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  • 24. November 2005, noch kein Kommentar

Wien hat sowohl herrliche Prachtbauten zu bieten als auch prachtvolle Herren – ein Städtereport.

Von Roberto La Pietra

Wer sich schon mal gefragt hat, wie Berlin oder München ohne zweiten Weltkrieg und die anschließende Zerstörung aussehen würden, der sollte einmal nach Wien fahren. Denn in einer deutschsprachigen Metropole auf derartig schöne Architektur und herrschaftliche Prachtbauten zu treffen, ist wirklich ungewohnt.

Da wäre zunächst der Ring um die Altstadt zu besuchen. Am besten startet man die Tour an der Kreuzung zur Universitätsstraße und bewegt sich entlang des Zentrumsgürtels Richtung Stadtpark. Je nach Wetter lässt sich diese herrliche Strecke zu Fuß erkunden oder gemütlich mit der Trambahn entlangfahren. Vorbei am Rathaus, Heldenplatz, Parlament und Karlsplatz kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn die vielen prunkvollen Bauten zeugen von der ruhmvollen Geschichte der Donaumetropole.

Am Stadtpark angekommen, lässt es sich durch die Grünanlagen flanieren – nur vor dem goldenen Denkmal des Geige spielenden Walzerkönigs Johann Strauß muss man sich den Platz mit den vielen begeisterten Japanern teilen.

Das Zentrum Wiens wirkt gegen die Bauten am Altstadt-Ring weniger interessant. Sehr wohl einen Besuch wert sind allerdings die typischen Wiener Cafés, in denen man sich unbedingt ein Stück Torte und eine der vielen Kaffee-Varianten gönnen sollte.

Weiter geht es mit Shopping. Dem Besucher stehen gleich zwei Einkaufsmeilen zur Auswahl. Da gibt es zum einen die Fußgängerzone in der Kärntner Straße, die aber jeder x-beliebigen deutschen Shopping-Straße ähnelt, und zum anderen die Mariahilfer Straße, die sich etwas mondäner präsentiert und von Bäumen und hübschen Fassaden flankiert wird. Wer sich lieber mit Delikatessen eindecken möchte, darf den Naschmarkt nicht verpassen. Hier gibt es Gewürze aus aller Welt, kleine Cafés und leckere Süßigkeiten. Gesäumt wird auch dieser Markt von hohen Wohnhäusern im Jugend- und Barockstil.

Diese Gegend hat sich übrigens auch zum Zentrum der schwulen Szene etabliert. Wer allerdings glaubt, hier alles sofort auf einem Fleck zu finden, der wird enttäuscht. Ohne eine Gay-City-Map wird es verzwickt, auf die teils recht versteckten Kneipen rund um den Naschmarkt zu stoßen.

Starten kann man beispielsweise in der Rosa Lila Villa an der linken Wienzeile. Das Wiener Homo-Zentrum verfügt über ein Café, in dem man sich mit Prospekten eindecken und nachfragen kann, wo man die Tour am besten fortsetzt. In derselben Straße gibt es zum Beispiel das Café Savoy, das im Wiener Kaffeehaus-Stil eingerichtet ist. Auch relativ nah in einer Seitenstraße befindet sich das Mango, das man wohl als einen der beliebtesten Läden bezeichnen kann. Vor allem junge Leute kommen hier her. Unter der Woche hat man eine Menge Platz, an Samstagen und Freitagen wird es jedoch kuschelig voll, was die Kontaktaufnahme stark vereinfacht.

Einige Gay-Locations befinden sich auf der anderen Seite des Wien-Flusses – heute leider eher ein Kanal. Der Point of Sales ist eine Art Coffee-Shop. Tagsüber isst man Kuchen, abends trinkt man sein Bierchen. Alles in allem ist dies ein sehr sympathisches, helles Café – sozusagen "Starbucks" für Gays and Friends.

Fazit: Die österreichische Hauptstadt ist ein architektonisches Highlight mit gemütlichen Cafés und einer kontaktfreudigen, zünftigen Szene. Meiden sollte man Touri-Sehenswürdigkeiten wie den berühmten Prater. Außer überteuerten Preisen und runtergekommenen Buden gibt es hier nicht viel zu sehen. Lieber lässt man sich durch die Viertel rund um das Zentrum treiben und träumt von der perfekten Altbauwohnung mit Stuck an den Decken, die hierzulande eher schwierig zu ergattern ist.

24. November 2005