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  • 17. November 2005, noch kein Kommentar

Zahlreiche Künstler wurden im Dritten Reich ermordet. Darunter auch der schwule Chansonstar Paul O'Mantis. Er ist Teil eines Buches.

Von Jan Gebauer

Er soll elegant, kultiviert und voller Esprit gewesen sein. Er hatte eine einschmeichelnde Stimme. Und wenn er mit Monokel und blütenweißer Fliege in den 20er-Jahren in Berlin auftrat, flogen ihm die weiblichen und auch unzählige männliche Herzen zu. Den "Politikern" jener Zeit gefiel das Musik-Kabarett von Paul O'Montis (* 1894) nicht. Als Homosexueller stand der aus Ungarn stammende Sänger auf der schwarzen Liste. Seine Flucht misslang: O'Montis, der bürgerlich Paul Wendel hieß, nahm sich 1940 im Konzentrationslager Sachsenhausen das Leben. Er war einer von vielen Sängern und Schauspielern, die durch die Nazis zu Tode kam. Ob Juden, Schwule oder Untergrundkämpfer – auch vor dem Entertainment machte das Regime keinen Halt.

Im Buch "Verehrt, verfolgt und vergessen" leben die Namen, Karrieren und Schicksale von O'Montis und seinen Kollegen wieder auf. Autor Ulrich Liebe erzählt die Geschichten mit Sinn für Details und lässt zahlreiche Zeitzeugen zu Wort kommen. Auch Abbildungen von Dokumenten, Portraits, Ausschnitte von Filmaufnahmen und seltene Schnappschüsse sind abgebildet. Hinzu kommt eine Bonus-CD, auf der erstmals die Originalstimmen einiger Protagonisten des Buches zu hören sind. Wie schrieb das "Hamburger Abendblatt" so treffend über das gesamte Werk: "Ulrich Liebe hat die Kunst jener Menschen, von denen nicht übrig bleiben sollte, wieder zum Leben erweckt."

Ulrich Liebe: Verehrt, verfolgt und vergessen, Taschenbuch, 280 Seiten, Beltz, ISBN 3407221681, 29,90 Euro

17. November 2005