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Die estnische Metropole ist eine pittoreske alte Stadt mit einer kleinen Schwulen-Szene und feschen Männern.

Von Dennis Klein

Läuft man durch die mittelalterlichen Gassen in Tallinn meint man, die Zeit sei stehengeblieben. Das ehemalige Reval verband einst als Hansestadt den Handel zwischen dem Russischen Reich und dem Westen. Nachdem die russischen Truppen nach Jahrzehnten der Besatzung 1991 das Land verließen, hat Estland seine Hauptstadt von Grund auf restauriert. 1997 wurde die Altstadt von der UNESCO zum Kulturdenkmal erklärt.

Das gerade einmal 400.000 Einwohner zählende Tallinn ist perfekt, um einfach mal so zu schlendern. Die Innenstadt verfügt über viele enge Gassen und einem wilden Architekturmix von Gotik bis Klassizismus. Viele der alten Handelshäuser sind inzwischen zu Restaurants oder Geschäften umfuktioniert - glücklicherweise hat die Balten-Metropole aber verhindert, dass das Zentrum bevölkert wird von Starbucks- und McDonald's-Ketten, wie es mit anderen osteuropäischen Städten geschehen ist. Statt dessen kann man dem Glasbläser bei der Arbeit zuschauen oder Jugendliche beim Breakdance auf dem Rathausplatz bewundern.

Auf dem Domberg (Estnisch: Toompea), den man in wenigen Minuten "besteigen" kann, gibt es einen hervorragenden Blick über die Stadt: Allerdings sieht man vor hier aus auch die großen Trabantenstädte aus der Sowjet-Zeit. Und so schön die Innenstadt auch ist: Die Vorstädte sind teilweise noch sehr heruntergekommen. In den engen Gassen des Berges bemerkt man davon aber nichts: Hier reihen sich Ministerien und Botschaften aneinander. Beeindruckend ist auch die russisch-orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale.

Nach dem Ende der Sowjet-Zeit gibt es auch schwules Leben in Tallinn, konzentriert auf ein kleines Homo-Gässchen direkt in der Altstadt mit dem bezeichnenden Namen Sauna. Sie geht direkt von der Shoppingmeile Viru ab, kann aber leicht übersehen werden. Auf unebenen Backsteinen kann man hier zur ersten Schwulenkneipe des Landes, der X-Baar, wanken (Sauna 1). Gleich daneben (unter derselben Adresse) residiert das Angel, Tallinns aufregendster schwuler Nachtclub. Hier kann man auf einem Balkon die Tanzfläche überblicken oder auch ganz einfach in den Darkroom für ein paar schöne Minuten/Stunden verschwinden. Allerdings lässt der Türsteher manchmal nicht jeden ein.

Gleich gegenüber der X-Baar lässt sich hervorragend im kaukasischen Restaurant Must Lammas schlemmen. Eine georgische, handfeste Küche sorgt für eine gute Grundlage, bevor man auf die Pirsch geht. Am Fenster kann man dabei hervorragend beobachten, welche Dramen sich vor der X-Baar und dem Angel abspielen. Denn so mancher Este streitet sich gerne öffentlich über Beziehungsprobleme und junge Callboys fordern lautstark ihren Lohn von stark alkoholisierten Freiern ein.

Etwas weiter ist es zum G-Punkt (Pärnu mnt. 21-23), einer relaxten Bar, strategisch gut gelegen neben dem Sauna Club 69 (Pärnu mnt. 27), dem einzigen schwulen Badehaus des Landes. So manches Etablissement im Westen kann sich von den sauberen und gut organisierten estnischen Stuben einiges abschneiden. Die beiden Locations sind am besten per Taxi zu erreichen. Überhaupt sollte man die Busse meiden, da das Netz kompliziert und unzuverlässig ist. Für ein paar Euro bringt einen das Taxi zu jeder Homo-Bar - allerdings versichern die Fahrer gern, dass sie selbst keinesfalls schwul sind, obwohl sie den Weg zu den Etablissements kennen. Die meisten Homo-Bars sind übrigens fest in der Hand von Frauen; auch beim zweiten CSD, der im September bei ströhmendem Regen ausgetragen wurde, waren die Lesben tonangebend. Die Mädels wissen aber zu feiern - und zu trinken. Respekt!

Verglichen mit Deutschland ist Estland recht günstig, auch wenn in den letzten Jahren die Preise angezogen haben. In den Kneipen gibt es ein Wodka-Cola für umgerechnet gut zwei Euro, eine Schachtel Zigaretten kostet ganze 1,30 Euro. Wer sich etwas mit den Einheimischen mischen möchte, kann auch in den Markthalle beim Hauptbahnhof hinter dem Domberg schlendern. Neben allerlei fleischlicher Begierden gibt es hier riesige, zuckersüße Torten für ein paar Euro.

Nach Tallinn zu kommen ist einfach. Günstige Flüge bietet die Linie Estonian Air an. Sie fliegt den nur wenige Kilometer von der estnischen Hauptstadt gelegenen Flughafen von Berlin, Frankfurt und Hamburg aus an.

16. November 2005



#1 madridEUAnonym
  • 17.11.2005, 15:59h
  • Als ich 2002 das Baltikum bereiste, führte mich mein Weg auch in diese bezaubernde Stadt. Leider habe ich gemeinsam mit meiner schwulen spanischen Gruppe keine Gay-Etablissements ausmachen können und wir fanden auch die Atmosphäre in diesen Ländern nicht sonderlich homo-aufgeklärt.
    Die Esten,Letten und Litauer sind jedoch freundlich und wir hatten trozdem unseren Spass.
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#2 LinkerCacheAnonym
  • 17.11.2005, 17:16h
  • @madridEU: Kann dir nur zustimmen, allerdings war ich noch zu Zeiten des Kalten Krieges da im Rahmen einer Austauschgruppe unserer Schule. Das war auch nicht "verordnet", sondern eher eine Auszeichnung für besonders gute Leistungen im Sport.
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