum 26. Mal finden die Leverkusener Jazztage statt. Besonders herausragend: die Woman's Night am 4. November.

Von Jan Gebauer

Jane Monheit und Silje Nergaard verzauberten die Fans bei den Leverkusener Jazztagen im letzten Jahr – am vergangenen Freitag waren es Anna Maria Jopek, Cécile Verny, Rebekka Bakken und Homo-Ikone Marianne Faithfull. Nachwuchsstars und eine echte Legende standen auf der Bühne und jede zog auf ganz eigene Weise das Publikum in ihren Bann. Jopek, in Polen bereits ein Star und seit ihrer 97er Teilnahme beim Eurovision Song Contest auch vielen Schwulen ein Begriff, ist eine sehr eigenwillige Künstlerin mit beeindruckendem Stimmvolumen. Leise und filigran präsentierte sie ihre Songs meist in ihrer Muttersprache und wandelte dabei sicher auf einem schmalen Grat zwischen Jazz, Pop und Folk. Verny ist ein noch recht neuer Name in der Jazz-Welt – doch konnte auch sie im Agamsaal des Forums überzeugen: Ihre Eigenkompositionen wurzeln in verschiedenen Kulturkreisen und verbinden Jazz mit europäischer Tradition und afrikanischen Klängen mit lateinamerikanischen Rhythmen. Dazu kommen Vertonungen von afrikanischen und englischen Dichtern sowie eigene Texte in englischer und französischer Sprache.

Schleppender Blues, groovender Bass, eine unvergleichlich dunkle, raue und doch betörende Stimme - Marianne Faithfull und ihre Musiker waren mit Sicherheit der Höhepunkt des Abends. Der satte Sound hatte es in sich, erinnerte an alte Beat-Zeiten und nährte nostalgische Gefühle. Ihre Stimme ist seit den 60er Jahren zwar hörbar rauchiger, röhrender geworden, zugleich aber auch charakteristischer. Selbst die zahlreichen aggressiv-rockigen Songs überzeugten das Publikum – mit Jazz hatte der Löwenanteil von Faithfulls Liedern allerdings nichts zu tun. Nur Tom Waits' "Strange Weather" oder Nilssons "Don't Forget Me" erfüllten den Raum mit jazzigen und bluesigen Klängen – und überzeugten ebenso wie die chansonhafte Umsetzung von Faithfulls großen 60s-Hit "As Tears Go By". Natürlich fehlte auch nicht "The Ballad of Lucy Jordan", jenes Lied, dass ihr 1979 ein immenses Comeback ermöglichte.

Rebekka Bakken wurde vom Ansager als eine der größten Entdeckungen der Jazz-Welt angekündigt – die Vergleiche mit Top-Stars wie Diana Krall oder Norah Jones nicht zu scheuen braucht. Unglaublich vielfältig präsentierte sich Bakken dem verwöhnten Publikum in Leverkusen. Ob Jazz, Folk, Pop, Singer/Songwriter-Balladen à la Carole King oder traditionelle Oden aus Norwegen – die Skandinavierin wickelte das Publikum schnell um den kleinen Finger. Ihre Stimme erinnerte an die Wärme einer Jennifer Warnes ("Up Where We Belong") und mühelos füllte die Sängerin mit diesem Organ das Forum aus. Am Ende eines langen, musikalisch hochkarätigen Abends schien eines sicher zu sein: Die Zukunft des gehobenen Vocal-Jazz liegt fest in weiblicher Hand!

7. November 2005