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Eine von der Stadt finanzierte Aufklärungskampagne erzürnt Fundamentalisten. CSU auf Homo-Seite?

Von Norbert Blech

Es ist gefühlte zehn Jahre her, da sorgte eine aus Steuermitteln finanzierte Akzeptanz-Kampagne für Schwule und Lesben in NRW für scharfe Entrüstung bei Christen, Christdemokraten und der christlichen "Rheinischen Post". Seitdem ist in NRW viel passiert, auch wenn das Hadern der neuen Landesregierung um einen Homo-Leitfaden für Lehrer einen Rückschritt erahnen lässt.

Nun ist auch in München ein Kulturkampf ausgebrochen. Seit einigen Wochen hängen in Schulen drei Plakatmotive aus, die den Jugendlichen erklären sollen, dass es ok ist, schwul, lesbisch oder transsexuell zu sein. Dass man nicht allein ist, und das man schnell Hilfe und Unterstützung bekommen kann. Die Plakatkampagne, begleitet von der Webseite www.wirsindfuerdichda.org, wurde von mehreren örtlichen Homogruppen konzipiert und von der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen im Münchner Rathaus begleitet und finanziert.

Jetzt regt sich Protest. Nach Kritik der Rechtsaußen-Zeitung "Junge Freiheit" erzürnte sich auch das fundamentalistische Christen-Portal kreuz.net. Aber auch das seriösere, gemäßigte kath.net meldete Kritik an und verkündete einen Protestaufruf der "Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern" (KSBB).

Belästigung aus Steuergeldern

Das "aufdringliche Motto" (Wir sind für dich da) werbe geradezu für ein Leben als Homosexueller, so die KSBB. Daher ruft die Organisation Christen auf, gegen die Aktion Einspruch zu erheben. "Es bedarf einer breit angelegten christlichen Koalition gegen diese Auswüchse und für ein Aufwachsen unserer Kinder in Würde und Freiheit von derartigen Belästigungen", schrieb der Vorsitzende der KSBB, Andreas Späth aus Sachsen bei Ansbach, laut kath.net in einem Rundbrief.

Auch kreuz.net sieht die Jugend in Gefahr: "Die Kampagne wendet sich an pubertierende junge Menschen und nützt einen menschlichen Lebensabschnitt aus, wo viele mit Unsicherheit und Selbstzweifeln kämpfen. (...) Man will innere Vorbehalte gegen die Homo-Ideologie abbauen und jungen Menschen anstiften, sich als 'Homosexuelle' zu bezeichnen."

Kath.net fasst die Kritik so zusammen: "Gegen Nächstenliebe sagt auch keiner was. Ausgegrenzt werden sollen [die] Betroffenen auch nicht. Aber wer erklärt ihnen die Schöpfung, die Bedeutung der Sexualität als Mann und Frau? Wer öffnet die Türen in die Tiefen des Menschseins?" Fazit: die Homo-Aufklärung bringt einen vom Menschsein ab.

CSU: kein Problem

Die Christen erzürnt auch, dass die CSU keinen Widerstand gegen die Plakate leiste. Im Münchner Rathaus habe es keinen Protest gegen das Vorhaben gegeben, das bayrische Kultusministerium habe sich gar ausdrücklich für die Anbringung der Plakate ausgesprochen. Die seien "kein Problem", wird das Ministerium zitiert, das den Berichten zufolge auch noch empfahl, Homo-Aufklärungsgruppen in die Schulen einzuladen, auch um HIV-Prävention zu betreiben. Die Haltung des Ministeriums konnte am Samstag jedoch nicht näher verifiziert werden.

Dabei hat die Aktion in München gerade erst angefangen. Nach Auskunft der Rathaushomos planen die Organisatoren Lehrerfortbildungen, Veranstaltungen an den Schulen sowie ein Lernpaket für den Unterreicht - und gar einen Brief an die Eltern von Neuntklässlern, in dem diese über Homosexualität aufgeklärt werden. Dem auch in Türkisch und Serbisch verfassten Brief liegt zudem eine Adressliste mit Hilfestellen für Jugendliche bei. "Ich bitte Sie als Eltern um Offenheit und Verständnis", schreibt die Schulrätin Elisabeth Weiß-Söllner.

Samstag, 26. November 2005



28 Kommentare

#1 gerdAnonym
  • 26.11.2005, 16:33h
  • Zunächst vorweg: selbst die CSU, der ich sehr viel "Mist" anlaste, steht auf der Ebene, dass kein Mensch diskriminiert werden darf, egal welcher sexuellen Orientierung er/sie angehört.

    Da zieht die CSU die Abgrenzung zu rechtsradikalen Gruppen und bleibt auf der Seite der noch als demokratisch anzusehenden Parteien.
    Und daher dürften auch CSU-Politker, diese Aufklärungskampagne zwar nicht selbst "gross" pushen, aber CSU-PolikerInnen werden sie auch nicht verbieten oder angreifen.

    Das würde auch der CSU das "Genick" als demokratische Partei brechen.

    ---
    Zu kreuz.net sei gesagt, liebe Redaktion: dies ist eine kleine Gruppe von Fundamentalisten, denen Ihr nicht zuviel mediale Aufmerksamkeit schenken solltet; das halte ich für einen journalistischen Fehler, denn dann könnt ihr auch auf die Verlautbarungen der NPD/DVU eingehen und dies sollten "gute" Journalisten nicht machen (denselben Fehler hat vor vielen Jahren einmal Herrr Gottschalk in einer Fernsehdiskussion gemacht und dies hinterher bereut). Schaut Euch bitte genau an, welcher "Deckmantel" sich hinter eine HP versteckt.

    Bei kath.net sieht es schon ein wenig anders aus, während bei mykath.de eher die andere Seite der Katholiken zum Tragen kommt. Die offizielle Seite der Katholiken im Internet ist immer noch katholisch.de oder die dbk.de.

    Zuviel mediale Aufmerksamkeit sollte man fundamentalistischen Christen in Deutschland nicht geben, denn sie sind zumindest in Deutschland eine ganz klare Minderheit unter den Christen.
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#2 SvenAnonym
  • 26.11.2005, 16:36h
  • Na, das ist doch mal echt eine gute Nachricht aus Bayern.
    Bleibt nur zu hoffen, dass die Intelligenten nicht vor den Idioten zurückschrecken.
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#3 MarkusHHProfil
  • 26.11.2005, 18:58hHamburg
  • Liebe beteiligte Christen,

    offensichtlich habt Ihr vergessen, dass Ihr zu Beginn Eurer Karriere von anders denkenden aus verschiedenen, in der modernen Welt nicht mehr nachvollziehbaren Gründen verfolgt worden seid und Euer erstes Gründungsmitglied sogar sein Leben dafür hergab.

    Eine eigene Meinung zu Schwulen und Lesben könnt Ihr selbstverständlich haben. Aber bitte verschont mich künftig mit Verurteilungen über Dinge oder Menschen, von denen Ihr ganz offenbar nicht die geringste Ahnung habt.

    Hiermit spreche ich Euch bis zur Rücknahme Eurer Äußerungen jegliche Intelligenz ab.

    Gruß aus dem tolerante(re)n Norden!
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#4 ssj3 vegotenksAnonym
  • 26.11.2005, 19:37h
  • es geschehen anscheinend doch noch zeichen und wunder o.O die CSU (!) ist mal FÜR eine homo-kampagne?? das ich das noch erleben darf o.o

    also wie gerd ja schon sagte: die csu verzapft zwar sonst jede menge mist (und für nen links eingestellten noch ne ganze ecke mehr :ugly: ) aber dafür muss ich den typen ausnahmsweise mal n dickes lob aussprechen :> :top:

    zu kirche und co: da ich eh n atheist bin, gilt bei diesen "gruppierungen" für mich nur: ihr könnt mich mal kreuz..... ^^ solange sie nicht zu dicken einfluss auf die politik haben sollen sie doch denken was sie wollen -.- n intelligenter mensch kann sich da nur sagen: an den hinterwäldlern da ist halt die zeit vorbeigerauscht und fertig.

    wollen ma hoffen dass das ganze weiteren anklang findet :) mal sehn vielleicht kommt ja doch mal die zeit wo man jemanden, den man süss findet auf offener strasse fragen kann ob er auch schwul ist und dafür nicht nen verärgerten blick und glotzende passanten sondern ein einfaches ja oder nein erntet.... (es schaffen leider nicht alle auf den ersten blick zu erkennen ob jemand homo oder hete ist, leider :/ )

    cya v3g0
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#5 LinkerCacheAnonym
  • 26.11.2005, 21:32h
  • Êrstmal vorweg: Warum finden solche Aktionen nicht Bundesweit statt?? vorallem im Ländlichen Raum bedarf es einer Aufklärung.

    Dann aber diese fundamentalistischen spinner, denen ich auch zutrauen würde, das die sich ne bombe um den bauch binden! Warum hört überhaupt irgendwer auf die? klar, die reihnische post heisst nicht umsonst "reihnische pest". und, diese klemmschwestern fühlen sich belästigt?? ich würde mal sagen, das diese uns normalen menschen mit ihrem gesülze belästigen. In braunschweig stand bis vor wenigen jahren immer in der weihnachtszeit so ein fundamentalist rum und schimpfte auch auf uns, bis er dann mal mehrere strafanzeigen wg. volksverhetzung ran bekam!! also, anzeigen!!
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#6 SaschaAnonym
  • 26.11.2005, 22:48h
  • An alle christlich-fundamentalistischen Antidemokraten da draußen: Dadurch, dass junge Menschen die menschliche Vielfalt kennen lernen und als wesentlichen Bestandteil des menschlichen Seins wahrnehmen, verlieren sie nicht Freiheit, sondern sie gewinnen sie. Wer hier junge Leute mit einer perversen Angstmoral einer freien Selbstfindung und eines selbstbewussten Lebens ihrer Identität berauben will, ist doch wohl offensichtlich. Die Forderung nach Bewusstmachung und Wertschätzung menschlicher Vielfalt ist keine Ideologie, sondern Grundpfeiler einer pluralistischen demokratischen Gesellschaft!

    Deshalb die deutliche Ansage an alle, die immer noch nicht begriffen haben, dass wir nicht in einem wie auch immer gearteten "Gottes-" oder "Kirchenstaat" leben: In einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft gelten die Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und die allgemein anerkannten fundamentalen Menschenrechte, die sich daraus ableiten. Wer damit ein Problem hat, hat in dieser Gesellschaft KEINEN Platz!!!
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#7 Krzyszek
  • 27.11.2005, 08:35h
  • Hallo Sascha,

    wenn du dir auf kreuz.net mal die Kommentare gegen "die Homos" durchliest, wirst du schnell feststellen, dass nach Meinung dieser ultra-orthodoxen (!!) Katholen (alles, was das 2. Vatikanische Konzil an "Fortschritt" brachte, grenzt da schon an Ketzerei) alles Übel unserer Zeit spätestens mit der Französischen Revolution begann. Mit demokratischen Werten à la Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit kann man bei denen keinen Blumentopf gewinnen.

    Da zählt nur das, was wortwörtlich in der Bibel steht und möglichst reaktionär interpretiert wird, also: die Sünde von Sodom, widernatürliche Unzucht und dergleichen, plus die Erscheinungen der Hl. Katharina von Siena zum gleichen Thema.

    Kurz gesagt: ein völlig anderes Jahrhundert, ein völlig anderes Menschenbild als das unsere.
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#8 BücherwurmAnonym
  • 27.11.2005, 12:12h
  • Die Sprache und die Ausdrücke, die von kreuz.net verwendet werden, finden sich auch bei queer.de. Da stehen sich zwei radikale Gruppen gegenüber, die sich gegenseitig mit den diffamierendsten Ausdrücken ("Katholiban" und schlimmeres hier, "Homolobby" und "Homo-Ideologen" dort).
    Den Artikel von Kreuz.net findet man hier:
    www.kreuz.net/article.2270.html.

    Die Münchener Kampagne finde ich persönlich gut gelungen, zeigt sie doch ein Bild von homosexueller Liebe abseits der Klischees.
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#9 seb1983
  • 27.11.2005, 13:18h
  • kann der Kampagne auch nichts schlechtes abgewinnen ( die beiden Typen sind mir ein bischen weich gezeichnet aber ist wohl Geschmackssache *g* )
    jedenfalls werden hier mal nicht irgendwelche Klischees gezeigt die Jugendliche wohl eher abschrecken würden wenn sie sich mit Homosexualität befassen.

    Bildungsangelegenheiten sind ja Ländersache, in diesem Fall scheinbar sogar noch kleinräumlicher. Da ist eine bundesweite Kampagne wohl nicht so einfach zu machen, grade wo der Bund sich ja aus Bildungsfragen weiter zurückzieht (womit ich übrigens nciht einverstanden bin) und Kompetenzen an die Länder abgibt/geben soll
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#10 SaschaAnonym
  • 27.11.2005, 13:30h
  • @Krzyszek:

    Entschuldige bitte, aber ich muss bei fundamentalistischen Antidemokraten keinen "Blumentopf" gewinnnen, sondern sie lediglich auf die Grundprinzipien unserer Gesellschaftsordnung hinweisen. Deshalb bin ich auch der festen Überzeugung, dass die so genannte Religionsfreiheit dort aufhört, wo fundamentale demokratische Grundsätze verletzt werden, d.h. gezielte Propaganda (um nicht zu sagen: Volksverhetzung) gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen betrieben wird.

    Dies deutlich zu machen, ist eine wesentliche und bislang vernachlässigte Aufgabe demokratisch gewählter Politiker, noch dazu in einem Land, in dem Homosexuelle ebenso wie Juden dem Holocaust zum Opfer gefallen sind. Eigentlich sollte man meinen, dass die deutschen Volksvertreter (wie auch das Volk selbst) aus der Geschichte etwas gelernt haben, nämlich dass jedwede Form der Verunglimpfung, Diskriminierung, Ausgrenzung und Unterdrückung auf Grund eines bestimmten persönlichen Merkmals schon im Kern zu ersticken ist.

    Vielleicht galt meine Erwähnung der Werte der Französischen Revolution deshalb in erster Linie der politischen Klasse in diesem Land, die immer noch eine weitreichende Verquickung von Kirche und Staat toleriert bzw. sie sogar bisweilen befördert. HIer handelt es sich um einen DER entscheidenden gesellschaftspolitischen Kämpfe, und wir sollten lieber schnell zusehen, dass wir (und damit meine ich alle, die Freiheit und Gleichheit gegen religiösen Fundamentalismus und Faschismus verteidigen wollen) ihn in aller Entschlossenheit führen und für uns entscheiden!
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