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  • 29. November 2005, noch kein Kommentar

Auf Irlands erfolgreichsten weiblichen Musik-Export ist Verlass. Trotz langer Pause klingt "Amarantine" wie eh und je.

Von Jan Gebauer

Auch wenn seit dem letzten Album "A Day Without Rain" fünf Jahre vergangen sind, hat sich bei Enya nicht viel verändert. Der Mix aus keltischer Folklore, New-Age-Melodien und sinnlichem Easy-Listening klingt auf "Amarantine" im Großen und Ganzen wie schon bei den fünf Alben zuvor. Trotzdem hat sich in den fünf Jahren einiges getan: Die Irin konnte sich dank der Nummer-eins-Hits "Only Time" (2001) und "May It Be" (2002, aus dem ersten "Herr-der-Ringe"-Film) endlich vom One-Hit-Wonder-Status befreien. Obwohl sie als Alben-Künstlerin seit 1989 weltweit sehr erfolgreich im Geschäft steht, tat sie sich mit Single-Erfolgen schwer - "Orinoco Flow" war seinerzeit ihr erster und einziger Welthit gewesen. Nur die Engländer kauften das ein oder andere Single-Plättchen in die Top-Ten, ignorierten dafür aber "Only Time" und "May It Be". Den Erfolg von "Only Time" verdankte Enya ohnehin einem ebenso überraschenden wie schrecklichen "Umstand": Als am 11. September 2001 Terroranschläge die USA erschütterten, begannen Nachrichtensender wie CNN ihre Bilder mit dem Lied von Enya zu untermalen. Profit machte die Irin allerdings nicht damit: Die Erlöse aus der Single seien den Familien der Opfer und den Feuerwehrmännern zugute gekommen, sagte Enya unlängst bei einer Album-Präsentation in Hamburg.

Auch auf "Amarantine" gibt es zahlreiche besinnliche Melodien, die einem wahlweise berühren oder nach einem anstrengenden Tag sanft in den Schlaf lullen. Immerhin ist Enya sprachlich neue Wege gegangen, auch wenn gälische Texte diesmal fehlen. Dafür hat die Sängerin einen Ausflug ins Japanische gewagt: "Sumiregusa (Wild Violet)" basiert auf einem Haiku (japanische Versdichtung) des Dichters Basho. Das fand offenbar auch im Fernen Osten Anklang: Enya habe für ihre nächste Asien-Reise eine Einladung vom japanischen Kaiserpaar erhalten, erzählte Nicky Ryan, Enyas Produzent, auf der Album-Präsentation. Ansonsten alles beim Alten: "Amarantine" wabert, meditiert und säuselt aus allen Rohren – die Streicher schweben, die Harfen zirpen und Enya trällert mit ihrer klaren Stimme liebliche Melodien. Nur am Anfang von "The River Sings" schwappt einem für Sekunden eine dunkle Elektro-Welle entgegen, die dann aber auch ebenso schnell wieder hinter den süßlichen, hundertfach aufgefächerten Vocals von Enya zerfließt.

Fazit: Eine sinnliche Symphonie oder das beste Schlafmittel der Welt – die Grenzen sind ebenso schwebend wie die Melodien. Enya gibt jedenfalls die perfekte Märchenprinzessin, die in ihrem irischen Zauberwelt der Einzigartigkeit des "esoterischen Pops" treu geblieben ist.

Anspieltipps: "Amarantine", "The River Sings", "A Moment Lost", "Sumiregusa"

29. November 2005