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Rom/Berlin Ein Vatikan-Dokument zum Ausschluss von Homosexuellen vom Priesteramt hat erneut heftige Kritik hervorgerufen. Am Dienstag hatten einige Webseiten das 21 Absätze lange Dokument, das nächste Woche erscheinen soll, vorab veröffentlicht. "Man muss den Vatikan vor einer generellen Verdammung der Homosexuellen warnen", erklärte der Grünen-Politiker Volker Beck am Dienstag. Das Dokument der römisch-katholischen Kirchenführung komme einer "theologischen Verteufelung" der Homosexuellen gleich. "Der Vatikan versucht, die Vielfältigkeit von Lebensformen zu unterdrücken", kritisierte auch der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland. Das Papier sei "sowohl in der Sache als auch in der Wortwahl verfehlt" und sei "völlig inakzeptabel", bemängelte der Experte der FDP-Bundestagsfraktion für Kirchenpolitik, Hans-Michael Goldmann. Aus der Regierunskoalition sind bisher keine Äußerungen bekannt. Auch Menschenrechtsorganisationen aus den USA kritisierten das Schreiben, das in der kommenden Woche veröffentlicht werden soll. Der Vatikan mache für die Kindesmissbrauchsfälle durch Priester nun die Homosexuellen zum Sündenbock, erklärte die Organisation "Human Rights Campaign". Dem Dokument zufolge sollen "praktizierende Homosexuelle, Männer mit tiefsitzenden homosexuellen Neigungen oder solche, die die so genannte schwule Kultur unterstützen", ausdrücklich vom Priesterseminar und kirchlichen Orden ausgeschlossen werden. Männer mit einer homosexuellen Vergangenheit hingegen sollen das Diakonat antreten können, sofern ihre Erfahrungen Bestandteil einer Übergangsphase waren, die seit mindestens drei Jahren eindeutig beendet sein müsse. (nb)



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25 Kommentare

#1 holga-waldaAnonym
  • 23.11.2005, 18:45h
  • Sind religiöse Gesellschaften "besser"?
    Florian Rötzer 21.11.2005

    Bei einem internationalen Vergleich zwischen westlichen Industrieländern schneiden in vielen sozialen Aspekten die Länder mit einem hohen Anteil an Gläubigen, allen voran die USA, am schlechtesten ab
    Seit islamistische Terroristen den Westen angreifen und die USA als die einzige religiöse Nation der westlichen Industriestaaten den amerikanischen Sendungsauftrag unter Präsident Bush in den globalen Krieg gegen den (islamistischen) Terrorismus verwandelt haben, scheinen die Religionen mit ihren aggressiven und heilsgeschichtlichen Komponenten wieder einmal einen enormen weltpolitischen Einfluss gewonnen zu haben. Krieg und Gewalt waren geschichtlich keineswegs in Widerspruch zur Religion gestanden, zumal wenn sie als monotheistische wie die christliche oder islamische im Kern so intolerant sind wie ihr allmächtiger Gott. Aber welchen Einfluss hat Religion wirklich auf eine Gesellschaft und die in ihr lebenden Menschen? Ist es wahr, dass gläubige Menschen eine Gesellschaft irgendwie besser machen, weil die Religion das Fundament moralischer Prinzipien ist?


    Der amerikanische Soziologe Gregory Paul hat in der Zeitschrift Journal of Religion and Society - angeblich sicherheitshalber erst nach dem Orkan Katrina, um die Menschen nicht zu verärgern – seine vergleichende Studie über die gesellschaftliche Auswirkung des Glaubens veröffentlicht. Er zog für "Cross-National Correlations of Quantifiable Societal Health with Popular Religiosity and Secularism in the Prosperous Democracies: A First Look" Umfragen und Statistiken, beispielsweise über die Häufigkeit von Mord, Abtreibung, Selbstmord oder Schwangerschaft bei Minderjährigen heran. Das Datenmaterial beschränkt sich weitgehend auf die Industrieländer, da nur hier ausreichende und verlässliche Erhebungen vorliegen. Gleichwohl können die von Paul verwendeten Daten der etwa 800 Millionen Menschen in diesen Ländern, die weitgehend aus den 90er Jahren stammen, interessante Erkenntnisse für länderübergreifende Vergleiche liefern. Paul fragt in seiner Studie nicht nur, ob religiöse Gesellschaften, in denen die Mehrzahl der Menschen an Gott glauben, sozial besser funktionieren als eher atheistische oder säkulare Länder, sondern bezieht besonders auch die Position zur Evolutionstheorie mit ein.

    Bekanntlich findet in den USA, dem einzigen religiösen reichen Land des Westens, seit Jahren ein Streit über die Geltung der Evolutionstheorie statt, der seit der stark von fundamentalistischen Christen gestützten Präsidentschaft von Bush noch schärfer entbrannt ist. Bush selbst hatte sich vor kurzem hinter die religiösen Anhänger des Kreationismus oder der etwas ausgeklügelteren Theorie des Intelligent Design gestellt und gefordert, dass sie neben der Evolutionstheorie in den Schulen im Unterricht gelehrt werden sollte. Die Schüler, so die Suggestion, sollten beide Theorien zur Kenntnis nehmen und selbst entscheiden können, welcher sie als wissenschaftlicher Theorie zustimmen. Die Gegner argumentieren, der Kreationismus sei keine wissenschaftliche, also falsifizierbare Theorie, sondern bestenfalls eine philosophische Theorie.

    Paul sieht tatsächlich einen Widerspruch zwischen der Evolutionstheorie und dem Glauben an einen Gott, der die Welt nach seinen Absichten erschaffen hat. Würde die Evolutionstheorie zutreffen, dann entwickelte sich das Leben zufällig nach darwinistischen Prinzipien, ohne einen Endzweck und eine moralische Grundlage. Ein Gott ist hier ebenso wenig notwendig wie irgendeine Intelligenz. Daher sei die Evolutionstheorie in religiösen Ländern am stärksten umstritten, während sie in eher säkularen Gesellschaften eher akzeptiert wird. Nach der Auswertung der Daten korreliert, so Paul, die allgemeine Akzeptanz der Evolutionstheorie negativ mit dem Ausmaß der Religiosität. Während so in Japan, Frankreich und den skandinavischen Staaten, die am stärksten säkularisiert sind, auch die Evolutionstheorie allgemein anerkannt ist, sind die USA das einzige reiche demokratische Industrieland, dessen Menschen einen Grad an Religiosität aufweisen, wie man ihn sonst nur in Dritte-Welt-Ländern findet. 90 Prozent der US-Amerikanern sagen nach unterschiedlichen Umfragen, dass sie an Gott glauben. Hier wird die Evolutionstheorie auch am wenigsten akzeptiert, während sie die höchste Zustimmung in Japan findet, dem am stärksten nicht-gläubigen Land.

    Das aber ist nur ein Indikator. Schwieriger dürfte für viele zu akzeptieren sein, dass Paul aufgrund seiner Daten auch zu dem Ergebnis kommt, dass die USA, die Nation mit dem größten Anteil von religiösen Menschen, den höchsten Grad an "sozialer Dysfunktionalität" aufweisen. Während beispielsweise in allen anderen Ländern die Mordrate weiter sinkt, seien die USA die einzige wohlhabende Demokratie mit einer hohen Mordrate. Die Selbstmordrate bei Jugendlichen ist jedoch vergleichbar mit der in anderen Ländern. Eine stärkere Religiosität, eine höhere Zahl von Kirchenbesuchen und Gebeten haben auch in einem diesbezüglichen länderübergreifenden Vergleich keine Auswirkungen darauf. Allgemein aber lasse sich ein Rückgang der Lebensdauer mit wachsender Religiosität erkennen.

    Bekanntlich wollen konservative Christen auch aus dem Grund die Keuschheit vor der Ehe durchsetzen, weil damit zugleich sexuell übertragbare Krankheiten eingedämmt würden. Die Bush-Regierung hat solche Programme mit viel Geld unterstützt. Nach den Daten von Paul gesichteten Daten sind Infektionsraten von sexuell übertragbaren Krankheiten in den USA wesentlich höher als in weniger religiösen Ländern. Auch die Abtreibungsraten steigen mit wachsender Religiosität und erreichen in den USA eine Spitze (eine Ausnahme bilden Österreich und vor allem Irland). Schwangerschaften von Mädchen kommen in den USA über 20 Mal häufiger als in säkularen Ländern vor. Pauls Zusammenfassung:

    --------------------------------------------------------------------------------

    Allgemein korrelieren höhere Werte für einen Glauben an einen Schöpfer und dessen Verehrung mit höheren Raten bei Mord, Sterblichkeit bei Jugendluchen und jungen Erwachsenen, Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten, Schwangerschaften bei Minderjährigen und Abtreibung in wohlhabenden Demokratien. Die reichste theistische Demokratie, die USA, ist außergewöhnlich. Aber nicht in dem Sinn, den Franklin vorhersagte. Die USA sind fast immer die dysfunktionalste der Demokratien, manchmal auf spektakuläre Weise, und schneiden immer schlecht ab.

    Die am wenigsten gläubigen Gesellschaften (Frankreich, Japan und die skandinavischen Länder) hätten hingegen die besten Werte. Dieselben Unterschiede ließen sich auch innerhalb der USA finden. So sind die sozialen Probleme in den Südstaaten und den Staaten im Mittleren Westen, deren Bevölkerung stark religiös ist, höher als in den nordöstlichen Staaten, die den europäischen Kulturen ähnlicher seien. Es sei also falsch, so Paul, zu behaupten, dass eine atheistische Gesellschaft letztlich soziale Missstände mit sich bringe oder gar zum Untergang verurteilt sei. Hinzu komme noch, dass die USA die westliche Gesellschaft sei, die zwar den höchsten Reichtum pro Kopf aufweise, aber offenbar es am wenigsten schaffe, den Reichtum in ein "kulturelles und körperliches Wohlergehen" der Gesamtgesellschaft umzusetzen.
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#2 manni2Anonym
  • 23.11.2005, 19:16h
  • Wenn ich mir so das gespreitze Füsschen mit dem
    Designerschuh anschaue, kommen meine Zweifel ,ob er nicht auch erst die 3 Jahresfrist einhalten.... müsste...
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#3 ScienceAnonym
  • 23.11.2005, 19:17h
  • Abgesehen von dem billig verbalen Angriff von GAyInternational ist das nun wirklich keine Neuigkeit. Dennoch werden die die Vatikan und Papst Gegner es wieder mal zum Kreuzzug gegen Kirche und GLauben benutzen!
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#4 gerdAnonym
  • 23.11.2005, 19:41h
  • AUSTRETEN aus der katholischen Kirche ist da die einzig gute Entscheidung.

    ------
    Persönlich empfehle ich den Übertritt zu den evangelischen Landeskirchen der EKD, die sind bedeutend ehrlicher und besser (Ablehnung des Sündenbegriffs, öffentliche Segnungsgottesdienste, Zulassung von Frauen als Pastorinnen/BischöfInnen) als dieser senile Altherrenladen.
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#5 VollkornmannAnonym
  • 23.11.2005, 20:51h
  • Was soll man dazu noch groß sagen? Schon als Ratze in April zum Papst gemacht wurde, konnte man mit dem Schlimmsten rechnen.

    Bemerkenswert, daß der Ausschluß nicht für bereits geweihte Kleriker gelten soll. Sachlich ist diese Einschränkung absolut nicht zu begründen. Dahinter steckt offenbar die Angst, daß die Instruktion zu einer Outing-Welle führen würde. – Und genau das hoffe ich auch!
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#6 LarsAnonym
  • 23.11.2005, 21:35h
  • Und ich dachte die römisch-katholische Kirche hätte jetzt schon Personalmangel und Nachwuchssorgen.
    Ich hätte nichts dagegen, wenn die ganzen Heuchler endlich mal aus den Darkrooms verschwinden würden.
    Sehen wir mal, in welche Richtung sich das entwickelt
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#7 seb1983
  • 23.11.2005, 22:31h
  • das Thema wurde heute sogar in nder Tagesschau angesprochen....
    Wurde gesagt es stünde auch darin man solle Schwulen mit Respekt begegnen.
    Habe das Papier aber auch nicht vorliegen
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#8 ThorstenAnonym
  • 23.11.2005, 22:46h
  • Als wenn es Pädophile nur bei den Schwulen gäbe. Die gibt es ja wohl auch unter den Heteros.

    Wie war das? Vor Gott sind alle Menschen gleich. Scheinheiliges Pack!!!

    Wäre ich homosexueller Katholik, würde ich sofort aus der Kirche austreten.
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#9 Georg und JörgAnonym
#10 gerdAnonym