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Liebe, Sex und Coming-out sind die Themen beim "Verzaubert Filmfestival". Die Veranstalter erwarten wieder über 40.000 Zuschauer in den Festivalstädten.

Von Dennis Klein

Von durchgedrehten, verzweifelten und naturgeilen Typen handeln die insgesamt 40 Spiel- und 50 Kurzfilmen, die beim Verzaubert-Filmfestival dieses Jahr auf dem Programm stehen. In München lief das Filmfestival bereits erfolgreich: Jetzt tourt "Verzaubert" noch durch Frankfurt, Köln und Berlin. Je ein Dutzend der Streifen bewerben sich wieder um den begehrten Rosebud-Award, der seit 1996 vergeben wird. Das Festival eröffnet der franko-kanadische Retro-Streifen "C.R.A.Z.Y." von Regisseur Jean-Marc Valée. Hier geht es um den Teenager Zachary, der im Montréal der 70er Jahre aufwächst. Zac liebt Bruce Lee, John Lennon und David Bowie und will so gar nicht die Sportskanone werden, wie es sich sein Vater wünscht. Und noch schlimmer - er steht auf Jungs. Der Film bringt das Seventies-Feeling zurück und lebt vor allem von einem reichhaltigen Soundtrack.

Insgesamt ist das Programm 2005 tiefgründiger und weiter gefasst als in den vergangenen Jahren. "Dieses Jahr gibt es mehr politische Filme", erklärt Vera Rockel von "Verzaubert". Insbesondere aus Nordamerika zeigt das Festival eine ganze Reihe an Produktionen, die sich mit der gegenwärtigen Lage beschäftigen. So nimmt "Hard Pill" die aktuelle Diskussion auf, ob ein Schwuler "geheilt" werden kann. Der US-amerikanische Film wird zum ersten Mal in Deutschland zu sehen sein. Er handelt von Tim Barrens, einem einsamen Schwulen, der genug hat von One-Night-Stands und dem oberflächlichen Leben der Szene. Er will daher an einem klinischen Test eines neuen Produkts teilnehmen, das seine Sexualität ändern soll.

Aktuelle Entwicklungen beleuchtet auch der kanadische Film "Everyone". Nachdem die Homo-Ehe beim nördlichen Nachbarn der Vereinigten Staaten bereits vor zwei Jahren eingeführt wurde, erzählt "Everyone" die Geschichte von Ryan und Grant, einem Vorzeige-Homopaar. Ihre Hochzeit soll eigentlich eine familiäre Angelegenheit werden; doch unverhofft kommt "everyone" aus ihrer gar nicht keuschen Vergangenheit vorbei und bringt das Paar kräftig durcheinander.

Zu den Highlights des Festivals zählen auch die französischen Filme, die wieder zahlreich vertreten sind. "Frankreich ist nach wie vor Garant für großartige Coming-out-Filme", argumentiert Vera Rockel. Das beste Beispiel ist "Like a Brother". Hier kommt der 18-jährige Etienne aus seiner Kleinstadt nach Paris - und erfindet sich hier neu. Er nennt sich "Zack" nach einer Figur aus seiner US-Lieblingsserie. Jede Nacht macht sich Etienne in die Szene auf - natürlich nicht, ohne sich vorher gehörig in Schale zu werfen. Seine Bekanntschaften können jedoch nicht das Verlangen nach einer erfüllenden Beziehung stillen - bis sein bester Freund aus seinem Heimatdorf ihn besucht.

Auch der neueste Film des französischen Star-Regisseurs François Ozon ("8 Frauen") ist bei "Verzaubert" zu sehen. "Time to Leave" hat bereits bei den Filmfestspielen in Cannes für Furore gesorgt. Hier erfährt der erfolgreiche Fotograf Romain (Melvil Poupaud) nach einem körperlichen Zusammenbruch, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat. Diagnose: Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Er entschließt sich dazu, auf eine Behandlung zu verzichten. Der 30-Jährige will die Zeit nutzen, um sich auf der Suche nach seiner eigenen Kindheit und der damit verbundenen Unschuld zu machen. Von seiner Erkrankung erzählt er niemandem: nicht seinen Arbeitskollegen, nicht seinen Eltern und auch nicht seinem Partner Sasha, von dem er sich ohne Erklärung trennt. "Romain ist ein egozentrischer, grausamer Charakter", erklärt Regisseur François Ozon. "Er entschließt sich dazu, den Menschen, die ihn lieben, nichts zu erzählen. Aber warum sollte er nicht die Wahl haben, wie er sterben wird."

Natürlich spielt auch das Thema "Sex" beim Festival eine entscheidende Rolle. So blickt die Dokumentation "eXposed" hinter die Kulissen einer Pornoproduktion. Die Filmmacher verfolgen 17 Tage lang die Produktion des Cowboy-Pornos "BuckleRoos" von Buckshot Productions. Dabei werden Lust und Frust beim Porno-Dreh dargestellt. So versaut das laute Muhen einer Kuh das spritzige Finale einer Szene. Oder Star Dean Phoenix muss sich anstrengen, nach einer Lebensmittelvergiftung sexy und willig zu erscheinen - obwohl er eigentlich lieber alleine mit einem warmen Tee im Bett läge.

Ernster geht es bei der argentinischen Produktion "A Year Without Love" zu. Hier wirft Regisseur Anahí Berneri einen Blick auf die S/M-Szene von Buenos Aires. Das Drama ist dieses Jahr bereits mit einem Teddy beim Berliner Filmfestival ausgezeichnet worden. Die Story: Pablo kommt mit seinen HIV-Infektion und seiner Einsamkeit nicht klar und versucht daher, besonders extrem zu leben. Er cruist durch Fetisch-Bars und Porno-Kinos und gibt Kleinanzeigen auf ("Nimm mich als Sklave oder Master"). Die Bondage-Szenen sind nichts für Zartbesaitete - Pablo findet hier zwar keine Liebe und Zärtlichkeit, gibt sich aber ganz der Lust hin.

Das Festival bietet einen bunten Querschnitt durch die Homo-Filmwelt. Die große Bandbreite an meist europäischen und nordamerikanischen Produktionen ist aber vor allem für diejenigen geeignet, die statt der teils grausamen deutschen Synchronfassungen gerne gute Filme im Original anschauen.

Verzaubert Filmfestival. Frankfurt 16.-23.11.(Cinestar Metropolis, Eschenheimer Anlage 40), Köln 16.-23.11. (Residenz, Kaiser-Wilhelm-Ring 30-32), Berlin 23.11.-4.12. (Kino International, Karl-Marx-Allee 33).

16. November 2005



#1 LarsAnonym
  • 16.11.2005, 23:25h
  • Ich war in München dabei und habe einige Streifen gesehn.
    Meine Highlights: Transamerica, Loggerheads, Almost normal, Adam and Steve
    Die kann ich ruhigen Gewissens empfehlen, andere sind Geschmackssache.
    Ich bin kein Fan der französischen problemüberladenen Filme, aber auch das ist Geschmackssache.
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#2 MartinAnonym
  • 18.11.2005, 17:05h
  • Meine Highlights in München waren SAVING FACE (ist zwar ein Lesbenfilm, aber sehr witzig), eXposed und Happy Endings. Von TIME TO LEAVE war ich (Als jemand der Francois Ozons Filme mag) sehr enttäuscht.
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