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1984: Zwischen Big Brother-Furcht und Aids-Krise setzt George Michael seinen unerschütterlichen Optimismus mit einem Weihnachtshit.

Von Christian Scheuß

"Die Bombardierung Rußlands beginnt in fünf Minuten", scherzt US-Präsident Ronald Reagan während seines Wahlkampfes im August 1984. Ein kleiner Lapsus des ehemaligen Cowboy-Darstellers bei einer Mikrofonprobe, den der Rest der Welt gar nicht lustig findet. Der kalte Krieg ist noch immer nicht beendet, laut Plänen des amerikanischen Verteidigungsministeriums soll er demnächst seine Fortsetzung im Weltall finden, als lasergestütztes System zur Abwehr von atomar bestückten russischen Langstreckenraketen. Die Bedrohung, so irreal sie auch ist, sie legt sich wie ein Schleier, der einem das (angst)freie Atmen erschwert, über die Welt

Ein Fazit können viele in der Adventszeit ziehen: 1984, das ist das Jahr der gemischten Gefühle im Zeichen von Big Brother. George Orwells böse Science Fiction-Fantasy einer entmündigten Bevölkerung in einem totalitären Überwachungsstaat ist zwar nicht Wirklichkeit geworden, doch die Vision des gläsernen Bürgers wird ebenso als gefährlich empfunden wie die Raketenpläne eines durchgeknallten US-Präsidenten. Die heranrollende Aids-Krise (Ende 1984 sind 100 Fälle in der BRD gemeldet) macht es noch schlimmer.
Gegen die politische Schwarzmalerei strahlt eine bunt verspielte und lebensfrohe Musik- und Kulturszene an. Die britische Band Bronski Beat mit Frontsänger Jimmy Somerville outet sich mit dem Album "Age of Consent". Freddie Mercury stöckelt im Video "I want to break free" als staubsaugerbewehrte Fummeltunte durchs Bild. Extrembrillenträger Elton John heiratet (eine Frau). Michael Jackson behauptet im Interview von sich, nicht schwul zu sein, der Kölner Rocker Jürgen Zeltinger dagegen ("Ich bin ein Asi mit Nivoh") zelebriert genussvoll sein Coming Out im schwulen Magazin Du & Ich.

Auch Wham! tummelt sich erfolgreich im schrillen Musikbiz des Orwell-Jahres. Georgios Kyriacos Panayiotou alias George Michael und Andrew Ridgeley sind bestplatzierte Gäste in der Bravo, zwischen Dr. Sommer (Sexreport `84 - Tom: ich fasste meinem Freund ans Glied) und Frisurtipps. Letztere sind, wie die Jungs von Wham! eindrucksvoll beweisen, enorm wichtig. Strähnchengefärbte Megahaarhauben, die Mutter Beimer aus der Lindenstraße neidisch machen würden, sind der absolute Trend. Die ehemaligen Ska-Musiker schlugen 1982 mit "Wham Rap! (Enjoy What You Do)" erstmals im Pop-Geschäft ein. Die Aussage des Songs, es sei absolut prima, sich auf Kosten von Arbeitslosengeld durchs Leben zu schlagen, provozierte. Auch Bad Boys (1983), Club Tropicana (1983), Wake Me Up Before You Go Go (1984) und Freedom (1984) werden internationale Hits, die den Ruf der Beiden als locker lebende Luxus-Föhnhuschen mit ungeklärter sexueller Orientierung festigen.

Als am 15. Dezember "Last Christmas" veröffentlicht wird und bei den Radiostationen sofort in die so genannte "heavy rotation" rutscht, ahnt noch niemand, das da ein künftiger Klassiker abgenudelt wird, der von nun an alljährlich im Wettstreit mit Bing Crosbys "White Christmas" um das beste Weihnachtslied aller Zeiten liegt. Der Song passt so perfekt in das Jahr 1984, weil er nicht in das bedrohliche Dunkel nach draußen schaut, sondern die eigene private Beziehung mit einem Optimismus betrachtet. "Hey", schmachtet George Michael. "Ich hab zwar letztes Jahr mein Herz an jemanden verschenkt, der auf meinen Gefühlen herum trampelte. Aber was soll’s. In diesem Jahr brauche ich keine Tränen zu fürchten, denn ich habe schon jemand ganz besonderen im Auge, dem ich diesmal mein Herz schenken werde." Eine schönere Weihnachtsbotschaft kann es eigentlich nicht geben…

13.12.2005



#1 SaschaAnonym
  • 14.12.2005, 15:13h
  • Immer wieder schön zu hören!!! George Michael macht überhaupt bis zum heutigen Tag außergewöhnlich gute Musik (seit seinem inneren Coming Out Ende der 80er Jahre sogar sehr viel bessere als zu Wham-Zeiten) und sieht dabei heute noch genauso knackig und sexy aus wie vor zwanzig Jahren. Tja, da darf man auch schon zur bevorstehenden Hochzeit mit seinem Liebsten gratulieren!
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#2 wichserAnonym
#3 martinAnonym
  • 09.02.2006, 17:17h
  • na dann hast du im dezember ja immer alle hände voll zu tun, so oft wie das im radio läuft.
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