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Ihr neues Album ist ein Tribut an Jazz-Legende Peggy Lee. Doch mit dem Songbook-Konzept eifert Midler auch der großen Ella Fitzgerald nach.

Von Jan Gebauer

Mit dem "Rosemary Clooney Songbook" gelang Bette Midler 2003 ein überraschend großer Erfolg in den amerikanischen Charts. Das von Barry Manilow produzierte Album inspirierte Midler prompt zu einer weiteren Sammlung von legendären Aufnahmen einer anderen Sängerin im Grenzbereich von Vocal Jazz und Pop: Peggy Lee. Die 2002 verstorbene Legende besaß einen unheimlich reichen, bunten Katalog an Songs, bei dem es sicher nicht schwer fiel eine handvoll schöne Titel auszuwählen. Midler und Manilow entschieden sich für zehn der besten und vor allen Dingen bekanntesten Titel von Lee. Das Konzept des "Songbooks" ist nicht neu, denn legendär sind unter anderem jene von Ella Fitzgerald – die allerdings nicht Lieder von bestimmten Interpreten versammelten, sondern sich hauptsächlich auf Werke von großen Komponisten wie Cole Porter konzentrierten. Midler und Manilow, mit dem die Sängerin schon zu Anfang ihrer Musik-Karriere Anfang der 70er Jahre arbeitete, entwickelten gemeinsam die Idee, Songs von legendären Diven aufzunehmen. Und zumindest in den USA ist das Konzept vollends aufgegangen: Das "Peggy Lee Songbook" ist das erste Top-10-Album für Midler seit 15 Jahren.

Besonders mutig ist es allerdings nicht, ein Tribut mit "Fever" zu eröffnen, denn dieses Lied ist natürlich durch und durch mit Peggy Lee verknüpft. Sie machte den schwülen Song weltweit bekannt – und hunderte Cover-Versionen (unter anderem von Daliah Lavi, Madonna, James Brown oder jüngst Michael Bublé) folgten. Jedoch ist Midler als Künstlerin eigenständig genug, dem Lieder ihren ureigenen Stempel aufzudrücken. Überhaupt klingt ihre Stimme verspielt, lässig und präsent wie schon seit langem nicht mehr. Davon präsentieren besonders die Balladen wie das eigenwillige "Is That All There Is?", "The Folks Who Live On The Hill" oder "Happiness Is a Thing Called Joe". Manche der flotteren Nummern wie "Big Spender" oder "Alright, Okay, You Win" hätten vielleicht etwas mehr Midler-Humor gebraucht, um gegen die brillanten Original-Versionen zu bestehen, aber Manilows Arrangements sind insgesamt geschmackvoll und gediegen geraten – dem passt sich Frau Midler geschmeidig an. Und "Big Spender" wurde sowieso weder von Midler noch von Lee so perfekt intoniert wie von Shirley Bassey.

Fazit: Ein erhabenes Tribut an die in Deutschland etwas in Vergessenheit geratene, brillante Peggy Lee. Die Hoffnung mit den ausgewählten Songs auch wieder auf die Originale aufmerksam zu machen, wie es Midler so schön im Booklet formuliert, geht voll auf.

Anspieltipps: "Fever", "He's a Tramp" (aus dem Disney-Film "Susi & Strolch"), "Is That All There Is?", "The Folks Who Live On The Hill"

12. Dezember 2005