Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?3978
  • 02. Dezember 2005, noch kein Kommentar

Mit dem Song-Wettkampf hat die ehemalige Kindersoldatin nichts mehr am Hut, dafür aber endlich ihr Debüt-Album auf dem Markt: "Mein Weg".

Von Jan Gebauer

Die erste Popularität verdankte Senait Mehari (31) ihrer Teilnahme beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2003, als sie mit "Herz aus Eis" nicht unter die ersten Drei kam. Doch ihren großen Durchbruch erlangte sie mit einem Buch: "Feuerherz". Darin berichtet sie in bewegenden Worten unter anderem über ihre Kindheit in Eritrea: Jahre in einem Erziehungsheim, die Qualen als Kindersoldatin und wie sie diese harten Zeiten überstanden hat. Das Buch wurde in Deutschland zu einem riesigen Erfolg und verkaufte sich bislang über 300.000 mal und soll 2006 auch verfilmt werden. Ende 2005 widmet sich Senait – wie sie 2003 beim Vorentscheid noch ausschließlich hieß – nun wieder intensiv ihrer musikalischen Karriere, die zwar weniger harten Tobak, dafür aber durchaus bewegenden bietet. Ihr Album "Mein Weg" enthält nicht den Song "Herz aus Eis", mit dem die Plattenfirma Universal sie seinerzeit als so etwas wie eine "schwarze Michelle" (ja, die Schlager-Michelle) etablieren wollte. "Mit Michelle habe ich nun wirklich nichts gemein", sagte Senait unlängst zur "Netzeitung". Auch über den Grand Prix denkt die Sängerin nicht gerade gut: "Eigentlich ist es ein Song Contest, bei dem das beste Lied gewinnen soll, und ich bin dort als Musikerin hingegangen. Geschockt hat mich dann, wie oberflächlich die ganze Sache war. Dieses Trara, wer ist am besten gekleidet und so weiter, blablabla. Wenn jetzt nochmal eine Anfrage käme - ich würde nicht mehr mitmachen."

Senait singt mit einem eigenen Stil, dem "Senait-Style", wie sie ihn nennt, einer "Mischung aus R&B, Pop und ethno-afrikanischen Elementen". Darüber hinaus hat die Sängerin für die No Angels getextet und am Rilke-Projekt mitgewirkt. Das klingt nach einer bunten Mischung und doch sind die Töne auf "Mein Weg" nicht weltbewegend neu, sieht man mal davon ab, dass die sensible Künstlerin zwei Songs in ihrer Muttersprache Tigrigna aufgenommen hat (Kap geza hadime", "Libey"). Allerdings kann man Senait auf keinen Fall ihr "Feuerherz" absprechen, dass auch auf "Mein Weg" deutlich hörbar ist. Ihre Liebeslieder klingen warm und vertraut und hüllen einen ein wie ein schützender Wintermantel – was hauptsächlich auch an der Stimme von Senait liegt. Diese klingt wie Milch und Honig – seidig und doch stark. Während Titel wie "Das Schicksal" sensibel daherkommen, kann die Sängerin auch äußerst wütend und trotzig klingen wie bei "Ich bin okay". Die beiden Lieder in Tigrigna entführen darüber hinaus in eine andere Welt – auch wenn man nicht genau weiß, worüber Senait singt.

Fazit: Ein starkes, sensibles Debüt einer vielseitig talentierten Künstlerin. Als Autorin hat sie bereits ihren Durchbruch geschafft – hoffentlich findet sie als Sängerin ebenso viel Beachtung.

Anspieltipps: "Das Schicksal", "Schrei", "Ich bin okay", "Das Spiel", "Libey"

2. Dezember 2005