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  • 10. November 2005, noch kein Kommentar

Mit Jazz-Diva Shirley Horn starb am 20. Oktober eine der ganz großen Vokalistinnen des Jazz. Ihre Songs bleiben.

Von Jan Gebauer

Nein, ein Superstar wie Ella Fitzgerald oder Sarah Vaughan ist Shirley Horn nie geworden und ihren Durchbruch hatte sie ohnehin relativ spät in ihrer Karriere. Die 1934 geborene Amerikanerin hatte Ende der 80er Jahre die 50 schon überschritten, als sie mit Hilfe des renommierten Jazz-Labels Verve plötzlich vom Geheimtipp zum erfolgreichen, Grammy-nominierten Hitparaden-Star wurde. Jazz-Gott Miles Davis sagte über sie: "Shirley Horn ist die Einzige, die es schafft, mich mit ihrem Klavierspiel und Gesang zum Weinen zu bringen." Ihr musikalisches Markenzeichen waren die Langsamkeit, die Pausen und ihre rauchige Stimme. Am 20. Oktober 2005 erlag die Jazz-Diva in Washington den Folgen eines Schlaganfalls und hinterließ einen vielfältigen, reichen Katalog an wunderschönen Jazz-Aufnahmen. Das neue Album "But Beautiful – The Best of Shirley Horn" sammelt 14 Höhepunkte ihrer Karriere auf Verve. Liebesballaden zwischen Jazz-Keller und verrauchter Cocktail-Lounge – allerdings nie im Dunstkreis des Easy-Listenings, sondern hypnotisch und geschmackvoll im Bereich des hochkarätigen Vocal-Jazz.

Obwohl Horn bereits in den frühen 60er Jahren begann Platten aufzunehmen (unter anderem für Mercury und ABC/Paramount), fand die überaus begabte Pianisten zunächst nur ein kleines Publikum für ihre Veröffentlichungen. Über die Jahre arbeitete sie für zahlreiche obskure Label, bevor 1987 das Live-Album "I Thought About You" den späten, aber verdienten Durchbruch der Sängerin einläutete. Die Alben "You Won't Forget Me" (1990) und "Here's To Life" (1992) schafften den Sprung auf Platz eins der Jazz-Album-Charts in den USA. Songs aus diesen CDs erfüllen auch die aktuelle "Best-of"-Sammlung von Horn mit Vielfalt und musikalischer Brillanz. Die Sängerin schwebt förmlich durch Lieder wie "Here's To Life", den Peggy-Lee-Klassiker "Fever" oder die Aufforderung "Come Dance With Me". Dabei wandelt sie geschickt zwischen bluesigen, eher trockenen Jazz-Stücken und mit Streichern versehenen, "süßeren" Klängen. Horns rauchiges Timbre muss wohl auch Diana Krall beeinflusst haben, die einen recht ähnlichen Stil beim Vortrag ihrer Songs hat.

Fazit: Wenn eine große Sängerin wie Horn stirbt, bleibt immer ein großer Trost: die wunderbare Musik. "But Beautiful" präsentiert eine exzellente Auswahl von Songs, die Horn seit 1987 auf Verve veröffentlicht hat.

Anspieltipps: "Fever", "Here's To Life", "If You Love Me (Really Love Me)", "You Don't Know Me"

10. November 2005